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Die Schöne Schrift
 
 
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Die Schöne Schrift [Audiobook] [Audio CD]

Rafael Chirbes , Kornelia Boje
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Audio CD
  • Verlag: Kunstmann; Auflage: Hörbuch-Sonderausgabe "Ein Buch für die Stadt". (9. Juli 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3888974976
  • ISBN-13: 978-3888974977
  • Größe und/oder Gewicht: 13,8 x 12,4 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.142.031 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Rafael Chirbes
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Ana, eine einfache spanische Frau, lebt in Bovra, in der Gegend von Valencia. Am Ende ihrer Tage zieht sie für ihren Sohn ihr Resümee. In einem inneren Monolog, in kurzen Episoden, deren Abfolge ihr die Erinnerung diktiert und nicht die Chronologie der Ereignisse, erzählt sie vom Krieg und wie sie seinen Vater kennengelernt hat.

Als ihr Ehemann von der Front zurückkehrt, wird sein jüngerer Bruder Antonio von den Falangisten verhaftet. Die hungrigen, armseligen Nachkriegsjahre in Spanien beginnen und Ana und ihr Mann ahnen noch nicht, daß ihr Leben auf etwas Unvermeidbares zuläuft.

Antonio kommt frei aus der Haft und zunächst scheint das Glück im kleinen Rahmen denkbar. Doch eines Tages bringt er Isabel mit. Sie ist die Frau, die englisch spricht, mit wunderschöner Schrift melancholische Tagträumereien in ihrem Tagebuch festhält und Antonio seiner Familie entreißt, da die beiden beschlossen haben, den steilen Weg des finanziellen Wohlstands zu erklimmen.

Rafael Chirbes beschreibt das harte, schwere Leben einer einfachen spanischen Frau in skelettartigen Sätzen. Schlaglichtartig leuchtet er kurze Episoden ihres Lebens aus.

Mit ungeheurer Raffinesse macht Chirbes deutlich, daß häufig die großen, historischen Umwälzungen für die Betroffenen eine Menge Leid und Not mit sich bringen, doch in der Solidarität im gemeinsam erlittenen Elend läßt sich alles ertragen. Viel schwieriger und hoffnungsloser ist der Kampf im Kleinen innerhalb der Familie. Hier ist oft das Zusammentreffen zweier Personen gleich einem Tropfen Gift, der das Mahl für alle ungenießbar macht. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Diptychon des Scheiterns

Rafael Chirbes entwirft spanische Lebensläufe

«Was waren das für schöne Zeiten, als wir alle zusammen waren und lachten und es uns nicht am Nötigsten fehlte.» Diesen Satz kann die alte Frau nicht vergessen, denn wenig später waren die Familienbande brüchig, war das Brot nicht über Nacht im Haus. Die schönen Zeiten: «Spaziergänge über die Felder, die Sonne sank hinter den Hügeln und hinterliess einen roten Streifen zwischen den Kiefern, Picknick am Strand und das Gelächter und die Tanzfeste auf der Plaza, die Haare im Garçon-Schnitt, der Matrosenkragen und die neuen Schuhe, mit halbhohem breitem Absatz, à la Greta Garbo.»

Der Bruch kam mit dem Bürgerkrieg. Ihr Mann Tomás kehrt geschlagen heim, muss Ächtung und Erniedrigung von seiten der Franco-Anhänger stumm erdulden, kann froh sein, sich als Hilfsarbeiter verdingen zu dürfen. Ihr Schwager Antonio wartet im Gefängnis auf die Vollstreckung seines Todesurteils, wird dann aber doch noch freigelassen. Die Armut drückt, aber, immerhin, alle aus der Familie haben überlebt. Die Not schweisst zusammen, bis der erste kleine Wohlstand (ein Huhn im Stall, täglich ein Glas Milch für die Kinder) zu verteilen ist. Und Isabel, die frisch eingeheiratete Gattin Antonios, ist äusserst zielstrebig, wenn es um ihren und Antonios Vorteil geht.

«Die schöne Schrift» ist furchtbar schwer nachzuerzählen. Reduziert man das Buch auf den roten Faden der Handlung, klingt das, als schriebe Chirbes neorealistische Armeleutegeschichten im Stil der späten vierziger Jahre: Zwei Brüder, durch den Krieg verarmt, durch den Neuanfang entzweit, weil einer mit den Siegern kungelt und der andere den Anschluss verpasst. Aber Chirbes lässt Tomás und Antonio nicht als Exponenten zweier Lebensentwürfe aufeinanderprallen: Nicht ein einziges Mal streiten sie darüber, dass Antonio sich bei den Franquisten Liebkind macht. Statt dessen taumeln sie durch ihr Leben; es sind unmerkliche Umstände, die sie einander entfernen, und jeder fühlt sich überfordert, die richtigen Worte zu finden, die die Entfremdung verhindern könnten.

Chirbes lässt eine gealterte Witwe ihrem inzwischen erwachsenen Sohn von der Zeit vor seiner Geburt erzählen. Kein allwissender Erzähler sortiert die sich entwirrenden Lebensläufe. Da bleibt einiges im dunkeln: die nie ausgesprochene Liebe zwischen der Erzählerin und Antonio; die rätselhafte Selbstzerstörung der Schwägerin Gloria; der Grund ihrer Unfähigkeit, dem Lauf der Dinge etwas entgegenzusetzen. Letztlich versucht die Erzählerin nichts weiter, als sich darüber klarzuwerden, was ihr Leben gewesen sein könnte. Die Träume vor dem Krieg? Die neue Hoffnung, als der schlimmste Hunger überstanden war? Oder doch die Kette von Verletzungen, mit denen Antonio und seine Frau die übrigen Familienmitglieder verbitterten? Ihr Fazit: «Ich konnte den Neid auf jene nicht unterdrücken, die gleich am Anfang gegangen sind [. . .]. Weil ich durchgehalten habe, bin ich im Kampf müde geworden und habe erfahren müssen, dass die ganze Anstrengung umsonst war. Jetzt warte ich.»

Der Einzelne stürzt in den Abgrund, der sich zwischen seinen persönlichen Träumen und dem Gang der Geschichte auftut – dieses Thema umkreist Rafael Chirbes immer wieder. Etwa in dem Roman «Der Lange Marsch», mit dem ihm im vergangenen Jahr der Durchbruch beim deutschsprachigen Publikum gelang. Oder in «Der Schuss des Jägers», mit dem zusammen «Die schöne Schrift» eine Art Diptychon des Scheiterns bildet. «Der Schuss des Jägers» erzählte Spaniens Nachkriegsgeschichte aus der Perspektive eines Madrider Parvenüs, der unter Franco vom Chauffeur zum Baulöwen aufstieg, in höheren Kreisen Eintritt fand und hinter dieser wohlhabenden Fassade innerlich verkümmerte. «Die schöne Schrift» liefert das Gegenbild: die Geschichte der Frau in der Provinz, erzählt aus der Perspektive des Opfers des Krieges, der ehrlichen Haut, die dennoch verliert.

Beide Bücher sind Monologe alter Menschen, die ihr Leben am Faden der Erinnerung aufrollen und auf der letzten Seite feststellen, dass sie mit leeren Händen dastehen. Damit dieses wenig erbauliche Fazit dennoch einer genussvollen Lektüre nicht im Weg steht, lässt Chirbes seinen Ich-Erzählern Raum zur bewegenden Schilderung grosser Gefühle. Und beide Bücher bestechen durch sein aussergewöhnliches Talent, mit Andeutungen, Raffungen und Kreuzung der Zeitebenen auf engstem Raum ganze Welten zu entfalten: auf 140 Seiten sagt er mit wenigen Worten viel.

Albrecht Buschmann

Am Sonntag, 21. März, 11 Uhr ist Rafael Chirbes, eingeladen vom Literaturpodium der Stadt Zürich, zu Gast im Zürcher Puppentheater. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Traurige Lebensbilanz 31. Juli 2002
Format:Gebundene Ausgabe
Eine einfache alte Spanierin erzählt ihrem erwachsenen Sohn Anfang der Fünfzigerjahre von den "Achterbahnfahrten" ihres Lebens, von seltenen Augenblicken des Glücks, vor allem aber von Not und Leid, Liebe und Kränkungen. Während die Verwandtschaft im Spanischen Bürgerkrieg und in den Jahren danach zusammengehalten hatte, zerbrachen die familiären Beziehungen aufgrund der Einheirat einer feschen ehrgeizigen Frau aus der Stadt. Traurig stellt sie fest, dass ihr auch der Sohn fremd geworden ist, denn wie könnte er sonst das Haus, in dem sie fast ihr ganzes Leben gewohnt hat, abreißen wollen, um das Grundstück mit einem Häuserblock besser nutzen zu können. In einem schlichten, bewegenden Monolog erinnert sich Ana noch einmal an entscheidende Stationen ihres Lebens. Sie spricht zu ihrem Sohn, aber mehr noch zu sich selbst, weil sie vor dem Sterben verstehen möchte, was ihr widerfuhr.
Dieter Wunderlich
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von W. Öschelbrunn TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
Ein grandioses Buch über ein schweres Leben voll verlorener Hoffnungen im Spanien des 20ten Jahrhunderts.

Eine alte, einsame Frau erzählt ihrem - nicht anwesenden - Sohn ihr Leben: Wie ist alles gekommen, wo haben sich ihre Hoffnungen verloren. Die Angst der Bürgerkriegsjahre und die Repressionen der frühen Franco-Jahre, der mühsame wirtschaftliche Aufstieg und das eigene Zurückbleiben, die gestorbenen Angehörigen und Freunde, die nur noch als Schatten in der Erinnerung blieben, der Verlust der familiären Geborgenheit und jeglicher Zukunftshoffnung. Am Ende das Übrigbleiben in einer Welt, die weitergezogen ist und nun auch die letzten Erinnerungsgebäude an die Hoffnungen der Jugend niederreißen will. Ein kurzer Roman voller Inbrunst und Verzweifelung, zutiefst traurig und ohne jegliche Zukunftshoffnung. Oder vielleicht doch? Hat die Generation der Kinder den Schritt in eine bessere Zukunft nicht bereits geschafft? Oder liegt gerade darin die ganze Tragik der Generation der Eltern, einer verlorenen Generation?

"Die schöne Schrift" ist das fünfte Buch, welches ich von Chirbes gelesen habe. Zwar wiederholen sich die Themen und auch in diesem Buch dominiert Chirbes typischer Erzählstil des furorlastigen Monologs. Dennoch ist auch dieses Buch wieder ein besonderes Leseerlebnis gewesen. Im Unterschied zu vielen seinen sonstigen Romane erzählt "Die schöne Schrift" aus einer konstanten und sogar fast chronologischen Erzählperspektive. Daher erscheint mir dieser Roman als ein perfektes Einstiegsbuch für Leser, die sich erstmals Rafael Chirbes zuwenden.

Noch eine Anmerkung am Rande: Sollte es in der näheren Zukunft einen Literatur-Nobelpreis für einen spanisch-sprachigen Autor geben, wäre Chirbes aus meiner Sicht einer der Kandidaten. Kaum ein Autor hat es geschafft, die Wandlungen seiner Heimat derartig plastisch in Romanform zu gießen. Lediglich sein äußerst pessimistischer Grundtenor, der dem Leser ein Höchstmaß an positiver Suchleistung abfordert, um zumindest Andeutungen optimistischer Zukunftsstrahlen zu erspähen, könnte zwischen dem Autor und der höchsten literarischen Auszeichnung stehen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Die Idylle einer Familie wird durch die Wirren des Krieges und die folgende Frankodiktatur in ihren Grundfesten erschüttert. Eine alte Frau blickt zurück auf ihr Leben und sieht nur den Schmerz, der ausgelöst durch ihre Gutmütigkeit und der ihres Mannes, sich als Faden durch ihr Leben zieht. Dieser Schmerz überträgt sich in jeder Phase des Buches unweigerlich auf den Leser. (Stefan Knoche)
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