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Clay Carter, ein hart arbeitender Pflichtverteidiger in Washington, sieht sich vor eine folgenschwere Entscheidung gestellt: Seine Freundin Rebecca möchte ihn heiraten und eine Familie gründen, doch Rebeccas Vater ist ein reicher Baulöwe, was Clay nicht mit seinem Gewissen als Umweltschützer vereinbaren kann. Außerdem bereitet es ihm Schwierigkeiten, wie selbstverständlich Rebecca Unmengen von Geld ausgibt, während er mit einem nicht eben üppigen Gehalt auskommen muss.
Da erhält er plötzlich die Chance, selbst in höhere gesellschaftliche Schichten aufzurücken. Ein großer Pharmakonzern bietet ihm viel Geld dafür, einen Skandal zu verhindern: Eines ihrer Medikamente hat in wenigen Fällen eine fatale Nebenwirkung -- sie macht aus harmlosen Menschen kaltblütige Mörder. Clay soll dafür sorgen, dass die Angelegenheit außergerichtlich geregelt wird. Nach kurzem Nachdenken beschließt er, sein Gewissen auf Eis zu legen und den Auftrag zu übernehmen. Er kündigt seinen verhassten Job und gründet eine eigene Anwaltskanzlei. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten, und zwar in einer Größenordnung, von der Clay früher nicht einmal zu träumen gewagt hätte. Aber auch der Preis, den er dafür entrichten muss, übersteigt sein Vorstellungsvermögen.
"Vertrauen Sie mir, ich bin Anwalt", lautet einer der schönsten Sätze in Grishams neuestem Justiz-Thriller -- wissen wir doch alle, dass Anwälte (nicht nur, aber vor allem in den USA) ungefähr so vertrauenswürdig sind wie Gebrauchtwagenhändler. Die Schuld ist ein Großangriff auf all jene, die aus berechtigten Ansprüchen zahlreicher Kläger mehr Gewinn ziehen als die Klienten selbst. Dabei geht es gelegentlich recht plakativ zu und Grisham scheut sich auch nicht, einige altbekannte Klischees zu bemühen, um seine Ansichten deutlich zu machen. Aber die Mischung stimmt: Abenteuer aus der Welt der Reichen und Berühmten, mit einer ordentlichen Portion Sozialkritik angereichert -- Grisham-Fans werden nicht enttäuscht sein. --Felix Darwin -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Die ersten Hinweise
Spannend für den Leser sind anfangs vor allem die Informationen darüber, wie im Falle des Buches amerikanische Pharmakonzerne mit der Schuld umgehen können, ihre noch nicht ganz marktreifen Produkte an unschuldigen Menschen zu testen. So geschehen unter anderem im Fall des jungen Tequila Watson, der sich freiwillig einer Medikamentation zu Behandlung seiner Drogensucht unterzieht, nicht wissend, dass dieses Medikament bei einem gewissen Prozentsatz der Konsumenten ungeahnte Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine ungeahnte Aggressivität hervorrufen kann. Teaquila gehörte zu diesem geringen Prozentsatz und brachte im Rausch der Nebenwirkungen einen weiteren Menschen um.
Der Vorteil des Insider-Wissens
Das alles erfärt Clay Carter von Max Pace - so das Pseudonym des Informanten - der sich plötzlich in Clays Leben drängt. Die Umstände seines Auftauchens, die Informationen, die er dem jungen Anwalt zukommen lässt, all das ist bis aufs Letzte spektakulär und atemraubend - und führt zu dem grandiosen Karriere-Erfolg des früher erfolglosen Pflichtverteidigers. Doch das war es dann auch schon fast an spannenden Momenten - und das nach knapp einem Drittel des Buches.
»Er weiß weder, wer dieser Mensch ist, der ihn mit all dem Insiderwissen versorgt, noch, wer ihn geschickt hat und warum. «
Rund 200 Seiten lang passiert dann verleichsweise wenig, denn Clay hinterfragt nicht ein einziges Mal die Umstände dieser "Kooperation" mit Max. Er weiß weder, wer dieser Mensch ist, der ihn mit all dem Insiderwissen versorgt, noch, wer ihn geschickt hat und warum. Der behauptet lediglich im Sinne der Pharmaunternehmen zu handeln, um die möglichen Schadenersatzsummen möglichst gering zu halten - in Form eines außergerichtlichen Vergleiches. Und Clay gibt sich mit dieser Information bereits zufrieden und genießt die angenehmen Seiten von Geld und Macht
Geld verdirbt den Charakter
Doch Max gibt auch anderes Wissen weiter - Informationen, die der Konkurrenz des namentlich niemals öffentlich erwähnten Pharma-Riesen durchaus schaden und in den Ruin treiben können. Und Clay nimmt - Dollarnoten in Milliardenhöhe vor Augen - jeden dieser Hinweise unreflektiert an. Geld und Macht haben ihn geblendet. Was will er neben dem Besuch beim Präsidenten, seiner Villa in warmen Gefilden und Millionengehältern noch? Ein Verhalten, das nicht zuletzt durch die Unfähigkeit Carters zu kritischer Begutachtung der zugespielten Informationen zum Fiasko für Clay und seine Mitarbeiter führt ...
»Wer - vertragsgemäß - mehr als zwei Thriller pro Jahr unter Erfolgsdruck herstellen muss, kann nicht immer auf Qualität produzieren. «
Nicht ganz die Erwartungen erfüllt
Kurzum: Kein typischer Grisham-Thriller im herkömmlichen Sinne, denn Das Kartell oder Die Firma wirkten um Klassen spannender erzählt als dieses Buch! Dennoch muss man Grishams Arbeit in Schutz nehmen: Wer - vertragsgemäß - mehr als zwei Thriller pro Jahr unter Erfolgsdruck herstellen muss, kann nicht immer auf Qualität produzieren. Schade eigentlich, denn die Thematik des Buches, "Die Schuld" - die Verurteilung der Geldgier und Unreflektiertheit von amerikanischen Staranwälten und der Skrupellosigkeit von - in diesem Fall amerikanischen - Pharmakonzernen - ist ein äußerst spannendes Feld. Und der Anfang des Buches entsprach diesem hochspannenden Thema zumindest in Ansätzen. Fazit: Lesenswert, obgleich wenig spannungsgeladen ...
An dieser - zugegebermaßen kurzen - Zusammenfassung, die die zahlreichen Handlungsstränge nicht wiedergeben kann, wird die Problematik deutlich.
Als Thrillerautor überzeugt Grisham eindeutig. Er schafft es, auf rund 450 Seiten den Aufstieg und Fall Clay Carters, der trotz seiner charakterlichen Schwächen sympathisch dargestellt wird, spannend darzustellen. Dass die Charaktere nicht ausgiebig beschrieben werden, sondern - mit Ausnahme des Protagonisten - relativ blass bleiben, mag man Grisham verzeihen. Die Spannung bleibt bis zum - für mich sehr vorhersehbaren - Ende bestehen. Grisham ist kein Stilist; sein Stil wirkt eher hölzern, seine Charaktere sind nicht ausgereift und undifferenziert - mit Ausnahme Carters.
Positiv ist auch, dass Grisham, selber Anwalt, einen faszinierenden Blick in seine Berufssparte und den Hintergrund der Sammelklagen vermittelt. Wie in früheren Romanen erscheint die Mehrheit der Anwälte als geldgierige und skupellose Vertreter einer Zunft, denen das Wohl ihrer Mandanten völlig egal ist und die einzig allein an ihren Honoraren interessiert sind. Ausnahme ist dann am Ende lediglich die Anwältin, die die geprellten Mandanten gegen Clay und seine Kollegen vertritt - und letztlich recht bekommt.
Wenn man sich allerdings den Plot genauer ansieht, so wirkt er schnell dahingeworfen. Die Moral von der Geschichte, dass Skrupellosigkeit schlecht endet, erscheint mir zu dick aufgetragen. In Wirklichkeit scheint es mir eher so zu sein, dass das von Grisham gewählte Ende idealistisches Wunschdenken verrät; in Wirklichkeit dürften die skrupellosen Anwälte mit ihren ausgeklügelten Strategien, die Grisham schildert, größere Chancen haben, zu gewinnen als die Idealisten, denen es wirklich um ihre Klienten geht. Unwahrscheinlich ist auch, dass Clay Carter vor seiner wichtigen Entscheidung, eine eigene Kanzlei zu gründen und aus dem Staatsdienst auszusteigen, keine näheren Informationen über den geheimnisvollen Informanten Pace einholt, dessen Machenschaften ihn schließlich ins Verderben führen.
Insofern ein zwiespältiges Fazit: durchaus spannend, aber zum Teil durchaus einfach gestrickt und vorhersehbar. Die Bewertung hängt also sehr von der Sichtweise des Lesers und seiner Prioritätensetzung ab. Kein überragendes Buch, sondern Durchschnitt. Allerdings garantiert der Thriller spannende Unterhaltung.
Es geht hier um die Massenprozesse in Amerika, von denen man in den Nachrichten hört, wenn wieder eine Firma wegen fehlerhafter Produkte von vielen Tausend Geschädigten auf einmal verklagt wird und die Geldbußen manchmal Milliarden betragen. Ungefähr ein Viertel davon bleibt bei den Anwälten, die die Klage vertreten. Dies sind jetzt Clays Kollegen, über deren Verschwendungssucht er zuerst entsetzt ist, bis er sich dann nach und nach auch mit den üblichen Statussymbolen umgibt. Dass Grisham es dabei immer noch schafft, beim Leser Sympathie für Clay zu wecken, ist wahrscheinlich eine der positivsten Überraschungen des Buches. Doch genauso weiß man als Leser, dass es so nicht weitergehen wird und dass auf den kometenhaften Aufstieg unweigerlich ein vermutlich genauso weiter Fall folgen wird. Die Frage ist nur wann und wie.
"Die Schuld" ist viel besser, vor allem interessanter, als Grishams letztes Buch, "Der Richter", kommt aber bei weitem nicht an die bisher besten Werke des Autors ("Die Firma", "Der Partner", etc.) heran. Angesichts des vorhersehbaren Endes und der wenigen Überraschungen auf dem Weg dorthin, kann ich mehr als drei Sterne nicht vergeben.
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