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Die Schattenboxerin [Gebundene Ausgabe]

Inka Parei
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 182 Seiten
  • Verlag: Schöffling; Auflage: 3 (1. Juli 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3895611050
  • ISBN-13: 978-3895611056
  • Größe und/oder Gewicht: 21,1 x 13,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (10 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 764.393 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Inka Parei
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Berlin im Rückfall zu Wüste und Steppe

Inka Pareis beklemmendes Romandébut «Die

Schattenboxerin»

Hell, «die Frau mit der Pfeife», haust illegal und inzwischen ganz allein im desolaten Hinterflügel eines abbruchreifen Berliner Mietshauses. Bevor die Nazis ihr wahres Gesicht als Massenmörder zeigten, hatte es einer wohlhabenden jüdischen Familie gehört. Nichts geschieht in diesem verschimmelten Gemäuer an der Lehniner Strasse, das – wie so vieles in der ehemaligen «Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik» – beim «Aufbau des Sozialismus» glattweg übersehen wurde. Die junge Hell hat dessen Potemkinsche Dörfer nicht mitbekommen. Erst seit 1989, dem magischen Jahr der längst entzauberten deutschen Wiedervereinigung, lebt sie im Ostteil jener Stadt, nach der nun gern eine neue Republik benannt wird. Vorher, so jedenfalls meint sie jetzt, sei ihr Leben «an der westlichen Achse» der damals noch geteilten Kapitale «völlig unwirklich gewesen», eine «riskante und sorglose Täuschung» eben.

Gewaltsam ist sie aus dieser ihr nun restlos entfremdeten, illusionären Wirklichkeit herausgerissen worden: Durch eine Vergewaltigung auf der Flucht vor der Polizei bei den kampfartigen Kreuzberger Maidemonstrationen. Inka Parei, Jahrgang 1967, lässt nicht zu, dass ihre Ich-Erzählung sich in Erklärungen dieser Extremsituation verliert. Hell, die den ungenannten und darum um so brutaleren Schock durch Rückzug in die Ödnis (vergeblich) zu bannen hofft, bleibt sich selbst ausgeliefert in dem gespenstisch hässlichen Mikrokosmos des von ihr gleichsam als Festung empfundenen Hauses: Mit starrer Intensität nehmen ihre Augen den Verfall um sie herum wahr, der ihr inmitten des «Chaos der Verwahrlosung» in dieser östlichen Wohnhöhle bitterschöne Geschichten über die Geschichte erzählt. Kakerlaken und kleine Ratten wuseln durch die bizarre Elendsszenerie. An einem vernagelten Fensterkreuz hängt ein dreckverkrustetes FDJ-Hemd. Worte wären hier ohnehin fehl am Platz, nachdem auch «die Frau, die Dunkel heisst» und Hells «Aussenklo-Partnerin» war, das Weite und eine bessere Bleibe gesucht hat.

Das «Gefühl von Nacht»

Immerhin beschäftigt die Weggezogene noch den letzten Rest an Phantasie, welcher der in sich verpuppten Protagonistin verblieben ist. Möglicherweise handelt es sich sogar noch um ein Quentchen Gefühl, um ein Relikt fast zugeschütteter Spontaneität, die bei Hells vertrauten Ausflügen in die Trostlosigkeit ihrer näheren Umgebung gelegentlich nur noch als aggressiver Reflex auf mehr oder minder vermeintliche Bedrohungen aufblitzt: Wenn sie in die «staubigen, kellerartig beleuchteten Szenekneipen und schmutzigen Spiel- und Waschsalons» hineingerät oder hinauf auf die «schmutzigen Plasticstühle» des tristen Bistros des jovialen Rumänen Mirca, der vor Ceausescus Erben die Fliege gemacht hat. Überall lauert das Gemeine und Verkommene, auf das sie gegebenenfalls eben einschlägt, wie sie es im Osten gelernt hat.

Wer kaum mehr einen Pfennig in der Tasche hat wie Hell, kann sich seine Gesellschaft, soweit ihm überhaupt noch daran gelegen ist, nicht aussuchen. Von den «zwei schwulen Variété-Künstlern», der «Nonne einer indischen Sekte» und den «obdachlosen Alkoholikern», die das Vorderhaus in Beschlag genommen haben, wären «Antworten» auf Fragen ohnehin nicht zu erwarten. Hell bleibt zurückgeworfen auf ihr «Gefühl von Leere und Konzentration». Letztere unterstellt ihrer Weltabkehr in dem dauernden «Gefühl von Nacht» immerhin noch einen Grad von Erwartung. Und die füllt sich ein wenig durch das Auftauchen des «Mannes mit dem Rucksack», eines alten Schulkameraden der Dunkel. Diese von ihr sofort sexuell aufgesaugte Präsenz eines ebenfalls Einsamen bringt wachsende Bewegung in Hells Existieren. Kommt dieser ausgeflippte Stiefsohn eines unsympathischen Unternehmers doch geradewegs aus dem «schweinereichen» Westen um Bad Homburg – samt «Knarre und annähernd Hunderttausend im Gepäck».

Da es in Hells Hinterhof gerade wieder beklemmend nach Brandstiftung riecht, akzeptiert ihr Schutzinstinkt den dilettantischen kleinen Bankräuber, der auf der Suche nach seinem leiblichen Vater nach Berlin gekommen ist. Ja sie macht sich ebenso unüberlegt wie kompromisslos zu seiner Komplizin. Jedenfalls «läuft» mal wieder was, wenn auch als ein bisschen klischeegerechte Rebellion und Krimimärchen verpackt. Denn natürlich ist auch der Erzeuger des jungen Mannes eine funeste Erscheinung, und Hells Vergewaltiger kommt auch noch einmal ins Spiel. Dank ihrem ungewaschen schweissigen Bettgenossen, der damit gegen seine Herkunft aus der hessischen Nobelvilla anstinkt und der ausgerechnet auch noch den literarisch vielstrapazierten Namen März trägt. Doch – wen scheren diese Anfängerverkrampfungen der Inka Parei, wenn dabei am Ende doch eine bestechende Parabel jungdeutscher Verlorenheit herauskommt. Eine so zwingend verzweifelte Schau auf das geschichts- und gegenwartsbelastete Berlin in einer schneidend klaren, zupackend konkreten Sprache, der es auf ganz erstaunliche Weise gelingt, die Poesie des Schmerzes nicht auszusparen.

Vandalismusgeräusche

Inka Parei weiss, dass Literatur Weglassen bedeutet: Konzentration auf Bild- und Gedankensplitter, die das Niemandsland der «Tage ohne Belang» verunsichern, ist die Stärke dieser Chronistin einer morschen, brüchigen Welt, in der «Wachsen nichts anderes ist als Weitergehen, die Zeit zerteilen von Stein zu Stein und von Blatt zu Blatt». Darauf versteht sich das grotesk vereinzelte Individuum Hell immerhin noch, die in Berlin, dem makabren Zwitter aus verrottetem und neudeutsch aufgeputztem Grössenwahn, gerade noch zu überleben versucht. Nicht zuletzt durch ihr Kampfsporttraining bei der Chinesin Wang, durch ihre Versuche im «Schattenboxen», auch wenn es nur ein schemenhaftes Agieren hinter einer durchsichtigen Trennwand ist.

Ohne grosses verbales Aufgebot macht die Autorin das gestisch so eindringlich sparsame Gefecht des Durchhaltens ihrer scherenschnitthaft präzis konturierten Heldin nachvollziehbar. Wenn Hell manchmal durch die irrwitzig «boomenden» Viertel des heutigen Vorzeige-Berlin geht und dessen zeitentsprechende «Vandalismusgeräusche» hört, die Gewalttätigkeit rein materiellen Aufbruchs spürt, dann ahnt sie, dass sie selbst – und das ganz allein – den Ausbruch nach innen schaffen muss. Bei der Wiederbegegnung mit der Dunkel, letztlich ihrem positiven Schatten, setzt sie schliesslich dazu an. Ohne vereinigungsbeduselte Sentimentalität und ohne die Larmoyanz einer traumatisierten Frau will sie «Luft holen, Nase und Kinn der Dunkel entgegenstrecken und sie fragen, ob sie eine Mitbewohnerin braucht». Mit dieser ungeschönt spröden Annäherung dessen, was so fatal vorschnell, so plump unbedacht immer als zusammengehörig bezeichnet worden ist, hat Inka Parei mehr als nur die Talentprobe eines literarischen Débuts erbracht.

Ute Stempel

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Die Zeit, 11.11.1999
Noch ein Berlin-Roman. Manchmal findet ihn Katharina Döbler in ihrer Kritik etwas zu bemüht, etwa in der Wahl der Namen der beiden Frauen, die da in einem kalten Seitenflügel in Berlin gegenüberwohnen: "Hell" und "Dunkel". Aber Pareis Prosa besteche durch die Konstruktion und vor allem durch die extrem kalte und präzise Prosa mancher Passagen, etwa wenn Parei den Kampf der nach einer Vergewaltigung kung-fu-geschulten "Hell" gegen zwei Schutzgelderpresser erzählt: mit "klirrender Sachlichkeit" würden da die Körper und Wunden präsentiert. Auch in der Schilderung mancher Stadtlandschaften erkennt Döbler ein "großes Talent". Darum verzeiht sie auch die literarischen Schwächen des Romans.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schade. 2. November 2005
Von Dru
Format:Gebundene Ausgabe
Obwohl ich den Schreibstil von Inka Parei sehr mochte, ist dieses Buch für mich misslungen.

Die Geschichte ist zu bemüht, zu konstruiert, zu klischeebeladen. Schon die Benamsung der Nachbarinnen - "Hell" und "Dunkel" - würde mich davon abhalten, das Buch zu kaufen, wenn ich es in einer Buchhandlung in die Hand bekäme.

Nun war ich gezwungen, es zu lesen, und habe das auch recht schnell geschafft, aber zu keinem Zeitpunkt dachte ich, es habe sich nun doch gelohnt. Ein anderes Buch von Frau Parei würde ich durchaus nochmal anlesen um zu sehen, ob es mir eher zusagt. Aber dieses kann ich wirklich nicht weiterempfehlen.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von "dkve"
Format:Taschenbuch
Gleich das Ärgerlichste vorneweg: Der Fischer-Taschenbuchverlag bietet den vortrefflichen Erstling von Inka Parei unter der Rubrik 'Die Frau in der Gesellschaft' an und hofft, Absatzzahlen durch vermeintliches Profil zu erhöhen (wobei sich Inka Parei dieses Schicksal mit anderen deutschen Erzählerinnen teilt, so Marlen Haushofer mit ihrer grandiose Erzählung 'Die Wand'). Dabei ist diesem 180 Seiten starken Buch auch eine männliche Leserschaft zu wünschen: Eine zuweilen spannend, zuweilen kontemplativ erzählte Geschichte aus den Jahren Berlins, als die Mauer zwar politisch gefallen war, jedoch omnipräsent war. Die Geschichte einer jungen Frau, die durch eine Vergewaltigung abtaucht in die Isolation, aus der sie sich durch körperliche und geistige Konzentration zu befreien sucht. Eine pointiert geschriebene, klug beobachtete, manchmal (selten!) überladen formulierte Geschichte. Ein Roman, dem man viele Leserinnen UND Leser wünscht.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Bonjour tristesse! 4. Januar 2000
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ja, in der Hölle ist es kalt. Und in der Hölle der Großstadt zumal. Und erst recht, wenn es Berlin ist. Inka Parei schreibt einen atmosphärisch ungemein dichten Text, der in seinen beschreibenden Details zu ungeheuren Dimensionen wächst. Man hat oft das Gefühl von Zeitlupe. Oder von Zen-Meditation. Etwas ärgerlich dagegen die formale, wenig originelle Konstruktion der zwei Handlungsstränge und die ebenso alberne Namensmetaphorik (Hell, Dunkel, März). Zum Teil verschwindet Inka Pareis zweifellos grosses Stilvermögen hinter inflationären Adjektiven. Lesenswert aber allemal.
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Die neuesten Kundenrezensionen
Gelungen
Frau Parei gelingt es hervorragend, die Innensicht einer Frau zu beschreiben, die vergewaltigt worden ist. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 18. Januar 2005 von MBA
Eine unglaublich dichte Atmosphäre!
Ich habe damals im Radio von dem Buch gehört, Inka Parei hat dabei ein paar Zeilen gelesen. Ich war sofort gefesselt von ihrer Ausdrucksweise und ihrer präzisen Art, so... Lesen Sie weiter...
Am 29. Dezember 2003 veröffentlicht
Die Frau in der Gesellschaft?
Gleich das Ärgerlichste vorneweg: Der Fischer-Taschenbuchverlag bietet den vortrefflichen Erstling von Inka Parei unter der Rubrik 'Die Frau in der Gesellschaft' an und hofft,... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 14. August 2003 von "dkve"
Klischee und Verzettelung
Dass junge Autoren zuerst gefördert und dann gedruckt werden, ist gut. Dass dabei nicht zwangsläufig hohe Literatur herauskommt, steht auf einem anderen Blatt. Lesen Sie weiter...
Am 22. Juni 2003 veröffentlicht
Mischung aus Alt und Neu in der neuen Hauptstadt Berlin
Im Seitenflügel eines ehemals vornehmen jüdischen Mietshauses wohnen die beiden Frauen "Hell" und "Dunkel" Tür an Tür. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 3. April 2001 von chr.augustin@web.de
Beat, beat, beat!
Tempo wird in diesem Berlinroman vorgelegt, der alle seidenhemdigen Neuberliner segensreich übergeht, und zwar so, daß einem der Atem stockt. Lesen Sie weiter...
Am 19. November 1999 veröffentlicht
Das beste deutschsprachige Buch seit Jahren!
Endlich mal wieder ein deutschsprachiger Gegenwartsroman, der als Ganzes überzeugt und in vielen seiner Details so subtil gearbeitet ist, daß man mit Lob gar nicht... Lesen Sie weiter...
Am 29. Oktober 1999 veröffentlicht
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