Der erste Roman des noch jungen Autors Tobias Bachmann, der bislang kaum beachtet wurde. Warum eigentlich? Nun, bisher veröffentlichte er ausschließlich in diversen Kleinverlagen und unterschiedlichen Anthologien, und nur wenige Leser werden auf noch unbekannte Autoren aufmerksam, was an mangelnder Werbung liegen mag, oder aber an der Schwierigkeit der Kleinverlage, sich im etablierten Massenmarkt adäquat durchzusetzen. Doch gerade wenn man die Literatur abseits des Mainstreams sucht, stößt man unweigerlich auf oft geniale Phantasten, und ein solcher scheint Bachmann zu sein, bzw. zunehmend zu werden.
Die Geschichte ist gut verstrickt: Carter, ein Policedetective in London, wacht eines Morgens auf, und muss feststellen, dass er der einzige Überlebende einer grausamen Katastrophe zu sein scheint. Ganz London ist voller Leichen, und Carter dazu verdammt, sein Leben nach dem Tod neu zu organisieren. Verzweifelt versucht er als einziger Mensch auf Erden zu überleben, bis er merkt, dass er eben doch nicht der letzte lebende Mensch ist. Er schließt Freudschaft mit einem verrückt gewordenen Taxidermisten, den man rasch lieb gewinnt, was schade ist, denn er bleibt nicht lange am Leben. Er wurde umgebracht, und dass ist dann auch der erste Wendepunkt in dem Roman.
Carter beginnt nachzuforschen, und stößt auf eine skrupellose Geheimgesellschaft, die sich Mephisto-Organisation nennt. Durch endlose, spannende Recherchearbeiten findet Carter schließlich die noch lebenden Anhänger jener Gesellschaft, und erfährt die wahren Beweggründe, die für das Vernichten der Menschheit ausschlaggebend waren, und diese haben es wirklich in sich. Ich war des öfteren versucht, der Gesellschaft zuzustimmen, und gerade hier liegt die eigentliche Genialität des Romans. Man weiß nicht, wer nun wirklich böse und wer gut ist. Zeitgleich gibt es nämlich noch eine zweite Organisation, die sich um eine gewisse Frau Salomon drängt, und Carter gerät förmlich zwischen die Fronten. Das ganze gewürzt mit rasanter Hochspannung, Zwischendomänen, Parallelwelten, Zeitreise, James Bond lastiger Agententhriller und Ecoeske Verschwörungsthematik, gekoppelt mit Einflüssen aus Horror, Science-fiction, Endzeit.... der Genremix ist in der Tat perfekt. Und dann weiß man auch wieder, warum so etwas nicht in großen Verlagen erscheint: sie würden garnicht wissen, in welche Schublade man diesen Autoren stecken sollte, und gerade dieses Schubladendenken ist heutzutage wohl besonders wichtig, um auf dem großen Absatzmarkt der Literaturwelt Fuß fassen zu können.
Und dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, wage ich zu behaupten, dass man von Tobias Bachmann noch viel hören, bzw. lesen wird. Er scheint mir das Zeug zu haben, um auf lange Sicht gesehen sich als eine Art deutsche Version eines Dan Simmons durchzusetzen, der sich ja bekanntlich auch nie für ein Genre entscheiden kann.
Wenn auch der Lesefluss durch gelegentliche Rechtschreibfehler manchmal etwas getrübt wird, ist stilistisch eines gewiss: Bachmann vermag es packend zu schreiben, und das auf hohem, literarischem Niveau, mit tollen, neuen Ideen.
Ich bin davon überzeugt, dass dies nicht sein letzter Roman sein wird, und gerade auf die zukünftigen darf man gespannt sein. Bekanntlich werden Autoren ja bei jedem neuen Buch besser. Bei diesem Autor muss ich jedoch ernsthaft fragen: Noch besser?