Zimperlich geht Boris Akunin mit dem Leser beziehungsweise den Opfern seiner Mörder grundsätzlich nicht um, wie man als Leser vorhergehender Bände wohl weiß, aber in "Die Schönheit der toten Mädchen" beschreitet Akunin einen für sich und Fandorin neuen Weg: Wir verfolgen die Taten, vielmehr Untaten, eines wahnsinnigen Serienmörders. Ihm fallen grundsätzlich hässliche Prostituierte oder obdachlose Frauen zum Opfer, die er nicht nur tötet, sondern auch nach einem bizarren Muster verstümmelt. Fandorin, der mit seiner Geliebten (ja, der Serienheld entwickelt sich auch in dieser Hinsicht weiter!) einige Zeit in London verbracht hat, fühlt sich an Jack the Ripper erinnert und findet zunehmend Parallelen. Aber es gibt zeitliche Überschneidungen zwischen den Morden in Moskau und London. Oder doch nicht?
Je enger Fandorin und seine Mitarbeiter die Schlinge zuziehen, desto verzweifelter reagiert logischerweise der Gesuchte. Und natürlich versucht er schließlich, Fandorin dort zu treffen, wo es am meisten schmerzt.
Insgesamt ist dieser Roman sehr spannend gemacht, wozu auch die eingestreuten längeren Monologe und Rückblenden des Mörders beitragen. Allerdings finde ich, dass sie nicht so ganz überzeugen; sie wirken vielleicht angemessen grotesk, aber selbst bei der "Aussprache" zwischen dem Serienmörder und Fandorin am Ende geben sie nicht überzeugend genug Aufschluss über die Entwicklung des psychischen Defekts. Dennoch, wie gesagt, handelt es sich um einen rundum gelungenen Krimi mit Lesespaß satt. Auch diesem Band dient das historische "Setting", freilich in meisterlicher Manier, insgesamt als Hintergrund für die eigentliche, im Grunde zeitlose Story.