Ich muss sagen, dass mich dieses Buch überrascht hat. Ich habe (fast) alle Bücher von Renate Hartwig gelesen und bin erstaunt über ihren Sinneswandel, hat sie uns doch jahrelang über die Gefahren der Scientology-Kirche und ihrer Tanorganisationen aufgeklärt.
In "Die Schattenspieler" wendet sie sich nun der "anderen Seite" zu und beschreibt dabei eine seltsame Allianz aus Sektenbeauftragten, profilierungssüchtigen Politikern und anderen merkwürdig gestrickten Individuen.
Sie vermittelt glaubhaft, dass es sich bei einem Großteil der Scientology-Gegner in Deutschland um Personen handelt, die selbst kaum weniger Dreck am Stecken haben, als die, über die sie vermeintlich aufklären.
Überrascht hat mich auch, wie offen und schonungslos sie bestimmte Leute und Organisationen an den Pranger stellt, ja fast schon kriminalisiert.
Geoutet werden unter anderem die Hamburger "Arbeitsgemeinshaft Scientology" und ihre hysterische Chefin, die "Aktion Bildungsinformation e.V", sowie der zwielichtige "Leipziger Menschenrechtspreis". Daneben werden einige Sektenbeauftragte und sogar Privatpersonen namentlich genannt und an den Pranger gestellt. Sehr mutig...
All das ist allerdings fundiert und überzeugend dargelegt und mit ein wenig eigener Recherche auch belegbar, so dass man über die Zustände in diesem Land nur noch mit dem Kopf schütteln kann.
Negativ fällt auf, dass vieles aus einem sehr subjektiven Blickwinkel beschrieben wird, so dass man glauben könnte, hier würden teilweise noch ganz persönliche Fehden aus früheren Tagen ausgetragen. Aber darin zeigt sich eben der Charakter eines Erfahrungsberichts, nicht der einer wissenschaftlichen Abhandlung.
Auf jedem Fall bietet "Die Schattenspieler" mal einen anderen Einblick in die Thematik als die der üblichen Medienberichterstattung und regt zu einer Diskussion über die Grenzen der Toleranz in einer offenen Gesellschaft an.