Die Schattenkönigin
Autor: Assia Djebar
Verlag: Unionsverlag Zürich
Seiten: 213
ISBN: 3293200117
Assia Djebar gilt als die bedeutendste Autorin des Maghreb.
In ihrem Buch "Die Schattenkönigin" beschreibt sie in einer ungeheuer phantasievollen und poetischen Sprache vielschichtig und hintergründig das Dasein algerischer Frauen, die in der islamischen Gesellschaft verhaftet sind.
In einer quasi Doppelexistenz entwirft Assia Djebar das Bild der Ehe von zwei Frauen ,die beide mit dem gleichen Mann verheiratet sind. Die eine, Isma, ist emanzipiert, westlich erzogen und westlich orientiert im Denken; die andere, Hajila, ist in den Traditionen einer strengen Auffassung von Sitte, Ehre, Kodex und Ritualen aufgewachsen, die den Mann zum Gebieter hat und zum Dasein als Sklavin erzogen wurde. Beide Figuren scheinen zuweilen ineinander zu verschwimmen.
Auch die emanzipierte Isma hat in ihren Gefühlen Erinnerungen an die Vergangenheit und die Verschwisterung der Frauen im gemeinsamen Schicksal , dem Harem , in dem man unter sich nur frei war, fern jedoch von einer westlichen Freiheit in Lebensform, Denken und Handeln.
Isma konnte ihren Mann verlassen und hat ihm eine Gefährtin gesucht, die die Kinder erziehen und sich um den Haushalt kümmern sollte. Dass sie sich damit schuldig gemacht hat, schuldig am Schicksal dieser zweiten Frau, durchzieht gleichsam als roter Faden das gesamte Buch.
Im Erkennen dieser Schuld sucht sie in einer Art Verschwörung schließlich der zweiten Frau Wege zur Freiheit aufzuzeigen.
Die Geschichte endet tragisch,-- wie könnte es anders sein!
Es ist eine wunderschöne Erzählung, die einem die Vergangenheit und auch wohl noch Gegenwart vieler Frauen in einer islamischen Welt nahe bringt. Diese Welt birgt Zauber und Reize, aber um den Preis der totalen Unterwerfung der Frauen in einer von Männern dominierten Welt.
Es wird dem Leser bewusst, daß die Überwindung dieser Vergangenheit nur mit vielen Brüchen und Leiden erkauft werden kann und, dass nur ein langer, zäher Kampf der Frauen ihnen selber Freiheit zu bringen vermag und den Männern die Chance, in Partnerschaft und Gleichberechtigung eine neue Form des Glücks zu finden.
Gleichwohl ist der Verlust der alten Traditionen mehr noch für Männer mit schmerzlichen Verlusten verbunden: der der Sicherheit, der Ordnung und der Geborgenheit. Männer aber finden in dieser Erzählung nur am Rande Erwähnung: in ihrem Dasein als Geliebter , Ehemann, oder Vater.
Es geht Assia Djebar nur um die Frauen und sie versteht es, ein an Bildern reiches inneres und äußeres Leben dieser Frauen zu entwerfen.
Ein nachdenklich stimmendes Buch ,das in seiner bilderreichen Sprache einen ausgesprochenen Lesegenuss verspricht.
Cl.B