Mit Freuden habe ich das neue Buch von Ann Benson bestellt und auch direkt zu Lesen begonnen.
Doch irgendwie hat es mich enttäuscht:
Wie auch in "Die siebte Geißel" und "Die brennende Gasse" zappt die Autorin zwischen Gegenwart und Vergangenheit, hier Frankreich im 15. Jahrhundert, hin und her.
Doch das Buch zeigt Längen und ist sehr vorhersehbar.
Der Vergangenheitsstrang wird von dem seinerzeiten Serienmörder Gilles de Rais beherrscht, dessen Amme seine dunkle Seite und die Verbrechen, die er aus homosexuellen Begierden an Kindern, hauptsächlich Jungen, begeht, aufdeckt. Hier steht eigentlich nicht das Verbrechen an sich im Vordergrund, sondern die Auseinandersetzung der Amme, die selbst einen ihrer Söhne durch ihren Milchsohn verlor. SÄMTLICHE Verquickungen sind klar und deutlich, von spannender Wendung keine Rede. Auch muß ich sagen, daß der Aufbau des Zweifels an Gilles de Rais Schuld, sehr zaghaft und somit im Prinzip nicht vorhanden ist.
Allein dieser Erzählstrang hätte von mir zwei Sterne bekommen - aber nur aufgrund der Recherchen und der schlüssigen Darstellung.
Den dritten Stern gerettet hat der Gegenwartsstrang. Zwar ist auch hier der Täter bereits sehr früh erkannt und auch der große Showdown für erfahrene Krimileser schon fast einen Gähner wert (da einfach zu vorhersehbar!), doch rettet hier der gute Charakter der ermittelnden Polizistin (geschieden, drei Kinder und berufstätig) das Buch und somit einen Stern, auf daß ich die Bewertung auf 3 Sterne setze.
Kurz und knapp: Ich habe schon schlechtere Bücher gelesen, aber liest man das Buch nicht, wird man a) nichts verpassen und b) nichts fehlen. Es ist recht vernünftig übersetzt, und, vielleicht wichtig für Zartbesaitete, unblutig und vermeidet die genaue Beschreibung der durchgeführten Verbrechen - hier wird mehr angedeutet.