Das Buch ist atmosphärisch dicht und überzeugend geschrieben, ähnlich wie die beiden Vorgänger, die es meiner Meinung nach noch übertrifft. Etwas schwierig ist es, bei den vielen Personen den Überblick zu behalten, aber man kann ja blättern.
Commissario Soneri kommt in das Dorf seiner Kindheit im Apennin und möchte eigentlich nur Urlaub machen und Pilze sammeln. Es ist November, neblig, Pilze gibt es keine außer Totentrompeten und bald gibt es die erste Leiche. Ein ganzes Dorf hat sich von einer Fabrikantenfamilie abhängig gemacht. Nach und nach blättert die Fassade und es kommt eine unangenehme Wahrheit ans Licht: alle wurden betrogen und ausgenommen. Soneri stößt außerdem immer wieder auf Spuren seines Vaters, eines ehemaligen kommunistischen Partisanen.
Wunderbar geschrieben, doch jetzt kommt das große Aber, weshalb ich am liebsten nur einen Stern geben würde (doch daran ist der Autor wahrscheinlich völlig unschuldig): Der Text liest sich holperig und hölzern. Das muss auf das Konto von Karin Rother gehen, die vielleicht lieber Gebrauchsanweisungen übersetzen sollte, da kommt es nicht so darauf an. Kleine Kostprobe:
"Wenn er zugeknöpft bleibt, so heißt das, dass du keinen Grund hast, eifersüchtig zu sein", neckte ihn Angela und spielte mit den Worten. (Seite 64)
Ja, es ist ein Wortspiel (zugeknöpfter Charakter, zugeknöpfte Hose). Aber welchem deutschsprachigen Autor hätte man das so durchgehen lassen? Allein schon das "und": das bedeutet, dass das Necken und das Wortspiel zwei verschiedene Tätigkeiten wären. Zumindest hätte es dann also schon heißen müssen: "neckte ihn Angela, mit den Worten spielend". Aber: es gibt zwar im Deutschen das "Wortspiel", doch spielen wir mit den Worten? Ich sage ja nicht, dass Übersetzen leicht ist. Doch Beispiele wie dieses finden sich fast auf jeder Seite - besonders typisch, dass die Übersetzerin ein "und" setzt, wo ein Gerundium angemessen wäre. Leider kann ich nur dreieinhalb Worte Italienisch und habe daher nicht die geringste Möglichkeit, nachzuprüfen, wie es im Original ist. Doch in allen drei Büchern bin ich über Sätze gestolpert, die ich schlichtweg nicht verstanden habe, die einfach in ihrem Zusammenhang keinen Sinn ergaben. Das lässt mich vermuten, dass nicht Valerio Varesi, sondern Karin Rother dafür verantwortlich ist.
Allein schon der Titel: "Le ombre di Montelupo" heißt es im Original. Das ist mit "Die Schatten von Montelupo" sicher gut übersetzt. Nur: das wäre ein Ortsname. Wenn das Dorf irgendwo einmal mit einem Namen genannt wurde, dann muss ich das überlesen haben. Was allerdings ständig vorkommt, ist der Berg, an dessen Hängen sich das halbe Buch abspielt - eben der Montelupo. Dann hätte es aber heißen müssen: "Die Schatten des Montelupo" (so heißt es übrigens tatsächlich einmal im Roman, weil der Berg im wörtlichen wie im übertragenen Sinn einen Schatten auf das Dorf wirft). Ob "di" auch mit "des" übersetzt werden kann statt des sonst sicher korrekten "von", das kann ich nicht beurteilen. Aber so bleibt der Titel für mich einigermaßen sinnlos.
Ich fürchte, ich werde Italienisch lernen müssen ...