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Die Romanow-Prophezeiung [Taschenbuch]

Steve Berry , Barbara Ostrop , Joachim Peters
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein unerhört beeindruckender Roman!" (Kirkus Reviews)

Klappentext

"Ein unerhört beeindruckender Roman!"
Kirkus Reviews

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Steve Berry war viele Jahre als erfolgreicher Anwalt tätig, bevor er seine Leidenschaft für das Schreiben entdeckte. Mit jedem seiner hochspannenden Thriller stürmt er in den USA die Spitzenplätze der Bestsellerlisten und begeistert Leser in über 50 Ländern. Steve Berry lebt mit seiner Frau in St. Augustine, Florida.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Alexanderpalast Zarskoje Selo 28. Oktober 1916

Die Tür ging auf, und Alexandra, Kaiserin von ganz Russland, wandte zum ersten Mal seit Stunden ihren Blick von dem leidenden Kind im Krankenbett ab.
Ihr Freund eilte ins Schlafzimmer, und sie brach in Tränen aus. »Endlich, Vater Grigori. Dem allmächtigen Gott sei Dank. Der kleine Alexej braucht dringend Ihre Hilfe.«
Rasputin trat ans Bett und bekreuzigte sich. Sein blaues Seidenhemd und seine Samthose rochen nach Alkohol, der seinen stechenden Körpergeruch halbwegs überlagerte. Er stinke wie ein Ziegenbock, hatte eine der Hofdamen einmal behauptet. Alexandra aber hatte der Gestank nie gestört. Nicht, wenn er von Vater Grigori ausging.
Schon vor Stunden hatte sie nach ihm geschickt, nachdem ihr eingefallen war, wie gern er sich angeblich bei den Zigeunern am Rande der Hauptstadt aufhielt. Immer wieder einmal, so hieß es, zeche er dort die ganze Nacht über in der Gesellschaft von Huren. Einer ihrer Leibwächter beteuerte sogar, Rasputin habe mit heruntergelassener Hose auf dem Tisch getanzt und damit geprahlt, welche Freude sein stattliches Organ den Damen des Zarenhofs bringe. Alexandra weigerte sich, derartigem Gerede Glauben zu schenken, und ließ denjenigen, der das Gerücht verbreitet hatte, unverzüglich an einen fernen Ort weitab der Hauptstadt versetzen.
»Bereits seit der Dämmerung suche ich nach Ihnen«, erklärte sie verzweifelt.
Rasputin aber richtete sein Augenmerk ganz auf den Jungen. Er fiel auf die Knie. Alexej war seit fast einer Stunde nicht mehr bei Bewusstsein. Am späten Nachmittag war er beim Spielen im Garten gestürzt, und keine zwei Stunden später hatten die Schmerzen eingesetzt.
Alexandra sah gebannt zu, wie Rasputin die Decke zurückschlug und das rechte Bein des Jungen begutachtete, das schon ganz blau und auf fast groteske Weise angeschwollen war. Unter der Haut pulsierte heftig das Blut; das Hämatom hatte die Größe einer kleinen Melone erreicht. Ihr Sohn hatte das Bein an die Brust gezogen; aus seinem schmalen Gesicht war, von den dunklen Schatten unter den Augen abgesehen, jegliche Farbe gewichen.
Zärtlich strich sie das hellbraune Haar des Kindes zurück.
Gott sei Dank hatte er wenigstens aufgehört zu schreien. Die Krämpfe kamen mit brutaler Regelmäßigkeit jede Viertelstunde wieder. Obwohl er delirierte, gab er noch immer ein anhaltendes, herzzerreißendes Wimmern von sich.
In einem lichten Moment flehte er zuerst Gott um Hilfe an und bat dann: »Mama, hilf mir doch!« Er fragte, ob der Schmerz aufhöre, wenn er stürbe. Sie brachte es nicht übers Herz, ihm die Wahrheit zu sagen.
Was hatte sie nur getan? Alles war ihre Schuld. Es war allgemein bekannt, dass Frauen die Bluterkrankheit weitergaben, ohne selbst davon betroffen zu sein. Ihr Onkel, ihr Bruder und ihre Neffen waren allesamt daran gestorben, und doch war sie nie auf den Gedanken gekommen, sie selbst könne Überträgerin der Krankheit sein. Ihre vier Töchter hatten sie keines Besseren belehrt; erst als sie vor zwölf Jahren den lang ersehnten Sohn gebar, hatte die schmerzliche Wahrheit sie eingeholt. Zuvor hatte sie nicht ein einziger Arzt auf das Risiko hingewiesen. Aber hatte sie selber je danach gefragt? Niemand schien gewillt, von sich aus etwas preiszugeben. Selbst unverblümten Fragen wich man nur allzu oft mit unsinnigen Antworten aus. Deshalb war Vater Grigori ja auch so außergewöhnlich. Der Starez nahm kein Blatt vor den Mund.
Rasputin schloss die Augen und schmiegte sich eng an den leidenden Jungen. In seinem drahtigen Bart hingen eingetrocknete Essensreste. Um den Hals trug er das goldene Kreuz, das sie ihm geschenkt hatte. Er umklammerte es fest mit der Hand. Das Zimmer war nur von Kerzenlicht erhellt. Sie hörte ihn etwas murmeln, verstand aber nichts. Und sie riskierte kein einziges Wort. Obwohl sie die Zarin war, die russische Kaiserin, stellte sie Vater Grigori nie in Frage.
Nur er allein konnte die Blutung stillen. Durch ihn schützte Gott ihren kostbaren Alexej. Den Zarewitsch und alleinigen Thronfolger. Den nächsten russischen Zaren.
Aber nur, wenn er am Leben blieb.
Der Junge öffnete die Augen.
»Hab keine Angst, Alexej, alles ist gut«, flüsterte Rasputin. Seine Stimme klang beruhigend und melodisch, aber fest. Er strich Alexej von Kopf bis Fuß über den schweißnassen Körper. »Ich habe deine schlimmen Schmerzen vertrieben. Jetzt wird dir nichts mehr wehtun. Morgen geht es dir wieder gut, und dann spielen wir wieder unsere lustigen Spiele.«
Rasputin streichelte den Jungen weiter.
»Denk an das, was ich dir über Sibirien erzählt habe. Die Wälder dort sind riesig, und die Tundra ist so weit, dass keiner je an ihr Ende gelangt ist. Und das alles gehört deiner Mama und deinem Papa, und eines Tages, wenn du gesund und groß und stark bist, wird es dir gehören.« Er nahm die Hand des Jungen. »Irgendwann nehme ich dich mit nach Sibirien und zeige dir das alles. Die Menschen dort sind ganz anders als hier. Du musst es einfach sehen, Alexej, dieses majestätische Land.« Seine Stimme war noch immer ganz ruhig.
Ein Leuchten erhellte die Augen des Jungen. Das Leben hatte ihn wieder, und er richtete sich im Bett auf.
Alexandra fürchtete, er könnte sich erneut verletzen. »Vorsicht, Alexej. Du musst jetzt vorsichtig sein.«
»Lass mich, Mama, ich muss zuhören.« Ihr Sohn wandte sich wieder Rasputin zu. »Erzähl mir noch eine Geschichte, Vater.«
Lächelnd erzählte Rasputin ihm von Pferden mit Höckern, vom beinlosen Soldaten und vom augenlosen Reiter sowie von einer untreuen Zarin, die in eine weiße Ente verwandelt wurde. Er sprach von den Wildblumen in der weiten sibirischen Tundra, wo Pflanzen über Seelen verfügten und sich miteinander unterhielten und wo auch die Tiere sprechen konnten und er selber als Kind gelernt habe zu verstehen, was die Pferde sich im Stall zuflüsterten.
»Siehst du, Mama? Hab ich dir nicht immer gesagt, dass Pferde sprechen können?«
Das Wunder vor ihren Augen rührte sie zu Tränen. »Du hast ja Recht, mein Sohn.«
»Und du erzählst mir alles, was du bei den Pferden erlauscht hast, nicht wahr?«, bettelte Alexej.
Rasputin lächelte. »Morgen. Morgen erzähle ich dir mehr. Aber jetzt musst du dich erst einmal ausruhen.« Und dann streichelte er den Jungen, bis der Zarewitsch wieder einschlief.
Rasputin stand auf. »Der Kleine wird am Leben bleiben.«
»Wie können Sie so sicher sein?«
»Wie könnt Ihr Euch nicht sicher sein?«
In seinem Tonfall schwang Entrüstung mit, und sie bereute augenblicklich, dass sie an ihm gezweifelt hatte. Schon oft hatte sie den Verdacht gehegt, ihr mangelnder Glaube könnte der Grund für Alexejs Schmerzen sein. Womöglich hatte Gott ihrem Sohn den Fluch der Bluterkrankheit auferlegt, um ihren Glauben auf die Probe zu stellen.
Rasputin kam um das Bett herum auf sie zu, kniete vor ihrem Stuhl nieder und nahm ihre Hand. »Mütterchen, Ihr dürft unseren Herrn nicht in Frage stellen. Zweifelt nicht an seiner Macht.«
Nur dem Starez war es gestattet, ihr gegenüber diese vertrauliche Anrede zu gebrauchen.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Alexanderpalast Zarskoje Selo 28. Oktober 1916Die Tür ging auf, und Alexandra, Kaiserin von ganz Russland, wandte zum ersten Mal seit Stunden ihren Blick von dem leidenden Kind im Krankenbett ab.Ihr Freund eilte ins Schlafzimmer, und sie brach in Tränen aus. »Endlich, Vater Grigori. Dem allmächtigen Gott sei Dank. Der kleine Alexej braucht dringend Ihre Hilfe.«Rasputin trat ans Bett und bekreuzigte sich. Sein blaues Seidenhemd und seine Samthose rochen nach Alkohol, der seinen stechenden Körpergeruch halbwegs überlagerte. Er stinke wie ein Ziegenbock, hatte eine der Hofdamen einmal behauptet. Alexandra aber hatte der Gestank nie gestört. Nicht, wenn er von Vater Grigori ausging.Schon vor Stunden hatte sie nach ihm geschickt, nachdem ihr eingefallen war, wie gern er sich angeblich bei den Zigeunern am Rande der Hauptstadt aufhielt. Immer wieder einmal, so hieß es, zeche er dort die ganze Nacht über in der Gesellschaft von Huren. Einer ihrer Leibwächter beteuerte sogar, Rasputin habe mit heruntergelassener Hose auf dem Tisch getanzt und damit geprahlt, welche Freude sein stattliches Organ den Damen des Zarenhofs bringe. Alexandra weigerte sich, derartigem Gerede Glauben zu schenken, und ließ denjenigen, der das Gerücht verbreitet hatte, unverzüglich an einen fernen Ort weitab der Hauptstadt versetzen.»Bereits seit der Dämmerung suche ich nach Ihnen«, erklärte sie verzweifelt.Rasputin aber richtete sein Augenmerk ganz auf den Jungen. Er fiel auf die Knie. Alexej war seit fast einer Stunde nicht mehr bei Bewusstsein. Am späten Nachmittag war er beim Spielen im Garten gestürzt, und keine zwei Stunden später hatten die Schmerzen eingesetzt.Alexandra sah gebannt zu, wie Rasputin die Decke zurückschlug und das rechte Bein des Jungen begutachtete, das schon ganz blau und auf fast groteske Weise angeschwollen war. Unter der Haut pulsierte heftig das Blut; das Hämatom hatte die Größe einer kleinen Melone erreicht. Ihr Sohn hatte das Bein an die Brust gezogen; aus seinem schmalen Gesicht war, von den dunklen Schatten unter den Augen abgesehen, jegliche Farbe gewichen.Zärtlich strich sie das hellbraune Haar des Kindes zurück.Gott sei Dank hatte er wenigstens aufgehört zu schreien. Die Krämpfe kamen mit brutaler Regelmäßigkeit jede Viertelstunde wieder. Obwohl er delirierte, gab er noch immer ein anhaltendes, herzzerreißendes Wimmern von sich.In einem lichten Moment flehte er zuerst Gott um Hilfe an und bat dann: »Mama, hilf mir doch!« Er fragte, ob der Schmerz aufhöre, wenn er stürbe. Sie brachte es nicht übers Herz, ihm die Wahrheit zu sagen.Was hatte sie nur getan? Alles war ihre Schuld. Es war allgemein bekannt, dass Frauen die Bluterkrankheit weitergaben, ohne selbst davon betroffen zu sein. Ihr Onkel, ihr Bruder und ihre Neffen waren allesamt daran gestorben, und doch war sie nie auf den Gedanken gekommen, sie selbst könne Überträgerin der Krankheit sein. Ihre vier Töchter hatten sie keines Besseren belehrt; erst als sie vor zwölf Jahren den lang ersehnten Sohn gebar, hatte die schmerzliche Wahrheit sie eingeholt. Zuvor hatte sie nicht ein einziger Arzt auf das Risiko hingewiesen. Aber hatte sie selber je danach gefragt? Niemand schien gewillt, von sich aus etwas preiszugeben. Selbst unverblümten Fragen wich man nur allzu oft mit unsinnigen Antworten aus. Deshalb war Vater Grigori ja auch so außergewöhnlich. Der Starez nahm kein Blatt vor den Mund.Rasputin schloss die Augen und schmiegte sich eng an den leidenden Jungen. In seinem drahtigen Bart hingen eingetrocknete Essensreste. Um den Hals trug er das goldene Kreuz, das sie ihm geschenkt hatte. Er umklammerte es fest mit der Hand. Das Zimmer war nur von Kerzenlicht erhellt. Sie hörte ihn etwas murmeln, verstand aber nichts. Und sie riskierte kein einziges Wort. Obwohl sie die Zarin war, die russische Kaiserin, stellte sie Vater Grigori nie in Frage.Nur er allein konnte die Blutung stillen. Durch ihn schützte Gott ihren kostbaren Alexej. Den Zarewitsch und alleinigen Thronfolger. Den nächsten russischen Zaren.Aber nur, wenn er am Leben blieb.Der Junge öffnete die Augen.»Hab keine Angst, Alexej, alles ist gut«, flüsterte Rasputin. Seine Stimme klang beruhigend und melodisch, aber fest. Er strich Alexej von Kopf bis Fuß über den schweißnassen Körper. »Ich habe deine schlimmen Schmerzen vertrieben. Jetzt wird dir nichts mehr wehtun. Morgen geht es dir wieder gut, und dann spielen wir wieder unsere lustigen Spiele.«Rasputin streichelte den Jungen weiter.»Denk an das, was ich dir über Sibirien erzählt habe. Die Wälder dort sind riesig, und die Tundra ist so weit, dass keiner je an ihr Ende gelangt ist. Und das alles gehört deiner Mama und deinem Papa, und eines Tages, wenn du gesund und groß und stark bist, wird es dir gehören.« Er nahm die Hand des Jungen. »Irgendwann nehme ich dich mit nach Sibirien und zeige dir das alles. Die Menschen dort sind ganz anders als hier. Du musst es einfach sehen, Alexej, dieses majestätische Land.« Seine Stimme war noch immer ganz ruhig.Ein Leuchten erhellte die Augen des Jungen. Das Leben hatte ihn wieder, und er richtete sich im Bett auf.Alexandra fürchtete, er könnte sich erneut verletzen. »Vorsicht, Alexej. Du musst jetzt vorsichtig sein.«»Lass mich, Mama, ich muss zuhören.« Ihr Sohn wandte sich wieder Rasputin zu. »Erzähl mir noch eine Geschichte, Vater.«Lächelnd erzählte Rasputin ihm von Pferden mit Höckern, vom beinlosen Soldaten und vom augenlosen Reiter sowie von einer untreuen Zarin, die in eine weiße Ente verwandelt wurde. Er sprach von den Wildblumen in der weiten sibirischen Tundra, wo Pflanzen über Seelen verfügten und sich miteinander unterhielten und wo auch die Tiere sprechen konnten und er selber als Kind gelernt habe zu verstehen, was die Pferde sich im Stall zuflüsterten.»Siehst du, Mama? Hab ich dir nicht immer gesagt, dass Pferde sprechen können?«Das Wunder vor ihren Augen rührte sie zu Tränen. »Du hast ja Recht, mein Sohn.«»Und du erzählst mir alles, was du bei den Pferden erlauscht hast, nicht wahr?«, bettelte Alexej.Rasputin lächelte. »Morgen. Morgen erzähle ich dir mehr. Aber jetzt musst du dich erst einmal ausruhen.« Und dann streichelte er den Jungen, bis der Zarewitsch wieder einschlief.Rasputin stand auf. »Der Kleine wird am Leben bleiben.«»Wie können Sie so sicher sein?«»Wie könnt Ihr Euch nicht sicher sein?«In seinem Tonfall schwang Entrüstung mit, und sie bereute augenblicklich, dass sie an ihm gezweifelt hatte. Schon oft hatte sie den Verdacht gehegt, ihr mangelnder Glaube könnte der Grund für Alexejs Schmerzen sein. Womöglich hatte Gott ihrem Sohn den Fluch der Bluterkrankheit auferlegt, um ihren Glauben auf die Probe zu stellen.Rasputin kam um das Bett herum auf sie zu, kniete vor ihrem Stuhl nieder und nahm ihre Hand. »Mütterchen, Ihr dürft unseren Herrn nicht in Frage stellen. Zweifelt nicht an seiner Macht.«Nur dem Starez war es gestattet, ihr gegenüber diese vertrauliche Anrede zu gebrauchen.
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