Die amerikanische Schriftstellerin Rita Mae Brown wurde durch ihre Kriminalromane schnell berühmt und hat sich mit ihrer Tigerkatze Sneaky Pie Brown als Co-Autorin eine treue Fangemeinde aufgebaut. In ihrem Roman "Die Tennisspielerin" arbeitete sie auch ihre langjährige Beziehung mit Martina Navrátilová auf. Ihre letzten Werke deuten jedoch darauf hin, dass sich Rita Mae Brown vom Ruhm dazu verführen lässt, Durchschnittskost abzuliefern.
Die Sandburg ist eine kurze Erzählung, die von zwei Frauen handelt, denen das Älterwerden nicht einfach fällt. Und wie es in solchen Fällen eben oft geschieht, versuchen sie dem Unvermeidlichen durch Erinnerungen an die Kindheit zu entkommen. Da sich viele Leserinnen mit einer solchen Geschichte identifizieren können, ist gegen eine neue Variante auch nichts einzuwenden. Aber einige gelungene Formulierungen und das sympathische Personal genügen nicht, um die Lesezeit zu rechtfertigen. Weniger weil ich dies geahnt habe, sondern weil ich mich bei langen Autofahrten gerne unterhalten lasse, habe ich mir die Hörfassung angeschafft. Der Sprecherin Hansi Jochmann ist es zu verdanken, dass diese Erzählung nicht ganz durchgefallen ist. Denn die deutsche Synchronstimme von Jodi Forster trifft den Plauderton der Sommerurlauber hervorragend. Retten kann sie den dünnen Plot allerdings nicht. Ein paar Kinder, zwei Frauen, eine Sandburg und ein Krebs, der einem Jungen in den Pimmel beisst, sind letztlich nur Figuren einer Aufführung, der es an einer tragenden Idee fehlt.
Mein Fazit: Eine unterhaltsame Lektüre, die man schnell wieder vergisst. Das ist auch deshalb schade, weil die Autorin schon bewiesen hat, dass sie bessere Geschichten erfinden kann. Ein so wichtiges Thema wie der Umgang mit dem Älterwerden hat eine engagiertere Autorin verdient.