Völlig überfordert von Beruf und Privatleben, flüchtet die junge Lehrerin Franca Palmer von Berlin auf die Kanalinsel Guernsey. Dort mietet sie sich in einem alten Haus in Le Variouf ein, welches der Rosenzüchterin Beatrice Shaye gehört. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich schon bald eine zarte Freundschaft.
Seit vielen Jahren lebt Beatrice - gefangen in einer Schicksalsgemeinschaft - mit Helene zusammen, die einst die Frau des deutschen Offiziers Erich Feldmann war. Während der Besetzung der Kanalinseln im 2. Weltkrieg zieht das deutsche Ehepaar in das verlassene Rosenzüchterhaus ein. Fortan kümmern sie sich um die kleine Beatrice und rivalisieren um die Gunst des Mädchens. Selbst nach dem Tod von Erich im Jahr 1945 klammert sich Helene, die einst von ihrem Mann regelrecht tyrannisiert wurde, weiterhin krampfhaft an Beatrice.
Nach und nach vertraut sich Beatrice Franca immer mehr an. Sie erzählt ihr von der grausamen Zeit der Besatzung, der Nachkriegszeit und von dem Zusammenleben mit Helene, das von Abneigung und Hass geprägt ist. Die Vergangenheit holt die alte Frau dabei immer mehr ein, bis sich schlussendlich die Ereignisse überschlagen und eine Tote gefunden wird...
Bei Die Rosenzüchterin" handelt es sich um einen weiteren absolut fesselnden Spannungsroman von Charlotte Link. Den Anfang empfand ich zwar als etwas schleppend, sodass ich einige Zeit brauchte um mich in die Geschichte ein zu finden. Allerdings nimmt sie dann immer mehr an Fahrt auf und - wie ich es schon erwartet hatte - kommt es im Laufe der Geschichte wieder zu außergewöhnlichen Wendungen, die micht wirklich überrascht haben.
Sehr beeindruckt war ich dabei von Beatrice, die sich als außergewöhnlich starke Persönlichkeit entpuppt. Trotz der Tatsache, dass sie in einem regelrechten Gefängnis lebt und der unterschwelligen Gewalt von Erich bzw. der totalen Vereinnahmung durch Helene ausgesetzt ist, lässt sie sich nicht verbiegen. Sie lebt - so gut es ihr in dieser Situation möglich ist - ihr Leben und versucht als erwachsene Frau auch den Fängen von Helene, die sie mit aller Macht an sich binden möchte, zu entfliehen.
Überraschende Erkenntnisse während des Lesens des Romans erhält man außerdem auch über Helene, denn diese ist durchaus nicht so schwach, wie sie sich darstellt. Erfreulich war darüber hinaus die Entwicklung der von Panikattacken gepeinigten Franka und von Alan, Beatrices Sohn, der mit seinen ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat.
Alles in allem handelt es sich bei Die Rosenzüchterin" also wieder um einen absolut empfehlenswerten Roman, der von mir 4 von 5 wohlverdienten Sternen erhält.