Spannend und anschaulich erzählt Gina B. Nahai die Geschichte von mehreren Personen, deren Schicksale miteinander verknüpft sind. Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht Little Sam Jenkins, Anführer einer christlichen Sekte in den amerikanischen Appalachen. Weder Feuer noch Schlangenbisse oder pures Gift konnten ihm etwas anhaben. Die Ursache dafür sah Jenkins in seinem festen Glauben begründet und um seine Unverwundbarkeit zu beweisen trank er ständig pures Schlangengift, hielt glühende Holzscheite in seinen Händen und weigerte sich dabei beharrlich einen Arzt zu konsultieren.
Umso verblüffender, dass Little Sam dann plötzlich doch starb. Und das an einem ganz normalen Schlangenbiss, wie er ihn schon hundert Mal überlebt hat. Ist es wirklich so, wie der Prediger auf dem Sterbebett sagte? Tötete ihn die Schlange, weil Blue, ebenfalls Anhängerin der Sekte der Schlangenberührer, sie ihm mit dieser Absicht gegeben hatte?
Damit kommen wir zu Blue, einer weiteren Hauptfigur in Nahais Geschichte. Die übrigen Stadtbewohner wissen nur, dass der Professor sie eines Tages als seine Frau aus Asien mitbrachte. Die junge Frau war damals noch ein Kind und ist als Ehefrau des Professors, einem kleinen, schmächtigen Mann, der immer ein Außenseiter gewesen ist, nie wirklich in der Gemeinde akzeptiert worden. Dennoch kennt sie jeder: Mit ihrer fast weißen Haut, dem kupferroten Haar, den blauen Augen und der zarten, engelsgleichen Figur. Eine geheimnisvolle Schönheit, die auch Little Sam Jenkins in ihren Bann gezogen hatte und Mitglied der Sekte gewesen ist.
Sams Sohn Adam kommt nun, nachdem er von dem Tod seines Vaters in der Zeitung gelesen hat, in die Appalachen um die Wahrheit herauszufinden - die Wahrheit über seinen Vater, über Blue und über die Sekte der Schlangenberührer. Doch schon bald muss er feststellen, dass dies nicht so einfach ist. Die Menschen scheinen ihm nicht zu trauen und selbst nicht zu wissen, was sie glauben sollen. Die einen sehen in Blue eine eiskalte Mörderin, die anderen halten sie für eine Art Göttin. Und als Adam Blue persönlich begegnet kann auch er sich ihrem Bann nicht entziehen. Er lässt sie ihre Geschichte erzählen und merkt am Ende, dass er nicht länger der neutrale Außenseiter ist. Er muss entscheiden wie wichtig ihm die Wahrheit ist und von seiner Entscheidung hängt eine ganze Menge ab...
Am Anfang hat man leichte Probleme zu verstehen, wohin Nahais Buch führt. Sehr ausführlich und teilweise etwas langatmig erzählt sie die Geschichte der verschiedenen Charaktere. Doch dann merkt man, dass sich die Geschichten zusammenfügen und man beginnt Nahais Figuren zu verstehen. Durch ihren flüssigen Schreibstil lässt sich das Buch sehr gut lesen und man kann sich gut in die Personen hinein versetzen kann.
Insgesamt wirkt die Geschichte über die Sekte der Schlangenberührer auf mich aber eher wie eine Geschichte - zwar eine, die sich sehr gut lesen lässt, aber eben auch eine, die ich nicht wirklich mit der Realität verbinden kann. Wer jedoch nichts dagegen hat, sich eine gute Geschichte erzählen zu lassen, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.