"Die Sanduhr Gottes" spielt 20 Jahre nach den Ereignissen von "Gottes Maschinen" im - so könnte man es nennen - Hutchins-Universum. Unabhängig aller durchwachsenen Kritiken habe ich den Vorgänger wegen seiner unverbrauchten Ideen verschlungen und mir mit seinen zahlreichen Mysterien die Zeit vertrieben. Damals blieben viele Fragen offen, eine Fortsetzung erschien daher die zwangsläufige Konsequenz zu sein. Nun, man muss weiter darauf warten: Die einzige Reminiszenz an die damaligen Ereignisse ist die Erwähnung einer neuen Architektur, die Rundbauten bevorzugt; davon abgesehen ist "Die Sanduhr Gottes" ein völlig eigenständiges Buch.
Nachdem man diese Enttäuschung verdaut hat, wird man mit einem Abenteuerroman konfrontiert, der in ein Katastrophenszenario eingebettet ist und in dem die Archäologie nur noch eine Statistenrolle einnimmt: Zwei Planeten drohen zu kollidieren, wodurch Wissenschaftler, Journalisten und sensationslüsterne Urlauber angelockt werden. Bei einem Scan der schneebedeckten Oberfläche wird ein Turm entdeckt, ein Fingerzeig darauf, dass vor der seit 3000 Jahren dauernden Eiszeit eine Zivilisation existiert haben muss. Das Wissenschaftsteam verfügt nun weder über entsprechende Experten noch über eine Landefähre, so dass nach einem Schiff im näheren Umkreis gefahndet wird, das beides bieten kann; damit ist Precilla Hutchins im Spiel. In einer Blitzaktion gilt es, der sterbenden Welt so viele Informationen wie nur möglich zu entreißen und wegzuschaffen, aber das muss natürlich schief gehen. Von diesem Zeitpunkt an dreht sich die Haupthandlung nur noch darum, wie sich das Grüppchen auf der Oberfläche durchschlägt und im Orbit die Rettungsmaßnahmen koordiniert werden. Das ist zwar sehr kurzweilig, aber eigentlich nicht das, was ich von einem McDevitt-Roman erwarte: rätselhafte Entdeckungen und neue Ideen. Durch den im Roman aufgebauten Zeitdruck bleibt für die archäologische Komponente kaum noch Luft und somit werden einmal mehr viele Fragen nicht beantwortet. Auf der anderen Seite dürfte jedem Leser das Scheitern des Rettungsplans A klar sein, sobald die Idee für einen B-Plan erwähnt wird. Das ist schade, denn seine besten Momente hat das Buch, wenn es sich gerade nicht mit dem Kampf gegen Flora und Fauna oder Schweißerarbeiten im Orbit befasst, sondern mit den Ruinen, die so gar nicht in ein Erklärungsschema passen wollen. Dass alle am Schluss sterben, war sowieso nicht ausgemacht. Nun weiß man auch in Columbo-Krimis immer vorher, wer wen in Jenseits befördert hat, jedoch macht es dort einfach Spaß, einen kauzigen Trenchcoat-Träger beim Weg zur Lösung zu begleiten; eine derartige Figur fehlt hier leider. Nach Beenden des Buches stellt man überrascht fest, dass der gescheiterte Expeditionsleiter Nightingale die am plastischsten ausgestaltete aller Figuren war, obwohl dieses Privileg doch zweifelsohne Precilla "Hutch" Hutchins gebührt hätte.
Alles in allem ist das Werk damit etwas, was man gemeinhin "solide" nennt: Guter Durchschnitt. Für einen McDevitt ist dass meiner Meinung nach jedoch etwas zu wenig.