"Die Schatzinsel" ist wohl neben der Geschichte um Dr. Jekyll und Mr. Hyde das bekannteste (und für Filmemacher beliebteste) Werk des aus Schottland stammenden Autors Robert Louis Stevenson.
Im vorliegenden Fall haben die Disney-Studios sich an den Stoff gewagt. Die Umsetzung fand zu einem grossen Teil in Grossbritannien statt. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass der Film mit Jahrgang 1950 gerade aus dem Jahr ist, in dem Autor Stevenson seinen 100. Geburtstag gehabt hätte.
Kurz die Geschichte: der junge Wirtinnensohn Jim Hawkins gerät in den Besitz einer Schatzkarte. Schon bald erhält er die Möglichkeit, zur Hebung des Schatzes aufzubrechen, doch wegen der mangelnden Kompetenz einiger seiner Begleiter in leitender Funktion besteht die Mannschaft auf dem Schiff weitgehend aus verkappten Piraten, die vom angeblichen Koch Long John Silver angeführt werden. Silver erschleicht sich Jims Freundschaft, in der Absicht, ihm später den Schatz wegzuschnappen. Jim kommt hinter den Plan und beschliesst zusammen mit den Offizieren, den Piraten einen Strich durch die Rechnung zu machen. Auf der Insel eskaliert schliesslich die Situation und Jim gerät zwischen die Fronten.
Diese Filmfassung hat, zumindest am Anfang, einige typische Disney-Merkmale: geradlinige Erzählstruktur, zügiges, aber nicht hektisches Tempo, gelegentliche Spezialeffekte. Handwerklich ist also nichts auszusetzen. Namentlich zum Filmende hin gibt es auch einige Kampfszenen, die nicht für alle Beteiligten vorteilhaft ausgehen. Sogar Jim selbst muss sich handfest wehren. Deshalb erstaunt es nicht, dass der Film schliesslich eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten hat. Kleinen Knirpsen würde ich daher diese Fassung nicht unbedingt empfehlen. Wer aber ohnehin den Disney-Klassikern zugeneigt ist, dürfte auch hier seinen Spass haben.
Das gestattet auch gleich den Hinweis darauf, dass Disney den Roman von Robert Louis Stevenson noch anderweitig verwendet hat. Eine der Umsetzungen ist die Version mit den Muppets (von 1996) mit schön schrägem Humor, eine weitere der Trickfilm "Der Schatzplanet" aus dem Jahr 2002 mit toll gemachter Animation.
Dieser Spielfilm-Klassiker wurde von Disneys DVD-Abteilung mit eher wenig Ambitionen angepackt. Wohl gibt es eine vorzeigbare Auswahl an Sprachen und Untertiteln, doch danach ist schon bald einmal Ende der Fahnenstange. Der Ton kann zwar noch als brauchbar durchgehen, doch das Bild im originalnahen 4:3-Format halte ich selbst für einen Film aus dem Jahr 1950 für bescheiden. Die Farben wirken weder frisch noch erfrischend. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass das künstlerisch gewollt oder dem Originalmaterial geschuldet ist.
Übrigens: Schuldig bleibt Disney auch jegliches Bonusmaterial. Es gibt also bloss die 92 Minuten Film zu sehen, aber die sind, wie schon erwähnt, empfehlenswert.
Fazit: im diesem Anlauf aus dem Jahr 2003 ist es nicht gelungen, aus der "Schatzinsel" einen DVD-Schatz zu machen. Deshalb gibt es von mir höchstens 3 von 5 gut gereiften Äpfeln aus dem Zwischendeck und einen Wink zum Abschied in den Sonnenuntergang.