Es passierte, als ich jüngst lustlos durch die drögen deutschen Fernsehprogramme zappte: bei diesem Film blieb ich hängen und guckte mich fest - ohne den Anfang gesehen zu haben und ohne das Ende zu erfahren. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine TV-Serie. Und um was für eine! Sofort bestellt; alle sieben Folgen hab ich in der Nacht nach der Lieferung an einem Stück angeschaut!
Der Plot: Sir Mark Brydon, britischer Botschafter in Washington, beißt sich durch einen Dschungel politischer und geheimdienstlicher Intrigen, in denen es um Amerikas Krieg gegen den Terror", Waffengeschäfte, Söldnereinsätze und die Todesstrafe geht. Brydon gehört - obwohl er selbst zielsicher in den einen oder anderen Fettnapf tritt - zu den ganz wenigen halbwegs durchschaubaren und aufrechten Figuren. Am (vorläufigen) Ende des Films liegt unser Glaube an die Moral aufrechter westlicher Demokraten gründlich in Schutt und Asche.
Es ist nicht allein die komplexe Handlung und die für eine TV-Produktion gute Ausstattung, die einen so ans Geschehen fesselt, sondern auch das Gespür für eine gute Dramaturgie sowie ein ganz ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble. Jason Isaacs kann endlich mal den Guten" spielen, anstatt den ewigen Zauberlehrling Potter zu quälen. In einer Nebenrolle darf man den großen Alex Jennings erleben, beeindruckend sind die Leistungen von Ben Daniels als Nicholas Brocklehurst und der amerikanischen TV-Ikone Sharon Gless als Kriegsministerin Lynne Warner. Ab und zu schleicht sich auch ein Anflug des sprichwörtlichen britischen Humors in die Reihe. BBC eben. Fazit: Sofort kaufen, angucken, dann weitergeben. Zumal meine Freundin Olga schon die ganze Zeit darüber sinniert, ob Jason Isaacs mit langer blonder Perücke nicht doch viel mehr Sex Appeal hatte ...