Nach zweijähriger relativer Einsamkeit werden Alec und Seregil wieder mitten in die Intrigen, diplomatischen Wirren und Kriegsunruhen ihres Heimatlandes Skala hineingerissen. Die letzte Hoffnung der Königin Idrilain ist eine Verbündung mit den Aurenfaie, die aber seit mehreren hundert Jahren kaum noch Kontakt mit Menschen pflegen. Um dieser diplomatischen Eiszeit, einst ausgelöst durch das Verschwinden eines Aurenfaie in Skala, ein Ende zu machen, bittet die Königin Seregil um Hilfe.
Denn obwohl in seiner Jugend aus dem Land seiner Geburt verbannt, so ist Seregil doch noch immer ein Aurenfaie und als solcher mit den Verhältnissen und den politischen Lagern Aurenens am besten vertraut.
Zögerlich akzeptiert Seregil den Ruf seiner Königin und reist als Berater der jüngeren Prinzessin Klia, gemeinsam mit Alec und Beka Cavish in das Land, nach dem er sich seit Jahrzehnten gesehnt hat. Doch einmal angekommen, ist Vieles nicht wie erwartet. Alecs Status als Mischling hat ihm einen fragwürdigen Ruhm eingetragen, denn nicht alle Aurenfaie stehen Mischlingskindern so offen gegenüber wie diejenigen, denen sie unmittelbar nach ihrer Ankunft begegnen; so muss Alec sich offenen Anfeindungen und hinterhältigen Angriffen erwehren, die noch zunehmen, als bekannt wird, dass er Seregils talímenios, eine Art Lebenspartner, ist.
Und Seregil selbst muss mehrfach um sein Leben fürchten, weil auch der Clan, der einst seine Exekution gefordert hatte, an den Verhandlungen über ein Bündnis mit Skala teilnimmt. Aber auch all die angedeuteten Geschichten der ersten beiden Romane bekommen endlich etwas Farbe: Seregils Schwestern, seine alten Freunde und Feinde spielen wichtige Rollen in der verstricktne Geschichte um Verrat, Mord und das Attentat auf die Prinzessin.
Um diese rätselhaften Ereignisse aufzuklären ist ebenfalls Alecs und Seregils Aufgabe. Doch sobald sie einen Teil des Rätsels entwirren, überschlagen sich die Ereignisse und sie müssen mit ihrer Suche von vorn beginnen. Als sie schließlich Sarikali, die Heilige Stätte der Beratungen, verlassen müssen, um eine schreckliche Katastrophe zu verhindern, brechen sie einen heiligen Schwur. Und Seregil sieht sich erneut der Verurteilung zum Tode gegenüber.
Neben diesen Handlungssträngen ereigenen sich auch viele, sicherlich für die Zukunft nicht unbedeutende "Nebensächlichkeiten", die vorallem Thero, der sich doch sehr zu seinem Vorteil verändert hat, und Beka betreffen, die beide einen steinigen Pfad für ihre Zukunft wählen.
Traitor's Moon unterscheidet sich beträchtlich von den ersten beiden Romanen der Nightrunner (Schattengilde) Serie. Eine Abschätzung fällt mir ein wenig schwer, denn waren Luck in the Shadows (Licht in den Schatten) und Stalking Darkness (Gott der Dunkelheit) voll von rasanter Handlung, unerwarteten Vorfällen und raschen Ortswechseln, so schlägt Flewelling in diesem Band ein sehr viel gemächlicheres Tempo an. Nach der Reise nach Aurenen halten sich die Charaktere viele, viele hundert Seiten lang in der Heiligen Stadt Sarikali auf, und Alec und Seregil tun dort, logischerweise, auch nicht gerade das, was sie in Rhiminee zu tun pflegen.
Traitor's Moon fand ich nicht langweilig, aber doch nicht so spannend und mitreißend wie Teil 1 und 2. Auch die Figuren erschienen streckenweise neben den verzwickten diplomatischen Vorgängen und Problemen ein wenig blass, was mich am meisten gestört hat. Nur Thero zeigt wirklich überraschende Einfälle und Züge, Seregil hat seine netten Momente, wenn er nostalgisch wird. Alec ist deutlich erwachsener, und ich fand ihn nach wie vor einen angenehmen Charakter, aber seine arg glatte Art wird Flewelling hoffentlich in einem der Folgebücher noch gründlich ramponieren :-)