Beim Verfassen seiner Dissertation stößt ein junger Doktorand der Philosophie auf eine Schrift aus dem 18. Jahrhundert. Darin stellt ein gewisser Gaspard Languenhaert die gewagte These auf, die Welt existiere nur in seinem Denken - und er sei ihr Schaffer und Verwalter. Schon bald ist der junge Mann Feuer und Flamme von Gaspards Theorien und will immer mehr über den niederländischen Exzentriker in Erfahrung bringen. So taucht er immer tiefer in eine faszinierende, ungewohnte Welt ein, was nicht ohne Folgen für ihn bleiben soll...
Selten fand ich einen Romananfang so packend und fesselnd wie jenen in Eric-Emmanuel Schmitts Romandebüt "Die Schule der Egoisten". Als Leser folgt man ebenso staunend wie der Ich- Erzähler den immer wieder neuen Indizien hinsichtlich der Identität Languenhaerts und ist dabei fasziniert und erstaunt sowohl über den Platz des Menschen, die Schaffung seines Weltbildes, die Existenz Gottes als auch der Verschmelzung zwischen Realität und Fiktion und dem Verfallen des Wahnsinns, die unabdingbar damit einherzugehen scheinen.
Doch anders als die wahrlich begeisternden Erzählungen "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" und "Oskar und die Dame in Rosa", denen Schmitt seinen exzellenten Ruf und seinen Rang als Weltliterat zweifellos völlig zu Recht zu verdanken hat, vermag "Die Schule der Egoisten" kaum zu überzeugen. Wenn die Sprache auch gewohnt poetisch geraten ist und die Geschichte sehr flüssig erzählt wird, so enttäuscht Schmitts erster Gehversuch als Romancier letzlich dennoch, was vor allem an dem etwas abrupt einsetzendem Ende liegt und daran, dass die Geschichte sich über kurz oder lang zu sehr versteigt, ohne den Leser wirklich zu fesseln, weshalb sich einfach kein einheitliches Bild einstellen will.
Wer gerne Geschichten voller philosophischer Grundtöne mit einem Hauch historischer Anklänge liest, oder einfach alles von Eric-Emmanuel Schmitt gelesen haben will, der könnte an "Der Schule der Egoisten" durchaus Gefallen finden. Wer bislang aber noch nie etwas von Schmitt gelesen hat, der sollte erstmal die bereits erwähnten Erzählungen "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" und "Oskar und die Dame in Rosa" lesen, denn die zeugen wahrhaftig von Schmitts literarischem Genie und garantieren Lesespaß pur.