Wie schon beim ersten Band von Komareks neuer Reihe um den Journalisten Daniel Käfer, "Die Villen der Frau Hürsch", geht es auch bei der "Schattenuhr" weniger um einen spannenden Romanplot, als vielmehr um die breite, manchmal allzu breite Darstellung von Kultur und Landschaft des Salzkammerguts. Wer Literaturqualität vom Schlage der "Polt-Krimis" erwartet, wird enttäuscht sein. Der Held der reichlich flachen Rahmenhandlung gondelt wieder durchs liebliche Ausseerland (Komareks Heimat), diesmal mit häufigen Abstechern ins eher düstere Hallstatt, dessen Salzbergwerk so manches Geheimnis birgt. Dabei ist der eine oder andere Umweg derart unmotiviert, dass er offenbar entweder nur dazu dienen soll, dem Leser ein "da war ich auch schon"-Erlebnis zu vermitteln, oder schlicht und einfach "product placement" darstellt, vom Gasthof X bis zum Café Y, bestellt vom lokalen Tourismusmarketing. Das ist eigentlich schade, da die wunderschöne Gegend mit all ihren Widersprüchen allemal ein hervorragendes Sujet für eine vielschichtige Romanhandlung wäre.
Die Dialoge sollen Witz und Schlagfertigkeit der handelnden Personen demonstrieren, erschöpfen sich aber weitgehend in Bonmots und Redensarten. Und warum der Herr Käfer bei den Frauen so gut ankommt, bleibt weitgehend Geheimnis (oder Wunschdenken) des Autors...
Ein kleiner Lichtblick: Immerhin erlaubt sich Komarek ein kritisches Wort zur aktuellen Verschandelung des bislang schönsten Orts in Bad Aussee, dem Zusammenfluss zweier Gebirgsflüsse durch eine monströse Brücke in Form eines Mercedes-Sterns. Dennoch bleibt als Fazit: Wer tatsächlich über Reiseführerwissen hinausgehende Informationen zum Ausseerland bekommen möchte, ist mit Komareks eigener Veröffentlichung "Ausseerland - die Bühne hinter den Kulissen" allemal besser bedient als mit den Käfer-Romanen.