Vor einigen Monaten schrieb ich die unten stehende Rezension. Dass ich mit meiner Meinung offensichtlich nicht allein bin, zeigt sich jetzt: Soeben, im Juli 2008, wurde der Roman mit dem Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnet - völlig zu Recht: absolut lesenswert, die Schatten des Mars sprechen für sich.
Rezension:
Als er ein Junge war, das verrät Frank W. Haubold im Nachwort seines Romans, hat er Ray Bradburys "Mars-Chroniken" verschlungen - und sich damals vorgenommen, eines Tages so packend schreiben zu können wie der große SF-Schriftsteller. Gut vier Jahrzehnte sind seitdem vergangen, und jetzt schickt Haubold seinen Roman "Die Schatten des Mars" auf eine weite Reise - gut 350 Seiten stark und aus Erzählungen zusammengesetzt, die in ein bewegendes Finale auf dem Roten Planeten münden.
Was "Die Schatten des Mars" auszeichnet, sind glaubwürdige Charaktere, emotionale Tiefe und eine flüssige Schreibe, welche die Lektüre zu einem Erlebnis machen. Haubold schildert Lebenswege, die sich auf dem - mittlerweile besiedelten - Mars kreuzen und ein plausibles Bild der menschlichen Zukunft zeichnen, indem sie Fäden weiterspinnen, die schon jetzt zu sehen sind: Krieg, Terror und Technisierung spielen in den Episoden ebenso eine Rolle wie der Umgang mit Verlusten jedweder Art und das Verhältnis zu Künstlicher Intelligenz.
Bei seinem Blick in die Zukunft geht es Haubold allerdings weniger um Action als vielmehr um die Sinnsuche seiner Protagonisten, was sich in dieser Geschichte als weitaus packender und konsequenter erweist.
Mit seinen Mars-Schatten spielt der 1955 geborene Schriftsteller auf Augenhöhe mit Kollegen, deren Romane bei großen Verlagen erscheinen - eben weil er sein Handwerk beherrscht und sich darauf versteht, visionär und mit Sogwirkung zu schreiben. Und genau das machte schon die "Mars-Chroniken" aus.