Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Viel mehr als ein Krimi..., 8. August 2007
Über die Handlung von "Die Süße des Lebens" ist schon sehr viel und ausführlich geschrieben worden, ich denke, zu ausführlich.
"Die Süße des Lebens" als Krimi (bzw. Kriminalroman) zu bezeichnen, wäre eigentlich schade, da dieses Buch viel mehr ist. Ja, es passiert ein (bestialischer) Mord, es passiert einiges in diesem Buch. Ja, es gibt einen Kommissar und ja, der Mörder wird entlarvt (ganz am Schluß).
Paulus Hochgatterer lässt seine Protagonisten kapitelweise (jeder Protagonist ist auch an einer ganz bestimmten Erzählweise deutlich zu erkennen) erzählen und löst das Rätsel (bzw. die Frage nach dem Mörder) erst am Ende. Die Lösung der "who-did-it" Frage ist aber eigentlich der Punkt, der den Leser verstört zurücklässt, den dadurch bleiben die schwarzen Felder (bzw. Probleme) schwarz, bzw. ungelöst. Die Auklärung des Mordes ist nur ein ganz kleiner Teil des Bildes, das hier in 296 Seiten ensteht und das ist auch der Unterschied zu einem (herkömmlichen) Kriminalroman. "Die Süße des Lebens" ist (von der psychologischen Tiefenstruktur, nicht dem Erzählstil) am ehesten mit den Romanen von Patricia Highsmith oder Georges Simenon vergleichbar. Paulus Hochgatterer hat jedoch eine ganz eigenständige Stimme, die winterliche Stimmung und das österreichische Lokalkolorit ist grossartig.
Ein düsteres, faszinierendes Buch, das zum Denken anregt und viel mehr ist als was es will.
|
|
|
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Kleinstadt und der Wahnsinn, 28. November 2006
Mag "Die Süße des Lebens" von Paulus Hochgatterer vom Gestus her ein Kriminalroman sein, so liegen seine Stärken aber eindeutig im Entwurf eines Gesellschaftspanoramas. Man liest von einer scheinbar idyllischen, funktionierenden Welt einer Kleinstadt, unter deren bürgerlicher Oberfläche der Wahnsinn lauert. Dass man in diesem Roman eine Reihe von zutiefst gestörten Zeitgenossen antrifft, mag damit zu tun haben, dass der Psychiater Hochgatterer nur zu genau weiß, wozu der Mensch fähig ist. Der Unterhaltungswert der Abgründe der menschlichen Seele scheint doch recht begrenzt, sodass man sich in manch düsterem Kapitel an Henning Mankell erinnert fühlt - wenn auch der Kriminalfall an sich nicht den ausweglosen Sog des Skandinaviers erreicht. Die Auflösung wirkt doch ein wenig aus dem Hut gezogen.
Stilistisch abgegrenzt, lockerer und leichter lesen sich die Abschnitte, die von Hochgatterers Alter Ego, einem Krankenhauspsychiater handeln. Hier plaudert der Autor offensichtlich ein wenig aus der Schule, hier finden sich interessante Einblicke und Gedanken über diesen Arztberuf. Diese realeren Einschübe finde ich am interessantesten in diesem Roman, der trotz seiner Uneinheitlichkeit erneut die große literarische Begabung seines Autors zeigt.
|
|
|
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wachsstöpsel, 26. Januar 2007
Furth am See zu Weihnachten, Schnee, Eiseskälte und behagliche Wärme in der großväterlichen Stube bei einer Partie "Mensch Ärgere Dich Nicht" und Kakao. Es klingelt, der Großvater Sebastian Wilfert geht nach draußen und kommt nicht wieder - er wird ermordet, sein Gesicht zur Unkenntlichkeit zermalmt und regelrecht ausgelöscht. Katharina Maywald, sieben Jahre alt packt die beiden Stöpsel - den gelben und den blauen - vom Spielbrett, sucht und findet den Großvater. "Vier, ich hab dich"! sie schließt die Hände zu Fäusten und sagt vorerst nichts mehr.
Auf der Suche nach Motiv und Mörder begleiten uns der Kommissar Ludwig Kovac, der Kinderpsychiater Raffael Horn, Er und Ich. Die Erzählperspektiven der Vier wechseln regelmäßig und sind einerseits greifbare Charaktere mit Persönlichkeit, Vorlieben und Sorgen, andererseits krankhaft neurotische Sonderlinge und psychopatische Jugendliche mit krimineller Zukunft bzw. Vergangenheit.
Bilden der Mord zu Beginn und die Aufklärung am Ende den Rahmen, so erzählt und Hochgatterer in erster Linie die düstere Geschichte der Bewohner einer Kleinstadt in Niederösterreich, verschafft uns Begegnungen mit unscheinbaren manchmal sympathischen, manchmal widerlichen Menschen und lässt uns von der winterlichen Kälte in die Wärme flüchten. Wir erleben die Hilflosigkeit Horns gegenüber Katharinas Schweigen, die Chancenlosigkeit der örtlichen Polizei gegen gemein gefährliche Familienväter und die Unzurechnungsfähigkeit eines jungen Benediktinerpaters, der mit IPod am offenen Grab Joyces "Ulysses" zitiert .
Feinst umschmeichelt wird die Darstellung durch eine Vielzahl von Beschreibungen der ganz kleinen Dinge. Ein fabelhaft atemloser Roman, den man zwischenzeitlich zur Seite legt, um sich vom Erzählten zu erholen und am Ende angelangt noch einmal durchblättert, um die versteckten Hinweise auf den Mörder und sein Motiv aus der Perspektive des Eingeweihten und Wissenden nach zu lesen.
Erschüttert, bewegt, gespannt und absolut begeistert!!!
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|