In diesem Roman geht es nicht um Kriminalität im Sinne von Etwas-Böses-Tun, sondern um psychosoziale Vorgänge in einer schwedischen Kleinstadt in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Vielleicht ist dieses K. sogar nur ein Dorf, das verraten uns die beiden Erzähler nicht, die dort fast wie Brüder aufgewachsen sind.
Wie in jedem Dorf gibt es einige, die als nicht ganz normal gelten, hier sind es drei junge Männer und eine sehr mädchenhafte Frau, die die Hauptfiguren abgeben. Eines Tages wird die Frau ermordet. Ein Täter lässt sich nicht ermitteln, aber alle haben so ihren Verdacht ... Dieser Verdacht nährt den Spannungsbogen, der sich bis zum Ende erstreckt. Einem Ende übrigens, das mich wenig überzeugt hat, weil der Täter hervorgezaubert wird wie der legendäre Jack aus der Box.
Interessant ist aber auch weniger diese Aufklärungsgeschichte, sondern vielmehr sind es die ver-rückten Typen, die ausgesprochen liebevoll von Nesser skizziert werden. (Auch wenn die Kleinstadt-Beschreibung dadurch manchmal etwas sehr Betuliches, fast schon Bullerbü-Artiges bekommt. Aber vielleicht ist das auch nur die Wahrnehmung einer deutschen Leserin.) Wie nah Normalität und abweichendes Verhalten beeinander liegen können, das kann man hier äußerst anschaulich und durchaus vergnüglich lesen. Und hinterher noch lange darüber nachdenken.
Wenn das nicht fünf Sterne wert ist.