Bei Decca erschien Goernes herrliche Aufnahme mit seinem "Dauerpartner" Eric Schneider, doch im Rahmen der harnonia mundi- Schubert Edition hat er "Die Schöne Müllerin" jetzt erneut aufgenommen.
VIEL hat sich nicht geändert. Goernes Stimme hat sich fast nicht verändert, die etwas "halligere" Aufnahmetechnik gibt ihr jedoch noch etwas mehr Wärme (und gerade auch dem Klavier!) - und ein "Knödeln", kehliges Singen ist mir nicht mehr aufgefallen - ich finde seine Stimme einfach wunderschön. Doch das ist natürlich auch Geschmackssache...-
Die Interpretation ist von der gleichen Natürlichkeit, Unangestrengtheit und Wärme wie die Decca-Aufnahme - Theatralik/übertriebene Dramatik finde ich (zum Glück!) NICHT, doch eine Echtheit und Schönheit, die gerade durch das Fehlen von Übertreibung sehr berührt. Und neu für mich: selbst einige der Lieder der ersten "Hälfte" (bis Lied 11, "Mein") berühren mich plötzlich, Nr. 6, 8, 10 ("Der Neugierige", "Morgengruß" und "Tränenregen") sind nun sogar Höhepunkte der CD/des Zyklus!
Wenn Goerne hier - völlig unangestrengt, schewerelos und liebevoll - LEISE singt, bleibt immer wieder die Zeit stehen...
Vieles meiner Decca-Rezension kann einfach stehen bleiben - und hier zitiere ich mich ausnahmsweise einmal selbst (Entschuldigung):
"Der Müller ist bei Goerne insgesamt NICHT der junge, naive Heißsporn, der "Müllerbursche", sondern reifer und ernster: schon in den Liedern des ersten Teils klingt die Liebe tiefer gefühlt - und bedrohter! - als bei allen anderen Aufnahmen, die ich kenne.
(... Und) was Goerne aus den letzten Liedern macht (Die Liebe Farbe/Trockne Blumen/Wiegenlied), das ist so ATEMBERAUBEND, so ungeheuer schön in seiner schlichten Ruhe und Traurigkeit (und Langsamkeit), dass dies schließlich (...) mit Abstand die berührendste "Schöne Müllerin" ist, die ich kenne - allein das Schlussstück anzuhören sollte reichen, JEDEN Liederliebhaber zu überzeugen, dass er/sie diese Platte haben MUSS!"
Eschenbach ist dabei unglaublich: war Schneider für mich bislang fast ideal, so bringt Eschenbach tatsächlich noch mehr Wärme und Poesie in den Klavierpart (das nur "Begleitung" zu nennen wäre eine Beleidigung) - gerade im direkten Vergleich der Versionen ist er immer wieder wärmer, sanfter, runder - schlicht gesagt schöner, ohne dabei je die (häufige!) Gelegenheit zu ergreifen, sich in den Vordergrund zu spielen. Beide Künstler harmonieren dabei so eindrucksvoll, gestalten so aus einem Guss, ohne erkennbare Anstrengung, dass ich mir nur vorstellen kann, dass die Aufnehmsitzungen eine einzige Freude gewesen sein müssen...
Und das ist der Gesamteindruck, der bleibt: eine WUNDERSCHÖNE, absolut konkurrenzlose und unvergleichliche Aufnahme.
(Wer die Decca-Aufnahme schon hat, sollte sie besser nicht mit dieser neuen vergleichen - sonst will man die Neue auch noch!
Wer sie noch nicht hat, sollte natürlich gleich die Neue kaufen...)
Die Decca-Version:
Die Schöne Müllerin