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Die Rote Kapelle: Die Geschichte der legendären Widerstandsgruppe
 
 
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Die Rote Kapelle: Die Geschichte der legendären Widerstandsgruppe [Gebundene Ausgabe]

Anne Nelson , Michael Müller
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Anne Nelson hat mit ihrer Geschichte der 'legendären Widerstandsgruppe' 'Die Rote Kapelle' ein literarisches und zugleich historiographisches Meisterwerk geschaffen." (Hans Mommsen, Frankfurter Rundschau )

"Ein Buch, das man sich in Hollywood genau durchlesen sollte: ein Buch aus dem ein Script für einen Politthriller gemacht werden könnte." (Klaus Pokatzky, Deutschlandradio Kultur )

„Ein bewegendes, großartiges Buch.“ (dpa )

Kurzbeschreibung

Eine packende Darstellung der lange ignorierten Widerstandsbewegung

Die Widerstandsgruppe »Rote Kapelle« wurde von der Gestapo als Moskau-abhängige, kommunistische Agentenschmiede diffamiert. Nelson revidiert dieses Urteil, das auch nach Kriegsende fortgeschrieben wurde. Vorrangig aus der Perspektive von Greta Kuckhoff, einer der führenden Persönlichkeiten, findet sich der Leser in einem privaten Zirkel von Männern und Frauen, die sich aus persönlicher Überzeugung der NS-Diktatur widersetzten. Besonderes Augenmerk richtet Nelson auf die Rolle der Frauen, die mehr als die Hälfte der Mitglieder stellten.

Diese Neubewertung der »Roten Kapelle« eröffnet auch einen neuen Blick auf den individuellen Widerstand gegen Hitler, den viele mit dem Leben bezahlten.



Über den Autor

Anne Nelson ist Buch- und Theaterautorin und unterrichtet Politikwissenschaft an der Columbia-Universität. Als freie Journalistin u.a. für die New York Times war sie 1980 – 1983 in El Salavador und Guatemala tätig. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, ihr Theaterstück »The Guys« – eines der ersten über die Anschläge vom 11. September 2001 – wurde weltweit aufgeführt und in Hollywood verfilmt.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Dieses Buch wurde begonnen, weil der Umbau des Reichstags in Berlin noch nicht beendet war. Es war im April 1999, und ich befand mich mit einem Kollegen aus beruflichen Gründen in Deutschland. Wir hatten beschlossen, das Wochenende in der Hauptstadt zu verbringen, waren in einen Zug gestiegen und hingefahren. Er wollte unbedingt die von Norman Foster entworfene prächtige neue Kuppel für das Reichstagsgebäude sehen. Dieses Wahrzeichen der deutschen Demokratie war kurze Zeit nach der Machtergreifung der Nazis durch einen Brand in eine ausgehöhlte Ruine verwandelt und zwölf Jahre später beim Angriff der sowjetischen Truppen auf Berlin weiter zerstört worden. Jetzt, nach der infolge der Wiedervereinigung - wenn auch mit einiger Verzögerung - erfolgten Modernisierung, sollte es dem deutschen Parlament erneut als Heimstätte dienen. Mein Kollege und ich wurden aber enttäuscht. Der Wachmann am Eingang informierte uns, dass das Gebäude erst am darauffolgenden Tag für das Publikum geöffnet werden würde, wir aber mussten am Abend schon abfahren.
Ich unternahm daher stattdessen einen Spaziergang. Als New Yorkerin wusste ich zu schätzen, dass Berlin sich für Spaziergänge anbot. An bestimmten Orten überkam einen ein Frösteln, weil der Eiseshauch der Vergangenheit noch nicht ganz gewichen war, doch mich beeindruckte die beinahe greifbare Energie, mit der man an die Zukunft heranging.
Als ich um eine Ecke bog, entdeckte ich etwas vor mir, das wie eine Baustelle aussah. Der Boden war aufgerissen, einige Stellen waren mit provisorischen Überdachungen geschützt. Leute wanderten auf dem Gelände umher und studierten an den Mauern befestigte Fotos und Anschläge.
Als ich näher herantrat, erfuhr ich, dass wir zwischen den Grundmauern des ehemaligen Gestapohauptquartiers in der Prinz-Albrecht Straße Nr. 8 standen. Die Ausstellung bestand aus Fotos mit Unterschriften, die über Menschen Auskunft gaben, die in diesem Gebäude festgehalten worden waren: Viele hatte man an dieser Stelle auch gefoltert und getötet. Ich war überrascht, als ich feststellte, dass nicht wenige der Gefangenen als dem Widerstand angehörig bezeichnet wurden.
Unter ihnen befanden sich auch zwei Frauen. Ein Name, der sofort meine Aufmerksamkeit erregte, war der von Mildred Harnack-Fish, eine Literaturdozentin aus Wisconsin mit einem wunderschönen Gesicht und einem ernsten, sanften Blick. In der Bildunterschrift hieß es, sie sei die einzige Amerikanerin gewesen, die Hitler jemals habe hinrichten lassen. Ein anderes Foto aus etwas späterer Zeit zeigte eine energisch blickende ältere Frau namens Greta Kuckhoff. Sie hatte genau wie Mildred Harnack an der Universität Wisconsin studiert und derselben Gruppe, die sich »Rote Kapelle« nannte, angehört wie sie. Bemerkenswerterweise hatte Greta Kuckhoff sowohl die Verhöre durch die Gestapo überlebt als auch den Krieg und war sogar zur Präsidentin der Notenbank der DDR aufgestiegen.
Die Namen waren mir neu. Ich hatte von Claus Graf Schenk von Stauffenberg und der militärischen Verschwörung gegen Hitler gehört und auch einen Film über Sophie Scholl und die Weiße Rose gesehen. Mit dem Namen »Rote Kapelle« wusste ich aber nichts anzufangen, und mir war auch völlig unbekannt, dass eine Amerikanerin mitten im Krieg einer deutschen Widerstandsbewegung angehört hatte. Nach Hause zurückgekehrt, begann ich daher mit Nachforschungen. Anfangs war das eine mühsame Arbeit: Mal fand ich eine Anmerkung, die sich auf die Gruppe bezog, mal grub ich einen obskuren Artikel über sie aus. Je mehr ich aber über Greta Kuckhoff, Mildred Harnack und ihren Kreis erfuhr, desto mehr fesselte mich ihre Geschichte.
Ein Grund dafür war meine eigene Geschichte, das heißt meine berufliche Vergangenheit. Als junge Journalistin hatte ich in Mittel- und Südamerika in Militärdiktaturen gelebt und über die Aktivitäten der Opposition dort berichtet. Ich war Zeugin der seltsamen Bündnisse geworden, zu denen es unter solchen Bedingungen kommen kann, weil nämlich Personen von unterschiedlichem religiösem Glauben und unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung durch ihren gemeinsamen Kampf im Namen der Menschlichkeit zusammengeschmiedet werden. Mir war auch aufgefallen, dass die Bevölkerung unter repressiven Regierungen dazu neigt, sich in drei Gruppen aufzusplittern: in diejenigen, die der Diktatur ihre Zustimmung erteilen, die, welche sie ablehnen, aber sich mit ihr abfinden, und schließlich diejenigen, die Widerstand leisten. Später arbeitete ich in vielen anderen Ländern, die gerade dabei waren, sich mühsam von brutalen Regimes zu befreien, wie Kambodscha und Rumänien beispielsweise. Auch hier gab es die drei verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen, nur standen sie in einem anderen proportionalen Verhältnis zueinander.
Warum, fragte ich mich, war es in Hitlerdeutschland anders gewesen? Schließlich hatte man uns doch erzählt, dass die gesamte Bevölkerung über Nacht zum Nationalsozialismus konvertiert sei und die Deutschen zu einem Volk von Mördern geworden seien.
Bei einem Besuch des Holocaust-Museums in Washington, D. C., wo die Besucher klugerweise angehalten werden, auf einer Route durch die Ausstellung zu gehen, die die Entwicklung des Nationalsozialismus nachzeichnet, wurden mir erstmals die Augen geöffnet. Auf der ersten Ebene wird dort dokumentiert, wie die mühsam um ihr Überleben kämpfende deutsche Demokratie Anfang der dreißiger Jahre von den Nazis niedergerungen und ihre Institutionen vom Regime zerschlagen oder pervertiert wurden.
Ich stellte weiter meine Nachforschungen in Bezug auf Greta und Adam Kuckhoff an, beschäftigte mich aber gleichzeitig mit der Geschichte der Gesellschaft, welche die beiden gezwungen hatte, in so ungewöhnliche Rollen zu schlüpfen. Für viele Amerikaner begann der Zweite Weltkrieg erst im Jahr 1941. Doch gab es schon lange vor Pearl Harbor viele geschichtliche Ereignisse, aus denen man entscheidende Erkenntnisse gewinnen kann. So wäre es nicht zum Holocaust gekommen, wenn die Nazis nicht das gesamte Justizwesen von allen honorigen Richtern und Anwälten »gesäubert« hätten. Die Faschisten hatten auch Journalisten einschüchtern und zum Schweigen bringen sowie die Medien des Landes zu Propagandawerkzeugen und Lieferanten von dümmlicher Unterhaltung degradieren können. Die Nazis machten sich latente Spannungen zwischen Deutschland und anderen Ländern zunutze und bauschten sie zu »Bedrohungen« des Vaterlands auf. Dann verpflichteten sie die Deutschen dazu, ihren Patriotismus unter Beweis zu stellen, indem sie grausame, unüberlegte Kriege unterstützten, die nicht gewonnen werden konnten. Die Soldaten der Wehrmacht erhielten Befehl, gegen die Statuten der Genfer Konvention zu verstoßen, und Offiziere, die diesem Befehl nicht gehorchten, wurden kaltgestellt oder aus dem Verkehr gezogen.

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