Nachdem ja in den letzten Jahren das Thema wieder mehrfach verarbeitet wurde, verwundert es kaum, dass man sich auch erneut an dem guten alten Stevenson vergreift.
Vorab muss ich sagen, dass ich nicht die DVD, sondern die Fernsehfassung gesehen hab, mich also nicht auf die DVD-Features usw. beziehe, sondern auf den Film selbst. Dies tut dem aber keinen Abbruch, da ich mir kaum ein Feature vorstellen könnte, das diesen Film noch retten kann.
Bewertet wird dieser Film von mir auf zwei Ebenen, erstens, was die Umsetzung der Vorlage angeht und zweitens, wie alle Filme mit historischem Thema, die historische Korrektheit betreffend. (Dies ist mir besonders wichtig, damit nicht noch mehr Unsinn in die Köpfe der Bevölkerung gestopft wird)
1. Der Film hat nichts aber auch gar nichts mit der wundervollen Romanvorlage von Robert Louis Stevenson zu tun, wenn man mal davon absieht, dass die gleichen Namen für die Protagonisten genommen wurden. Man versucht hier anscheinend über einen schamlosen Etikettenschwindel Zuschauer zu bekommen. Statt sich an die eigentliche Story zu halten, dichtet man munter irgendwelches Zeug hinzu. Der Doktor ist auf einmal Alkoholiker und übrigens auch gleich für das Holzbein Silvers verantwortlich, Jim Hawkins Mutter ist schon tot und selbiger der englischen Armee beigetreten und, um ein bisschen Sex reinzubringen, erweitert man die Charaktere um eine männermordende Baronin, die auch noch ne Persönlichkeitsstörung hat, sowie um einen, natürlich möglichst klischeehaft homosexuellen weiteren Adligen.
Die Charaktere sind allesamt flach und von Klischees durchzogen, ebenso wie die Story, ohne zu viel zu verraten und jetzt jedem armen Menschen, der die DVD gekauft hat, den "Spaß" zu verderben...
2. Mit der Frühen Neuzeit, bzw. dem 18. Jahrhundert hat dieser Film genauso viel zu tun, wie Hawaihemden oder 80iger Jahre Röhrenjeans...Ohne auch hier zu sehr ins Detail zu gehen, bleibt anzumerken, dass die Kleidung und Ausrüstung allenfalls "ambientig" zu nennen ist, also gerade mal sehr grob in das Zeitfenster passt (genaues Datum wird ja in dem Film nicht angegeben, würde es aber noch schlimmer machen). Viel schlimmer ist aber hier noch die vollkommen ahistorischen Verhaltensweisen und Interaktionen der Protagonisten. Man spielt ein bisschen mit genretypischen Klischees und schert sich recht wenig um die Genauigkeit. Der Normalzuschauer mit seinem Galileo-Halbwissen merkts ja eh nicht könnten die Macher sich gedacht haben. Hätte ich nur den leisesten Verdacht, dass die Macher selbst überhaupt über dieses Halbwissen hinaus kommen, so wäre es eine Frechheit zu nennen, etwas derartiges abzuliefern.
Fazit:
Der Film ist im Ganzen nicht sehenswert.
Für "Die Schatzinsel" gibt es weit bessere Verfilmungen und wer mal einen vergleichsweise guten, soll heißen gut recherchierten und damit weit aus der Menge herausragenden, Film mit maritimem Thema sehen möchte, der sollte lieber und guten Gewissens zu "Master and Commander" greifen.
Wer generell mal einen der besten historischen Filme sehen will, dem sei hier "The Return of Martin Guerre" ans Herz gelegt.