Die Geschichte, die sich auf der Sündenburg um 912 nach Chr. zuträgt, wird von fünf Personen aus der Ich-Perspektive erzählt. Das sind die Gräfin, deren Tochter, die stumme Amme, eine ungarische Gefangene und ein Vikar. Dieser Vikar untersucht den Mordfall des Grafen, der auf mysteriöse Weise in der Badewanne ermordert wurde. Die Fünf schreiben ihr Erlebtes auf, so als würden sie Tagebuch verfassen.
Ich wusste, bis zur Auflösung des Falles nicht, wer hinter dem Mord steckte. Zum Schluss gewann die Handlung auch richtig an Fahrt, es wurde immer mehr intregiert, die Situation spitzte sich zu, es ging Hoch her. Leider konnte das Ende nicht vom großen Nachteil des Buches ablenken und darüber hinwegtrösten: Die fünf Hauptpersonen.
Ich konnte keinen Bezug zu ihnen aufbauen, keine Gefühle schwappten zu mir über. Weder konnte ich nachvollziehen, warum sie so handeln und denken, noch glaube ich, dass sie sich als Menschen des Frühmittelalters so verhalten hätten. Ein Beispiel: Die Tochter der Gräfin, Elicia, beleidigt, verleumdet und stellt ihre Mutter vor versammeltem Hofstaat bloß. Obwohl ihre Mutter die Gräfin der Burg ist. Wenn es wirklich zu dieser Zeit geschehen wäre, dann hätte man sie bestraft, in ihre Schranken gewiesen oder sonst irgendetwas zur Rettung der Ehre getan. Aber die Mutter nimmt dies alles hin. Sie wird von ihrem eigenen Kind vor allen blamiert, aber nichts passiert. Auch wird später über dieses Ereignis nicht mehr geschrieben. So, als ob solch ein Verhalten ganz normal sei. Wo wir schon bei einem weiteren Punkt, der dem Annähern an die Protagonisten im Wege stand, angekommen sind. Der Vikar ist der Einzige, der im Laufe der Geschichte eine Wandlung durchmacht. Aber auch dieser Vorgang ist nicht nachvollziehbar. Er denkt im Buch einfach plötzlich um 180 Grad anders. Damit findet er sich ab, so wie vorher schon die Gräfinmutter. Das ist halt so bei Eric Walz. Ihm fällt zu einer Person was ein, er schreibt es auf, warum das jetzt so ist, wird in einem knappen Satz erklärt. Basta, dass wars. Mehr hat der Leser nicht zu erwarten. Weder wird auf die Umgebung eingegangen - die klamme Burg, die unterschiedlichen Gerüche, das diffuse Licht - noch auf die Gefühle der Protagonisten. Der Autor hat keinen schönen Schreibstil, er beschränkt sich auf einschneidende Ereignisse, die er nicht mit anschaulichen Adjektiven und bunten Verben schmückt. Ich konnte mich in diese Geschichte nicht einfühlen, die Personen blieben schemenhaft und hohl. Ein schwaches Buch!