Christoph Ransmayr ist offensichtlich ein Schriftsteller, der aus jedem Stoff einen packenden Roman formen kann, egal ob er sich Ovid als Ausgangspunkt vornimmt, oder die "Payer-Weyprecht Expedition von 1872", wie hier in "Die Schrecken des Eises und der Finsternis". Einerseits sind es Tagebucheinträge, das Logbuch und andere überlieferte Schriften der Mannschaft dieser Expedition, die 1872 aufbrach, um neues Land zu finden, zwei Jahre im Packeis gefangen war, das "Franz Joseph Land" fand und dann, da klar war, dass die "Admiral Tegetthoff" im Eis bleiben würde, sich, die Beiboote über das Eis schleppend, bis Nowaja Semlja durchkämpfte, wo sie am 24.08.1874 vom russischen Schoner "Nikolaj" gerettet wurden. Hier zitiert Christoph Ransmayr im Orginal, zusätzlich erfindet er, aufbauend auf diesen Schriften, eine Erzählung, wie es hätte sein können. Eine weitere Ebene ist die fiktive Geschichte des in Wien lebenden Italieners Josef Mazzini, der sich mehr als hundert Jahre später auf die Spuren der "Tegetthoff" heftet und letztendlich in Spitzbergen unter mysteriösen Umständen verschollen ist. Großartig gelungen ist die Verflechtung der beiden Erzählstränge, man lebt mit der Mannschaft der "Tegetthoff" mit und kann sich mit Josef Mazzini identifizieren, vor allem ist es heute viel einfacher als zur Zeit der Entstehung dieses Romans (vor mehr als zwanzig Jahren), nach Longyearbyen zu kommen, es gibt mittlerweile täglich Flüge (SAS, Braathens u.a.), einige gute Hotels und sogar einen Campingplatz in der Nähe des Flughafens (das sind ein paar Ergebnisse meiner durch das Buch inspirierten Reise-Recherche, ich habe wirkliche Lust bekommen, diese kalte Gegend zu erkunden- ein bis zwei Wochen). Sprachlich von erlesener Schönheit, ist es ein Genuss, in diese eiskalte Welt einzutauchen. Ein spannender literarischer Abenteuerroman, der alle Sinne befriedigt, mehr kann man eigentlich nicht verlangen.