Die 28-jährige Mukhtar Mai wird von einem pakistanischen "Stammesgericht" vier Männern zur Vergewaltigung übergeben. Damit soll sie eine Schuld bezahlen, die ihrem kleinen 12-jährigen, unschuldigen Bruder mutwillig angelastet wird. In ihrem Buch berichtet sie nicht nur erschütternd von ihrer eigenen Geschichte. Sie gewährt auch Einblick in uralte Bräuche, die sich neben dem offiziellen pakistanischen Rechtssystem klar behaupten und sich durchaus auch damit arrangieren lassen: Frauen haben die Strafe für die Taten von Männern zu bezahlen, oftmals mit ihrem Körper, der der Vergewaltigung anheim gegeben wird, oftmals mit dem eigenen Leben. Der Leser erfährt Einiges von der gängigen Praxis der Regelung sogenannter "Ehrenschuld" in diesem Land.
Vor allen Augen des Dorfes aus dem Raume gestoßen, in dem sie eine Nacht lang ihre Peiniger erdulden mußte, legt das Brauchtum auch nahe, daß sie ihrem Leben nun selbst ein Ende setzt.
Mukhtar Mai entscheidet sich jedoch für ihr Leben und für die Suche nach Gerechtigkeit. Diese für eine pakistanische Frau äußerst unübliche Vorgehensweise erregt große Wut bei ihren Peinigern und deren Familien, die nun Todesdrohungen aussprechen. Dies wirkt umso beklemmender, als der Leser erfährt, daß lediglich ein Maisfeld Mukhtar Mai von den Familien ihrer Peiniger trennt.
Mich hat die persönliche Geschichte dieser Frau in diesem lebensfeindlichen Umfeld so gefesselt, daß ich das Buch äußerst schnell zu Ende lesen mußte. Selbst mehrere Tage nachdem ich die Lektüre abgeschlossen habe, beschäftigt mich ihr Schicksal noch immer.
Ich empfehle das Buch gerne und gebe volle Punktzahl für ein sehr spannendes und informatives Werk. Pakistan existiert erst jetzt auf meiner "inneren Landkarte".