„Winnetou" und „Old Shatterhand" kennt hierzulande (fast) jeder, aber wer kennt „Harka" aus dem Stamm der Bärenbande ? Viel zu wenig, befürchte ich, und deshalb will ich hier diese Reihe besprechen, denn das kann so nicht bleiben!
Im Altberliner Verlag sind unter dem Namen „Die Söhne der großen Bärin" die 6 Bände der Harka Reihe erschienen. 2.152 Seiten Lese- und Schmökerstoff rund um den Indianer Harka, der im 1. Band als 11-jähriger Sohn des Kriegshäuptlings Mattotaupo der Bärenbande, die zu den Lakota-Indianern gehört, in Erscheinung tritt. Sein Vater ist sein großes Vorbild und er eifert ihm nach. So bleibt es nicht aus, daß ihn seine Altersgenossen zum Anführer des „Bundes der jungen Hunde" wählen. Es ist ein friedliches, wenn auch rauhes Leben, welches die Autorin hier anfangs zeigt. Aber schon das fasziniert beim Lesen, zieht einen in seinen Bann, bietet genügend (Frei-)Raum zur Identifikation und zum Vergleich zu heutigen Problemen dieser Altersgruppe.
Doch schon bald wird klar: Das friedliche Leben, das Jagen und Fischen und die Wettkämpfe und Rivalitäten unter den Jungs (und Mädchen) bleiben nicht so. Der weiße Mann stört das friedliche Leben, seine Gier nach Gold, der Bau der Eisenbahn und das Abschlachten der Büffel nehmen Einfluß. Und ausgerechnet Mattotaupo wird durch „Red Jim" mit dem Feuerwasser bekannt und des Verrats an seinem Stamm beschuldigt. Er wird verstoßen und Harka folgt ihm in die Verbannung. Damit endet der erste Band.
In den nächsten 5 Bänden wird die Geschichte weiter erzählt und jeder faszinierd durch seine spannende Schilderung, Eine ganz andere Sicht- und Erzählweise als bei Karl May, dem Lügenbaron dieser Gattung Literatur, den aber sicher nicht nur ich im entsprechenden Alter verschlungen habe.
Diese andere Sicht der Dinge liegt sicherlich in der Person der Autorin begründet, die sich vehement dagegen wehrte, Indianer nur als „Garderobenständer für Abenteuergeschichten" zu gebrauchen. Atemberaubend spannend, gleichzeitig aber historisch und ethnologisch korrekt schildert die Autorin das Leben in den Prärien Nordamerikas und den erbitterten Kampf der Lakota gegen die Verdrängung durch die weißen Einwanderer.
Jahrzehntelang hat sie sich mit dem Schicksal der Lakota-Indianer beschäftigt, sie als ältere Lady 1963 gar das erste Mal besucht. Insgesamt 2 Jahr verbrachte Welskopf-Henrich bei den Nachfolgern der Lakota und erhielt den Ehrentitel „Schutzschal der Lakota".
In der ehemaligen DDR galt sie als die Kultautorin, weltweit erhielten ihre Bücher eine Gesamtauflage von ca. 6 Millionen Exemplare. Bei uns Wessis blieb sie nur der Geheimtip, die Außenseiterin. Und das gilt es zu ändern. Denn, wie gesagt: 2.152 Seiten Lesestoff, spannend von der ersten bis zur letzten Seite, im Preis erschwinglich warten schon jetzt. Also: Lesen !!!