Haben Sie schon mal versucht, Schoko-Kuchen noch viel, viel schokoladiger zu machen? Eigentlich kann er dabei nur bitter werden. Ähnliches ist hier geschehen: Die Macher haben versucht, eine perfekte Geschichte noch besser zu machen (Was für eine Anmaßung ist das eigentlich!?) - und dabei ein wirklich bitteres Machwerk geboren.
Warum? Nun, als erstes wäre da Long John Silver: Der muss (allerdings von Tobias Moretti toll gespielt) ohne Papagei, aber mit High-Tech-Waffen-Krücke herumhumpeln - in einer teils großartigen, teils aber auch unterirdischen Darstellerschar - ohne die Chance zu bekommen, jemals so finster opportunistisch zu sein wie im Buch. Auch die im Buch spannungsgeladene scheinheilige Beziehung zu Jim bleibt zu flach.
Zweitens Jim: Der ist ein dämlich grinsender Lackaffe, den ich nie in mein Herz schließen konnte. Eine wahre Zicke, die immer wieder versucht, ernst dreinzuschauen und das Quoten-Mädchen zu beeindrucken. Beides allerdings misslingt ihm mit schöner Regelmäßigkeit.
Das "Quoten-Mädchen" selbst ist haarsträubender Weise die Tochter von Kapitän Flint, die mit auf Reise geht, um - schluchz - ihre Wurzeln zu verstehen. Dargestellt wird sie von einem vollkommen untalentierten Mädchen, das nur in den zwei Sekunden, da man seine nackten Brüste sieht, nicht nervt. Ein wirklich blöde Idee, die mit einzubauen.
Und dann ist da noch ein Ben Gunn, der wie einst Schwarzenegger in "Predator" durch den Dschungel hechtet und sich auch noch als beinahe mädchenvergewaltigender Killer darstellen lassen muss! Da fällt schon gar nicht mehr ins Gewicht, dass Squire Trelawney eine perückengeile Tunte mit Ladehemmung ist - und Doktor Livesey ein habgieriges Schwein, das zuletzt im Moor versinkt.
Über den unsäglichen Schluss möchte ich gar das Mäntelchen des Schweigens breiten.
Drehbuch und Regie sind so stümperhaft wie einige Effekte und Darsteller; und es ist für mich ein Rätsel, wie man mit diesem schlechten, vor Idiotie strotzenden Drehbuch, eine solch große Riege toller Schauspieler an Land gezogen hat. (Allen voran Jürgen Vogel, Richie Müller und Tobias Moretti)
Zwei Beispiele für diese Idiotie: Flints Tochter (die - das muss man sich merken - als Schiffsjunge verkleidet ist; niemand soll wissen, dass sie ein Mädchen ist...) kommt mit den Piraten, die hinter Jim und dem Schatz herjagen, auf die Insel - und geht als allererstes mal baden, wobei sie - natürlich - die Brüste ins Bild hält. Jim guckt hinter einem Stein hervor und mit verschleiertem Blick zu, und auch des Zuschauers Blicke verschleiern sich, weil er nicht glauben will, wie dämlich ein Film sein kann. Auch gleich zu Anfang gibt es ein beredtes Beispiel dafür: Mutter und Sohn Hawkins verstecken sich im Keller vor den Piraten, die über sie hinweggehen und gespannt auf jedes Geräusch horchen. Dann kommt eine Ratte in den Keller gelaufen - und Mutter Hawkins brüllt los und schlägt polternd nach dem Tier, sodass die Piraten Jim und sie sofort finden - und sie nur ganz knapp entkommen können. Ganz, ganz knapp freilich.
Drei positive Dinge kann ich (neben den teils wirklich guten Darstellerleistungen) aber auch sagen. Erstens: Mutter Hawkins ist eine Augenweide. Zweitens: So wie sie angelegt ist - nämlich ruppiger als im Buch - fügt sich Jims unsentimentaler Weggang besser ins Geschehen. Und Drittens: Am Ende war der Film vorbei.
Fazit: Es ist wirklich unfassbar, was dem berühmtesten Abenteuer-Klassiker der Literaturgeschichte hier angetan wurde! Der Film ist vertane Lebenszeit und ihn zu kaufen wäre reine Geldverschwendung.