Furth am See zu Weihnachten, Schnee, Eiseskälte und behagliche Wärme in der großväterlichen Stube bei einer Partie "Mensch Ärgere Dich Nicht" und Kakao. Es klingelt, der Großvater Sebastian Wilfert geht nach draußen und kommt nicht wieder - er wird ermordet, sein Gesicht zur Unkenntlichkeit zermalmt und regelrecht ausgelöscht. Katharina Maywald, sieben Jahre alt packt die beiden Stöpsel - den gelben und den blauen - vom Spielbrett, sucht und findet den Großvater. "Vier, ich hab dich"! sie schließt die Hände zu Fäusten und sagt vorerst nichts mehr.
Auf der Suche nach Motiv und Mörder begleiten uns der Kommissar Ludwig Kovac, der Kinderpsychiater Raffael Horn, Er und Ich. Die Erzählperspektiven der Vier wechseln regelmäßig und sind einerseits greifbare Charaktere mit Persönlichkeit, Vorlieben und Sorgen, andererseits krankhaft neurotische Sonderlinge und psychopatische Jugendliche mit krimineller Zukunft bzw. Vergangenheit.
Bilden der Mord zu Beginn und die Aufklärung am Ende den Rahmen, so erzählt uns Hochgatterer in erster Linie die düstere Geschichte der Bewohner einer Kleinstadt in Niederösterreich, verschafft uns Begegnungen mit unscheinbaren manchmal sympathischen, manchmal widerlichen Menschen und lässt uns von der winterlichen Kälte in die Wärme flüchten. Wir erleben die Hilflosigkeit Horns gegenüber Katharinas Schweigen, die Chancenlosigkeit der örtlichen Polizei gegen gemein gefährliche Familienväter und die Unzurechnungsfähigkeit eines jungen Benediktinerpaters, der mit IPod am offenen Grab Joyces "Ulysses" zitiert .
Feinst umschmeichelt wird die Darstellung durch eine Vielzahl von Beschreibungen der ganz kleinen Dinge. Ein fabelhaft atemloser Roman, den man zwischenzeitlich zur Seite legt, um sich vom Erzählten zu erholen und am Ende angelangt noch einmal durchblättert, um die versteckten Hinweise auf den Mörder und sein Motiv aus der Perspektive des Eingeweihten und Wissenden nach zu lesen.
Erschüttert, bewegt, gespannt und absolut begeistert!!!