Normalerweise bin ich ja eher der Freund langer Rezensionen und war auch vom ersten Teil der Trilogie sehr angetan, weil ich Platz und Raum für mehr gesehen habe - der zweite Teil "Der Engel" hat aber bereits gezeigt, das Joseph Nassise aus einem guten Ansatz und einem sehr spannenden ersten Teil nicht das notwendige Potential herausgezogen hat, um die Trilogie weiter zu beleben. "Der Engel" war bereits relativ mau und hat eher an ein spirituell angehauchtes "Resident Evil" erinnert, "Die Schatten" setzen der Trilogie aber leider auch sprichwörtlich die Krone auf...
Die Templer des 21. Jahrhunderts agieren eher wie ein Ektoplasmajagendes S.W.A.T.-Team und wandeln zwischen Diesseit und Jenseits, wie es Ihnen beliebt - der Autor lässt logische Schlüsse ebenso wenig zu wie die Bindung zu den Protagonisten, denn die werden ohne wenn und aber dem Versuch geopfert, einen roten Faden als Handlungsstrang durch das Buch zu spannen. Der theologische Sektor, auf dem die ursprünglichen Templer nun mal basierten, fällt komplett aus der Handlung, stattdessen gerät dank chinesischer Untoter (oder was immer die im Buch beschriebenen Gegner darstellen sollen) ein wenig Fernostmythologie in die Handlung - und das war's dann auch schon.
Resultat: Wäre die Story ein Rap, würde ich sagen "Reim' Dich auf Teufel komm' raus" - auf diese Art und Weise scheint Joseph Nassise aber auf der Jagd nach einem logischen Aufbau zu sein, das Ende kommt zu plötzlich (frei nach dem Motto: "Wie höre ich jetzt am besten auf?") und lässt den Leser zweifelnd im Regen stehen (Mordor ist endlich erreicht - so kam es mir vor!), die Optionen für einen weiteren Roman aus der Reihe kann sich jeder selbst ausrechnen - hier möchte ich aber nicht zu viel vorwegnehmen. Ergo: Ein unrühmlicher Absch(l)uss für eine ursprünglich gute Idee, die im ersten Teil gefesselt, im zweiten negativ überrascht und im dritten einfach nur noch gelangweilt hat. Mich weiter über "Die Schatten" auszulassen, wäre an dieser Stelle vertane Liebesmühe - schade!