Es ist erschreckend, mit wie viel Unkenntnis dieses Machwerk zusammengestellt wurde. Üblicherweise werden solche Werke von Hobby-Experten und semi-professionellen Fachleuten zusammengestellt. Mit einer optisch wenig erfreulichen Zusammenstellung, kaum lesbaren Diagrammen und unzähligen Druckfehlern ist zu rechnen, und sie finden sich auch hier. All das wäre bei der Thematik verzeihlich, wenn wenigstens die zum Verständnis der durchaus sehr komplexen und ausgefeilten Technik dieser Konstruktionen, die den Höhepunkt und Abschluss des deutschen Großkampfschiffbaus darstellten, auch nur ansatzweise vorhanden wäre. So erfährt der Leser willkürlich aneinandergereiht welche Dicke, welche Panzerplatten hatten - auch das mit vielen Fehlern, selbst das amerikanische Standardwerk von Garzke und Dulin (Band 3) ist hier deutlich besser, aber praktisch Nichts über die Prinzipien der Konstruktion. Stattdessen werden Vorurteile aus der angelsächsischen Amateurliteratur aneinandergereiht mit der Tendenz die keineswegs vorhandene Überlegenheit amerikanischer und englischer Konstruktionen herbeizureden, ohne dass die Autoren auch nur im Ansatz erkennen lassen, dass sie Etwas von der durchaus sehr anspruchsvollen Konstruktion dieser Schiffe verstanden hätten. Außer der Anordnung der Antriebsanlage und der Anordnung und dem Kaliber der schweren Artillerie, die sich bewährt hatten, hatte die Bismarck-Klasse sehr wenig mit der Bayern-Klasse zu tun. Es handelte sich um eine für die damalige Zeit hochmoderne Konstruktion, der sehr umfangreiche Forschungsarbeiten und unzählige Erfahrungen mit Gefechtsschäden aus dem ersten Weltkrieg, in dem sich die Großkampfschiffe der Kaiserlichen Marine überdurchschnittliche Standfestigkeit bewiesen hatten. Weder in den USA noch in Großbritannien wurden damals vergleichbar umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um die Standfestigkeit und Schlagkraft der Großkampfschiffe bei gegebenen Parametern wie Verdrängung, Höchstgeschwindigkeit und Hauptkaliber zu optimieren. Davon scheinen die Autoren aber keinerlei Kenntnisse zu besitzen, denn man liest praktisch Nichts darüber in diesem Buch. Stattdessen werden im wesentlichen unzutreffende Halb- bis Unwahrheiten der angelsächsischen Amateurliteratur zum besten gegeben. Angefangen bei der Behauptung die Hood sei durch einen Treffer auf ihre zu schwachen Deckspanzer zerstört worden, was physikalisch bei der Gefechtsentfernung de facto unmöglich ist, bis hin zu der Behauptung, das elementare Konzept der Immunitätszone sei den deutschen Konstrukteuren unbekannt gewesen, und die Panzerung des Schiffes der angelsächsischer Konstruktionen überhaupt deutlich unterlegen, garnieren eine Aneinanderreihung von technischen Angaben, nicht widerspruchsfrei und von wechselhafter Genauigkeit, und eine Fülle von Bildern, an denen außer der relativ willkürlichen Auswahl wenig auszusetzen ist. Die letzteren sind aber für jeden an der Technik und Geschichte dieser Schiffe Interessierten kaum ein Grund, dieses Machwerk zu diesem Preis zu erwerben.