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Der Autor beschreibt, wie eine "Schnellfeuer-Kultur" das Bewusstsein unserer Kinder verändert, ihre emotionale und geistige Befindlichkeit, und wie sie dafür bezahlen müssen - mit der Einnahme von Stimulanzien, die die bewusstseinsverändernde Wirkund der Geschwindigkeit simulieren und mit einer Krankheit, die genau in dieses Bild passt: ADHS. "Die Sucht nach Sinnesreizen, ob von Kindern oder Erwachsenen, bedeutet eine Störung des bewussten Erlebens, bei der die betroffene Person unfähig ist, mit Langsamkeit umzugehen. Indem eine 'Schnellfeuer-Kultur' ein entsprechendes Bewusstsein prägt - und bei Kindern die Unfähigkeit, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren - entwickeln sich Reizabhängigkeiten, die unser Verhalten animieren, nach noch mehr Stimuli zu suchen. Im Zentrum dieses Entwicklungsproblems befindet sich die Erfahrung der Unbehaustheit, die durch Gefühle wie innere Ruhelosigkeit, Angst und Impulsivität charakterisiert ist." Richard DeGrandpre
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
50 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Einseitiger, aber ernst zu nehmender Beitrag,
Von El Duderino "gj_sifi" (Raum Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Ritalin-Gesellschaft. ADS: Eine Generation wird krankgeschrieben (Gebundene Ausgabe)
Die bisherigen Rezensionen sind in gewisser Weise ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Einige finden das Buch ganz hervorragend, andere verdammen es. Wer schon einmal mit anderen Menschen über die ADS- bzw. ADHS-Problematik diskutiert hat, wird festgestellt haben, dass hier die Wogen sehr schnell in die Höhe schlagen und erhebliche Emotionen ins Spiel kommen. Warum das so ist? Ich weiß es auch nicht mit Sicherheit, vermute aber, dass die publizistische Verbreitung eines Themas mit einer gewissen Zuspitzung der Positionen einhergeht. Ähnlich habe ich es in früheren Jahren bei dem Thema "sexueller Missbrauch" wahrgenommen, als einige hier die Universalursache für viele Störungen entdeckt zu haben glaubten, während andere Häufigkeit und Bedeutung dieser Taten ebenso verbissen herunterspielten.Nun aber zu dem Buch, um das es hier geht. Meiner Meinung nach handelt es sich um ein einseitiges, an manchen Stellen auch polemisches, aber insgesamt kein schlechtes Buch - wenn man sich die Schwachpunkte vergegenwärtigt und sie "im Hinterkopf" behält. Und was ist nun der Schwachpunkt des Buches? Nun, dieser liegt darin, dass den verantwortungsvoll agierenden Eltern, die auf die Umwelt ihrer Kinder achten, ihnen aber AUCH Methylphenidat (= Ritalin und verwandte Medikamente) verabreichen lassen, ein schlechtes Gewissen eingeredet wird. Durch seine zugespitzten Positionen suggeriert der Autor: Wenn man sich nur richtig kümmert, dann gehts auch ohne Ritalin... Und damit macht er es sich leider zu einfach. Sicher, es gibt Kinder und Jugendliche, bei denen die Symptomatik eher schwach ist und bei denen vielleicht auch die Diagnose nicht korrekt gestellt wurde (es empfiehlt sich, einen erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater aufzusuchen). Aber ebenso sicher gibt es Kinder und Jugendliche, die unter so ausgeprägten Verhaltensstörungen leiden, dass die Gabe von Methylphenidat unumgänglich erscheint. Sonst würden sie in der Schule scheitern. Sonst würden sie vielleicht sogar auf längere Sicht drogenabhängig und/oder kriminell werden. Seriöse ADS/ADHS-Fachleute sind pragmatisch und verantwortungsbewusst genug, entsprechend zu verfahren - ohne damit zu Fürsprechern einer rein medikamentösen Therapie zu werden. So hat das Buch alles in allem seine Berechtigung als engagiertes Statement in einer angeheizten Diskussion. Als praktischer Ratgeber für betroffene Eltern ist es eher nicht zu empfehlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
42 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
ADS - Ursache oder Folge?,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Ritalin-Gesellschaft. ADS: Eine Generation wird krankgeschrieben (Gebundene Ausgabe)
Der amerikanische Psychologe und Pharmakologe DeGrandpre liefert zur heftigen und verbissenen Kontroverse zwischen Ritalin-Befürwortern und Ritalin-Gegnern einen zwar einseitigen, dennoch aber lesens- und bedenkenswerten Beitrag. Sein Hauptanliegen ist die Warnung vor der vor allem in den USA rapid zunehmenden Medikamentation mit der „kokain-ähnlichen" Droge Ritalin (Methylphenidathydrochlorid) - Bedenken, die sich auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, zu eigen gemacht hat. Der Autor bestreitet, dass ADS eine angeborene Stoffwechselstörung im Gehirn ist. Bei ADS handle es sich vielmehr um eine Entwicklungsstörung, die ganz überwiegend durch die unkontrollierte Reizüberflutung in der modernen Hochgeschwindigkeitsgesellschaft verursacht werde. Ritalin könne die Symptome überdecken, den Betroffenen die Anpassung an ihr Lebensumfeld erleichtern, sei aber bei der Bewältigung des Grundproblems nicht hilfreich. Die vielfach als paradox beschriebene beruhigende Wirkung des „Aufputschmittels" Ritalin erstaunt DeGrandpre nicht, vielmehr zeige sich bei derartigen Drogen durchaus eine sedierende Wirkung - je nach psychologischem Kontext und Umständen, unter denen sie eingenommen werden. Ritalin ersetze dem Betroffenen die innere Stimulation, nach der er verlange. In den USA werde ADS deshalb mit weit höheren Prozentanteilen festgestellt als in europäischen Ländern, weil die Schnellfeuerkultur („Rapid-Fire-Culture") dort am weitesten fortgeschritten sei. Auch die wirtschaftliche Interessenlage von Ärzten, die mit der ADS-Behandlung Geld verdienen und der Pharmaindustrie, die z.B. ADS-Selbsthilfegruppen mit namhaften Beträgen unterstützt, findet Erwähnung. Diese Konstellation unterscheidet sich in nichts von der anderer Krankheiten, mit deren Behandlung Geld zu verdienen ist. Die Offenlegung der wirtschaftlichen Beziehungen und die öffentliche Diskussion, wie gerade im Buch von DeGrandpre geschehen, ist eines der besten Mittel, um gegen unlauteren Wettbewerb, Manipulation und Verbrauchertäuschung im Gesundheitsmarkt vorzugehen. Manche Einseitigkeit schadet der Überzeugungskraft des Autors, auch wenn er überwiegend vorsichtig und differenziert argumentiert. Bei der Diskussion der Frage, ob neurophysiologische Veränderungen Ursache oder Folge hyperaktiven Verhaltens sind, will DeGrandpre offenbar nicht wahrhaben, dass auch die von ihm angegriffenen Autoren Ratey / Hallowell davon ausgehen, dass sich die soziale Umgebung stark auf die Entwicklung des Gehirns und des Verstandes auswirkt (Ratey im Vorwort zu dem - von DeGrandpre gar nicht erst erwähnten - Buch „Women with Attention-Deficit-Disorder" von Sari Solden, 1995, deutsch: „Die Chaos-Prinzession", 1999). Eine biologistische Determination vertritt keiner der angegriffenen Experten. Laut DeGrandpre ist die US-amerikanische „Kultur der Vernachlässigung" verantwortlich für die Krise der Familie in der Gesellschaft und damit für die Krise des Kindes und die starke ADS-Zunahme. Die „Kernfamilie" habe mehr als ein Jahrhundert lang als sicherer Hafen vor dem wachsenden Druck der Außenwelt gedient. Heute erfülle die amerikanische Familie ihre Grundfunktion immer weniger, die Lebensqualität der Kinder nehme ab. Kennzeichen dieser Entwicklung sei, dass Millionen neuer Mütter in das „Heer der ganztägigen Arbeitskräfte" gingen (entlarvend die deutsche Übersetzung: „Doppelverdiener"), für die Kinder bleibe zu wenig Zeit, sie würden der Obhut „Fremder" überlassen. An anderer Stelle werden die stabilen Beziehungen innerhalb der amerikanischen „Amish"-Sekte als beispielhaft gelobt. Der Autor wollte mit seinem Buch keine konkrete Handlungsanleitung für Betroffene, ihre Eltern und Angehörigen liefern. Dennoch gibt es Hoffnung, dass ADS wenn schon nicht überwunden und endgültig „geheilt", so doch mit eigenen Kräften und mit tatkräftiger Unterstützung durch Angehörige, Selbsthilfegruppen und Therapeuten so weit kontrolliert werden kann, dass ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben möglich ist. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
42 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Muß für alle Kinderärzte und betroffenen Eltern!,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Ritalin-Gesellschaft. ADS: Eine Generation wird krankgeschrieben (Gebundene Ausgabe)
Das Buch beschreibt die ausufernde ADS-Diagnosestellung bei Kindern in den USA. Die psychiatrische ADS-Diagnose wird auf Ihre wissenschaftliche Stichhaltigkeit abgeklopft, mit einem sehr erstaunlichen Ergebnis! Dazu liefert DeGrandpre Fundstellen und Belege für seine Aussagen, die man im Anhang nachlesen kann. Die Wertigkeit seiner Arbeit geht deswegen weit über seine eigene, ganz persönliche Einzelmeinung hinaus. Das Buch zeigt auf, wie eine psychiatrische Diagnose gesellschaftspolitisch und soziologisch regelrecht in eine "Epidemie" ausarten kann (bezogen auf US-Verhältnisse). Als erstes fand ich den Untertitel des Buches "Eine Generation wird krankgeschrieben" reißerisch. Nach dem Lesen des Buches bin ich vorsichtiger geworden und stimme sogar zu. Angesichts von Millionen "Ritalinkindern" in den USA ist dies eine zutreffende Aussage. In Europa herrschen solche Umstände (noch) nicht. Aber meinem Urteil nach vollzieht auch Deutschland die amerikanischen Verhältnisse langsam nach. Es fragt sich, wann auch hier Millionen von Kindern ritalinisiert den Unterricht besuchen werden, ohne daß deren Eltern meinen, im Leben der Kinder und ihrem eigenen liefe irgendetwas falsch.Der Autor weist in seinem Buch nach, daß ADS keine genetische Störung ist. Dies mag auf den ersten Blick verblüffend klingen, aber die wissenschaftlichen Beweise im Anhang des Buches sprechen eine deutliche Sprache. Man sollte sich keineswegs vom Lesen des Buches nur deswegen abschrecken lassen, weil man bisher fest von der biologischen Determiniertheit von ADS überzeugt ist. DeGrandpre streitet einen biologischen Hintergrund von ADS auch gar nicht ab. Aber er macht gleichzeitig klar, wie die westlichen Gesellschaften und allgemeine familiäre Zerrüttung ADS extrem begünstigen. Die Forschung ist nach DeGrandpre einem Irrtum über Ursache und Wirkung aufgesessen. Denn seiner Ansicht nach ist die veränderte Gehirnchemie von ADS-Kindern nicht die genetische URSACHE, sondern die FOLGE familiärer und gesellschaftlicher Mißstände. Seine Ansicht ist für mich als Leser nachvollziehbar. Ich selber denke auch manchmal, daß die veränderte Gehirnchemie von psychisch Kranken wohl eher die Folge problematischer Lebensumstände als die vererbte Ursache psychischer Probleme ist. Ebenso wie DeGrandpre bin ich der Auffassung, daß es besonders empfindliche und schutzbedürftige Kinder gibt, die auf Störungen im sozialen Umfeld eher als "robustere" Kinder reagieren. So ein Temperament mag vererbt sei. Wogegen ich mich wende und was DeGrandpre gut ausdrücken kann, ist, daß SPEZIFISCH ADS vererbt wird. Was mir an diesem Buch weniger gefallen hat, sind die verschachtelten und deswegen manchmal schwer lesbaren Sätze gewesen. Außerdem wimmelt das Buch von Rechtschreib-, Grammatik- und Übersetzungsfehlern. Darüber bin ich unangenehm gestolpert. Stutzig machte mich, wieso die deutsche Ausgabe in Auszügen gekürzt wurde. Traut man dem deutschen Leser etwa nicht zu, daß er die interkulturellen Unterschiede zwischen Europa und den USA ausreichend würdigt? Aber dies sind Probleme, die ich eher den Übersetzern und dem deutschen Verlag ankreide. Deswegen auch der Abschlag in der Bewertung und nur vier von fünf möglichen Sternen. Inhaltlich bleibt das Buch sehr lesenswert. Für jeden ADS-Betroffenen und vor allem Eltern von ADS-Kindern ist das Buch eine Empfehlung. Ebenso sollten Kinderärzte das Buch lesen. Denn Pädiater sind es ja, die das Ritalin zumeist verschreiben. Das Buch fordert geradezu heraus, zu einer zusätzlichen Psychotherapie zu ermuntern (wie es übrigens auch der Ritalin-Beipackzettel dringend empfiehlt). Das Buch fördert die Bildung einer umfassenderen Meinung zum Thema ADS, zusätzlich zur gängigen Meinung der meisten Psychiater. Doch Vorsicht: für Eltern betroffener ADS-Kinder ist das Buch vermutlich eine harte Nuß. Wer denkt schon gern über sich selbst nach, mit der Konsequenz, daß einem mögliche Mißstände im eigenen Leben verdeutlicht werden? Für einen Neueinstieg in die Thematik eignet sich das Buch weniger. Man sollte zumindest die Bücher von "ADS-Befürwortern" (wie Ratey, Hallowell, Hartmann) kennen, um sich mit Kritik an der gängigen Auffassung beschäftigen zu können. FAZIT: Ritalin ist und bleibt eine Krücke, die familiäre Probleme nicht löst, sondern benebelt. Die unbegründete biomedizinische These der ADS-Entstehung verwechselt Ursache und Wirkung der ADS-Entstehung. Deswegen ist dieses psychiatrische Etikett auch so gefährlich. Denn manche Eltern fühlen sich deswegen sogleich von der Beschäftigung mit möglichen eigenen familiären Mißständen entbunden. Das Buch öffnet die Augen und räumt auf mit einseitiger Meinungsbildung. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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