Der Marinehistoriker Peillard verfolgt mit seiner Chronik das Ziel, die sich während des gesamten Zweiten Weltkrieges im Atlantik abspielende Schlacht "in großen Umrissen und einigen menschlichen Details" nachzuzeichnen (S. 532). Was hier so bescheiden klingt, entpuppt sich als sehr gelungener Gesamtüberblick über das Kriegsgeschehen auf diesem Weltmeer. Der umstrittene frühere Großadmiral Dönitz selbst, den Peillard durchaus wertschätzt, bescheingt dem Autor in seinem Vorwort, "in der großen Linie ein zutreffendes Bild dieses gewaltigen, entscheidenden Ringens" entworfen zu haben (S. 15). Faktenwissen auf der Basis intensiven Quellenstudiums, ein Sinn für allzu menschliche Dinge und das Bemühen um Gerechtigkeit im Urteil zeichnen die Ausführungen des Chronisten aus. "Auf dem riesigen Schachbrett des Atlantiks" ... "stellte jeder seine Figuren auf" (S. 33), schreibt der Verfasser. "Die Intelligenz der obersten Führung und der einzelnen Kommandanten, die Stärke von im günstigen Augenblick am rechten Ort erscheinenden Seestreitkräften oder der reine Zufall - das waren die Hauptelemente dieses schrecklichen Kriegsspiels auf dem Meer" (ebd.). Und weiter: "Die Partie wurde auf dem beweglichen Brett des Meeres gespielt, das der gemeinsame Feind dieser Männer war und sie zugleich miteinander verband" (ebd.). Wahrlich richtig analysiert und schön formuliert zudem, wenngleich man über die Spiel-Metapher angesichts des todernsten Gegenstandes geteilter Meinung sein kann. Die zahlreichen Karten, Tabellen und Abbildungen sowie die Schilderung technischer Entwicklungen auf Seiten beider Kontrahenten ergänzen das Schlachtenpanorama auf anschauliche Weise. Darüber hinaus schildert der Autor die ein oder anderen Geschehnisse, die zumindest mir bisher unbekannt waren. So tauchte U 156, das Boot von Korvettenkapitän Werner Hartenstein, im Gefolge der Rettungsaktion für Überlebende der von ihm versenkten "Laconia" - Peillard schrieb dazu ein Buch - mit rund 250 Menschen an Bord. "Eine einmalige Leistung", wie ein französischer U-Boot-Kapitän zugestand (vgl. S. 552). Kritisch anzumerken habe ich nur einige kleinere Ungenauigkeiten. "2-cm-MG" (S. 189) ist eine unkorrekte Bezeichnung für eine deutsche Waffe. Es handelt sich dabei um eine Kanone bzw. Flakgeschütz. "Stukas" war gemeinhin nicht die Bezeichnung für zweimotorige Sturzkampfbomber (vgl. S. 407), sondern für die einmotorige Junkers Ju 87. Auf S. 452 ist von 62 vernichteten deutschen U-Booten die Rede, durch deren Untergang 400 U-Boot-Fahrer gefallen oder in Gefangenschaft geraten seien. Diese Zahl entspricht bei rund 50 Mann Besatzung eines Bootes sicherlich nicht der Wahrheit. An der beeindruckenden Gesamtleistung Peillards können diese Ungenauigkeiten jedoch wenig ändern. Seine Schlußfolgerungen zur Schlacht im Atlantik (vg. S. 531ff.) wirken nach über 500 Seiten profunder Beschreibung überzeugend, selbst wenn sie durch den heutigen Forschungsstand da und dort relativiert sein mögen.