"Die Schatten von La Rochelle" spielt im Frankreich des 17. Jahrhunderts, einer Epoche, die den meisten Lesern aus den zahlreichen Verfilmungen von Alexandre Dumas' Roman "Die drei Musketiere" bekannt sein wird. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Kardinal Richelieu, graue Eminenz und machiavellistischer Drahtzieher am Hof Louis' XIII, und seine Nichte und wichtigste Vertraute Marie de Vignerot. Anders als in diversen Musketier- Verfilmungen ist Richelieu hier kein Schurke, sondern ein Mensch, den seine Entscheidungen und die Opfer, die er für seine Position im Zentrum der Macht bringen muss, belasten. Marie, die für ihn wie eine Tochter ist, ist hin- und hergerissen zwischen der Loyalität zu ihrem Onkel und der Liebe zu dem Hugenotten Paul d'Irsdmasens. Der Konflikt zwischen katholischer Staatsreligion und protestantischer Minderheit spielt auf politischer wie persönlicher Ebene für alle Charaktere eine zentrale Rolle. Es stellt sich heraus, dass auch der Kardinal ein Geheimnis in seiner Vergangenheit hat ... Wie bei allen Romanen der Autorin ist der historische Hintergrund sehr gut recherchiert. Man erhält "nebenbei" eine Fülle von Informationen über religiöse, politische und philosophische Debatten und nicht zuletzt über das Theater der Epoche. Die Charaktere sind interessant und einfühlsam geschildert. Neben den Protagonisten beeindrucken vor allem die Familie d'Irsdmasens sowie die Waise Charlotte, die bei Marie in Diensten steht. Im Nachwort erzählt die Autorin, dass sie zunächst vorhatte, einen Roman über Mylady de Winter, die Schurkin aus den "Musketieren", zu schreiben. Myladies Perspektive wäre sehr reizvoll, und es ist schade, dass sie diesen Plan scheinbar aufgegeben hat. P.S.: die Widmung ist ein kleiner Quiz. Der Roman ist drei Schriftstellern gewidmet, die aber nur mit Initialen genannt werden. Zumindest einer müsste bei der Thematik jedoch leicht zu erraten sein.