Was ein ordentlicher Kmimi ist, der beginnt mit einem möglichst entsetzlichen Mord und einem Kommissar, der sich unausgeschlafen und übelgelaunt unter Mithilfe eines trotteligen Assistenten auf die Suche nach dem Täter macht. Wenn das die Ingredienzien eines wahren Krimis sind, dann ist das Buch kein ordentlicher Krimi. Auch ein Science-Fiction-Roman ist das Büchlein nicht, will es auch nicht sein. Ja, was ist es denn? Es ist eine flüssig geschriebene, sensible Erzählung mit zukunftsweisenen Elementen, deren technischen Hintergründe gar nicht so ferne "Fiction" , sondern gut recherchierte "Nahzukunft" ist. Und es ist die Geschichte eines eigentlich "stinknormalen" Bürgers in einem eigentlich "stinknormalen" Umfeld, dem - Bölls "verlorene Ehre..." läßt grüßen - plötzlich die Ereignisse über dem Kopf zusammenschlagen und der gar nicht recht weiß, wie ihm geschieht. Aber es geschieht eben, und das mit teilweise überraschenden Wendungen.
Natürlich darf man über den Inhalt eines Krimis nichts verraten, aber es ist nicht zu viel verraten, wenn der Leser sich daran erinnert, dass es von der US-Regierung unterstützte Großprojekte gibt, die sich - mit erheblichen Mitteln - mit Signalen aus dem All, mit "Begegnungen der dritten Art" beschäftigen, auch wenn dabei noch nicht allzu viel herausgekommen scheint. Vielleicht muss man ja tatsächlich andere Wege gehen, für die Baldo hier eingesetzt werden soll. Wer weiß, ob das Thema der Erzählung nicht näher an der Realität ist als die US-Forschung. Jedenfalls bildet der Zukunftsgedanke den Hintergrund für eine temperamentvolle, zunehmend Tempo aufnehmende, schlüssige Erzählung. Es macht Spaß, sie zu lesen, auch wenn das Ende etwas unvermittelt kommt und der aufgebaute Spannungsbogen explosiver zusammenkrachen könnte.