Natürlich kann man darüber streiten, ob ein solches Buch noch notwendig ist. Scheint doch die Evolutionstheorie zumindest in Europa allgemein anerkannt zu sein. Sieht man sich allerdings die im Anhang dieses Buches angeführten Statistiken an, sollte man sich diesbezüglich nicht zu sicher sein. Demnach wird die Aussage Die Menschen, wie wir sie heute kennen, haben sich aus älteren Tierarten entwickelt." von immerhin 23 % der Deutschen sowie jeweils 28 % der Österreicher und Schweizer als falsch bezeichnet.
Sicher muss man davon ausgehen, dass die meisten dieser Leute ein solches Buch nicht lesen werden (was aber offensichtlich manche nicht davon abhält, es zu rezensieren), dennoch kann es nicht schaden, nochmal sämtliche Belege für die Evolution an einem Ort zu versammeln.
Und Richard Dawkins präsentiert in diesem Buch wirklich eine ganze Reihe davon. Er zeigt, dass die Evolution durch eine Fülle an unabhängig voneinander entstandenen Belegen bewiesen werden kann, während kein einziger Hinweis dagegen spricht. So stimmt beispielsweise der Stammbaum, der in neuerer Zeit aus genetischen Untersuchungen abgeleitet wurde, genau mit demjenigen überein, der sich schon zuvor aus zoologischen Vergleichen und Fossilienfunden ergeben hatte. Dabei wird übrigens immer wieder betont, dass die Fossilien - auf deren angebliche Lückenhaftigkeit die Evolutionsgegner sich so gerne berufen - nicht die wichtigsten Belege für die Evolution sind. Selbst wenn wir kein einziges Fossil gefunden hätten, würden Beobachtungen an heute lebenden Tieren immer noch mit überwältigender Kraft zu der Schlussfolgerung führen, dass Darwin recht hatte.
Im Zuge seiner Ausführungen geht Dawkins auch immer wieder auf die Behauptungen der Kreationisten ein und widerlegt diese auf gekonnte, bisweilen durchaus auch etwas sarkastische Weise.
Für alle, die halbwegs unvoreingenommen an die Sache herangehen, dürften nach der Lektüre diese Buches kaum noch Zweifel an der Tatsache der Evolution bestehen.
Aber auch Leute, die ohnehin schon von deren Richtigkeit überzeugt sind, werden an diesem Werk ihre Freude haben. Denn es bietet noch viel mehr als nur eine bloße Aneinanderreihung von Argumenten.
Der Autor greif eine Vielzahl interessanter Themen auf, beispielsweise erklärt er, wie die Embryonalentwicklung funktioniert, überlegt, wo die Ursprünge des Lebens liegen könnten und stellt spannende neue Forschungsergebnisse vor. Dabei zeigt sich etwa, dass - im Gegensatz zur landläufigen Meinung - auch in der Biologie Hypothesen formuliert werden können, die einer experimentellen Überprüfung zugänglich sind.
Vor allem aber wird in diesem Buch auch aufgezeigt, wie der Mensch in den Stammbaum des Lebens eingegliedert ist, und es macht deutlich, dass der Gedanke, dass sich durch die Wirkung der Evolution aus kleinen Anfängen die scheinbar unendliche Vielzahl an Lebensformen, denen wir uns heute gegenüber sehen, entwickelt hat, mindestens ebenso großartig und begeisternd ist wie sämtliche religiösen Erklärungen - und dazu noch real!
Das ganze Buch ist wunderbar klar, verständlich und mitreißend geschrieben, sodass ich es nur empfehlen kann.