Gleich das Ärgerlichste vorneweg: Der Fischer-Taschenbuchverlag bietet den vortrefflichen Erstling von Inka Parei unter der Rubrik 'Die Frau in der Gesellschaft' an und hofft, Absatzzahlen durch vermeintliches Profil zu erhöhen (wobei sich Inka Parei dieses Schicksal mit anderen deutschen Erzählerinnen teilt, so Marlen Haushofer mit ihrer grandiose Erzählung 'Die Wand'). Dabei ist diesem 180 Seiten starken Buch auch eine männliche Leserschaft zu wünschen: Eine zuweilen spannend, zuweilen kontemplativ erzählte Geschichte aus den Jahren Berlins, als die Mauer zwar politisch gefallen war, jedoch omnipräsent war. Die Geschichte einer jungen Frau, die durch eine Vergewaltigung abtaucht in die Isolation, aus der sie sich durch körperliche und geistige Konzentration zu befreien sucht. Eine pointiert geschriebene, klug beobachtete, manchmal (selten!) überladen formulierte Geschichte. Ein Roman, dem man viele Leserinnen UND Leser wünscht.