Eine Kunststudentin, verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes, verliebt sich hemmungslos in ihren Professor, steigt ihm in Bars und Diskotheken nach und hört auf, sich um ihre Familie zu kümmern. Das wäre vielleicht noch „normal", wäre da nicht ein „Zauber" über sie gekommen. Den haben ihre neidischen Mitstudenten über sie gebracht: schwarze, vergiftete Pfeile, die in ihrem Körper stecken und sie töten werden. Maria, wie die Hauptperson im Buch heißt, verliert sich immer mehr in einer Welt der Schrecken einerseits und der unendlichen Liebe des Professors auf der anderen Seite. Sie erkennt zwar, dass ihre Wirklichkeit nicht mehr dieselbe ist, wie die der anderen, begreift aber ebenso wenig wie die Angehörigen die Ursache der Veränderungen. Ihr Mann reicht die Scheidung ein, der Sohn kommt zur Schwiegermutter. Erst nach Monaten wird nach einer Zwangseinweisung in die Psychiatrie die Diagnose gestellt: Schizophrenie. Es folgt ein Auf und Ab mit neuen psychotischen Schüben, bis die Erkrankte endlich erkennt, dass sie selbst durch ihr Verhalten den Verlauf der Krankheit beeinflussen kann. Den Schluss des Buches fand ich beim Lesen etwas zu schön. Ein Blick auf den Lebenslauf der Hauptperson, die es ja wirklich gibt und deren Lebensdaten im Buch abgedruckt ist, bestätigte mir jedoch, dass er wohl tatsächlich der Wirklichkeit entspricht.
Zum ersten Mal habe ich bei der Lektüre dieses Buches verstanden, was in einem Menschen vorgeht, der an Schizophrenie erkrankt hat. Meine Vorstellung einer „gespaltenen Persönlichkeit" hatte praktisch nichts damit zu tun, was die Erkrankung tatsächlich ausmacht. Das Buch ist bei Rowohlt als Sachbuch erschienen, was verständlich ist, weil es eine wahre Lebensgeschichte ist. Geschrieben ist es aber wie ein ungemein fesselnder, stellenweise auch erschreckender Roman, dessen Sprache darüber hinaus sehr bildhaft und schön ist. Mein Urteil: Sehr empfehlenswert für jeden, der mehr über Schizophrenie wissen möchte.