So gerne ich die meisten anderen Bücher von Tanja Kinkel verschlungen habe (insbesondere die Puppenspieler und Eleonore von Aquitanien), so schwer fiel es mir bei diesem Roman, bei der Sache zu bleiben.Dass ich das Buch in der ersten Hälfte, in der es meiner Meinung nach viel zu langatmig ist, nicht zur Seite gelegt habe, lag nur an meinem Vertrauen in die Autorin.
Am Anfang des Buches lernt der Leser die Hauptperson, Romulus' und Remus' Mutter Ilian kennen, jedoch nicht lieben oder verstehen. Ihre Handlungen erschienen mir stets fremd und unmenschlich. Ihre Motivation und ihren Antrieb konnte ich nicht nachvollziehen, weswegen mich die Geschichte auch nicht in den Bann ziehen konnte.
In der zweiten Hälfte des Buches wurde es leichter, Interesse an der Geschichte zu behalten, da hier von Romulus und Remus erzählt wird und diese beiden so unterschiedlichen Brüder sehr glaubhaft dargestellt werden. Ihre Handlungen erscheinen plausibel, wenngleich auch die negative charakterliche Entwicklung, die der anfangs stets im Schatten seines Bruders stehende Romulus, durchmacht, sehr drückend und belastend auf den Leser wirkt (zumindest war das bei mir so!).
Was mich über das ganze Buch hinweg gestört hat, waren sprunghafte Wechsel von einer Kultur (Latiner, Griechen, Ägypter, ...) in die andere, bei denen auch große Zeitsprünge gemacht wurden. Prinzipiell ist dagegen ja nichts zu sagen, doch da im späteren Verlauf der Handlung zum Teil auf Ereignisse verwiesen wird, die in nicht erzählt wurden, aber wichtig für den Verlauf der Handlung sind, störten sie mich massiv.
Auch die Entwicklung der Freundschaft, die Ilian mit dem Barden Ulsna verbindet, kam für mich etwas unmotiviert daher, da die Geschichte von Ilian und Ulsna nur in Bruchstücken erzählt wird.
Alles in allem empfand ich das Lesen des Buches als unbefriedigend - erst wegen der aufkommenden Langweile, später wegen der menschlichen Abgründe, die sich in der Entwicklung der Hauptcharaktere auftun.
Auch das Ende hinterlässt einen sehr schalen Nachgeschmack, obwohl das sicherlich nicht grundsätzlich gegen die Qualität des Buches sprechen sollte.