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Die Ringe des Saturn: Eine englische Wallfahrt
 
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Die Ringe des Saturn: Eine englische Wallfahrt [Taschenbuch]

Winfried G. Sebald
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 11 (November 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596136555
  • ISBN-13: 978-3596136551
  • Größe und/oder Gewicht: 18,3 x 11,7 x 2,3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 12.164 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Winfried G. Sebald
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein Reisebericht besonderer Art. Zu Fuß ist Sebald in der englischen Grafschaft Suffolk unterwegs, einem nur dünn besiedelten Landstrich an der englischen Ostküste. Im August, ein Monat, der seit altersher unter dem Einfluß des Saturn stehen soll, wandert Sebald durch die violette Heidelandschaft, besichtigt verfallene Landschlösser, spricht mit alten Gutsbesitzern und stößt auf seinemWeg immer wieder auf die Spuren oft wundersamer Geschichten. So erzählt er von den Glanzzeiten viktorianischer Schlösser, berichtet aus dem Leben Joseph Conrads, erinnert an die unglaubliche Liebe des Vicomte de Chateaubriand oder spürt dem europäischen Seidenhandel bis China nach. Mit klarer und präziser Sprache protokolliert er jedoch auch die stillen Katastrophen, die sich mit dem gewaltsamen Eingriff der Menschen in diesen abgelegenen Landstrich vollzogen. So verwandelt sich der Fußmarsch letztlich in einen Gang durch eine Verfallsgeschichte von Kultur und Natur, die Sebald mit einer faszinierenden Wahrnehmungsfähigkeit nachzeichnet. Und ganz nebenbei entsteht eine liebevolle Hommage an den Typus des englischen Exzentrikers.

Klappentext

Einer geht zu Fuß. Er wandert durch die Grafschaft Suffolk, eine spärlich besiedelte Gegend an der englischen Ostküste, und dort findet er, in den Heidelandschaften und abgelegenen Küstenorten, die ganze Welt wieder. Überall stößt er auf Spuren vergangener Herrlichkeit und Schande. Den geringfügigen Rest am Wegrand bringt er zum Sprechen. Jeder Stein kündet von märchenhaften und unheimlichen Geschichten...

"W.G.Sebald schreibt eine makellose Prosa und ist begabt mit einer fast halluzinatorisch gesteigerten Wahrnehmungsfähigkeit." Der Spiegel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
49 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
W.G. Sebalds im Hochsommer durch den Nordosten Englands streifender Erzähler hebt am Wegesrand gefundene Geschichten von Menschen, Bauwerken und Landstrichen auf und betrachtet sie mit einer fast krankhaften Detailgenauigkeit und Schonungslosigkeit. Fast alle handeln sie von enttäuschten Hoffnungen, von Zerstörung, von monumentalem Irsinn. In Sebalds bedächtiger Sprache, die sich mit beeindruckender Unbeirrbarkeit jeglicher Laxheit, Verkürzung und Schnoddrigkeit enthält, durchwirkt er geschichtlich Verbürgtes mit Erdachtem oder nachfühlender Spekulation, streut Abbildungen und alte Photographien in den Text, knüpft Assoziationen an Fundstücke, so als spiegelte sich alles in allem. Die Wirkung ist unbeschreiblich. Die auch dem Leser in Bruchstücken bekannten geschichtlichen Fakten werden so magisch verwandelt und erhalten bekommen eine irreal-mythische Tiefe, die Fiktion hingegen bekommt den Anschein von Geschichte.
Hinter dieser Methode, den Leser durch das Changieren zwischen den Ebenen zu verunsichern, verbirgt sich natürlich Humor, aber er tritt eben nur auf diese sehr textferne Weise, in der Wechselbeziehung zwischen Autor und Leser auf. Aus dem Text selbst spricht ein tiefes Pathos. Das vehemente Erinnern, das Aufheben und Behalten von Geschichten, ist hier eine wütende Rebellion gegen das menschliche Vergessen und gegen die Zerstörung, ist auch Trauer über die Flüchtigkeit menschlicher Illusionen und Träume, ist der Schmerz über so viel sinnlosen Schmerz. Dieses Buch ist also schwere Kost, und die ganze Stimmung findet sich im Bild des verlassenen Küstenortes, auf dessen Amüsiermeile sich niemand mehr amüsiert, der in der flirrenden, schwülen Hitze steht und schweigt.
W.G. Sebald war für mich für mich einer der aufregendesten und eigenwilligsten deutschsprachigen Erzähler überhaupt, sein Vermächtnis wartet noch auf weitere Entdecker. Ich halte dieses Buch aufgrund seiner atmosphärischen Dichte, seiner thematischen Geschlossenheit und der Einfachheit des Plots für besonders gelungen. (Anders als "Austerlitz" oder "Schwindel. Gefühle"). Ich habe es mit einem Klumpen im Bauch und oft angehaltetenem Atem in einem Rutsch durchgelesen.
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59 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sog der Erinnerung 17. Dezember 2001
Format:Taschenbuch
W. G. Sebald wandert durch Ostengland und berichtet von seinen Begegnungen und Gedanken. Er betreibt intensive Spurensuche: alte Ortschaften, Landsitze, literarische Spuren, lebende und verstorbene Menschen. Sein Blick verengt sich oft auf wichtige Momente und das sprechende Detail. Ebensooft weitet sich sein Blick auf weite Zeiträume und großräumige Zusammenhänge. Durch diesen extremen Zoomeffekt und Sebalds unnachahmliche Sprache, die oft mehr andeutet als direkt ausspricht, entsteht ein Sog, der den Leser tief in seine Welt hineinzieht.

Sebalds Liebe gehört der Tapferkeit und Beharrlichkeit, mit der Menschen ihr Leben leben, auch wenn sie nach oberflächlichen Kriterien gescheitert sind. Auf lange Sicht scheitert ohnehin alles, was dem Vergessen anheimfällt. Für Sebald ist es aber entscheidend wichtig, den Spuren des Vergangenen nachzugehen und das Leben von vergessenen und verkannten Menschen für einen Moment in seinen Büchern aufleuchten zu lassen.

Heute habe ich in der Zeitung gelesen, dass W. G. Sebald bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Jetzt liegt es an uns, die Erinnerung an ihn wachzuhalten, seine Bücher zu lesen und dabei zu lernen, was es heißt, Mensch zu sein.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Diethelm Thom VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Es zieht den Sprecher/Autor nach Suffolk in England, nach seiner Beschreibung einem gottverlassenen, einsamen Stück Erde, das er durchwandert. Hier findet er offenbar die landschaftlichen Entsprechungen für sein Lebensgefühl und seine Auffassung von der Geschichte der Menschen. Die besteht nämlich für ihn in erster Linie aus "Kalamitäten" (350), die rastlose Tätigkeit der Menschen sieht er regelmäßig enden in Katastrophen, unvorstellbarer Grausamkeit und Zerstörung. So wird das Wandern in der Heide von Dunwich zu einem Herumirren, das "beängstigend und grauenvoll" (205) ist. Er trifft andere einsame Einzelne, Sonderlinge. Die Schilderungen geraten immer wieder ins Surrealistische, Unheimliche. Sebalds Menschen sitzen seit Ewigkeiten als Fischer in primitiven Schutzzelten am Strand, wortlos, kommunikationslos und starren aufs Meer oder ebenso als alte Seefahrer regungslos im "Reading Room" von Southwold mit Blick aufs Meer oder als die letzten Überlebenden des unglücklichen Adelsgeschlechts der FitzGeralds, die sich wie Schlafwandler in ihren dick verstaubten Interieurs bewegen. Die Orte und die Zeiten verwirbeln sich, die Gegend bei Dunwich kommt dem Wanderer so leer und einsam vor, dass "er kaum zu sagen vermöchte, ob er an der Küste der Nordsee sich befindet oder nicht vielleicht am Ufer des Kaspischen Meers oder am Golf von Lian-tung." (187). Die Vergangenheit existiert "bloß als Erinnerung", die Zukunft nur als "Furcht und Hoffnung" (186). Und während er sich mehr im Vergangenen als im Gegenwärtigen bewegt, ergeben sich für ihn immer wieder die rätselhaftesten Zusammenhänge, Korrespondenzen, die ihn faszinieren, aber auch verwirren.

Ein Beispiel: Noch schwach sichtbare Drachenembleme auf einer alten Eisenbahn und ihren Waggons veranlassen ihn zu Recherchen über die Ursache. Die liegt in China, ein technikinteressierter kaiserlicher Thronanwärter sollte sie verehrt bekommen. Es folgt die Geschichte des Niedergangs des chinesischen Kaisertums im 19. Jahrhundert, wobei die Kaiserinwitwe eine zentrale Rolle spielt, ebenso ihre Fixiertheit am Ende ihrer Herrschaft auf die Zucht von Seidenraupen. Neurotisch und in ihrem Palast isoliert lauscht sie nur noch täglich den unheimlichen Fressgeräuschen der Raupen, ein Symbol für die Wendung des geschichtlichen Prozesses ins Schreckliche. Am Aufenthaltsort des englischen Dichters Swinburnes wiederum stellt Sebald später fest, dass dieser die gleichen Geburts- und Todesdaten hat wie die Kaiserinwitwe, dass Swinburnes Familie sich von Kublai Khan her datiert, der seinen mythischen Wohnsitz zuerst in Peking, dem späteren Ort des Kaiserpalastes hatte, dass der spinnendürre Swinburne mit seinem überproportional großen Kopf und wildem roten Haarschopf mechanisch wie eine Seidenraupe seine Mahlzeiten zu verzehren pflegte. Vielleicht erklärt diese Bedeutung der Seidenraupen zum Schluss den Exkurs über die Seidenraupenzucht unter besonderer Betrachtung der Trauerseide in England und dem übrigen Europa.

Weiß man genauso wenig wie der Sprecher, wozu dies alles dient, so überlässt man sich doch der Faszination solcher Visionen, den geheimnisvollen Korrespondenzen und düsteren Stimmungen, alles geschrieben in einem konventionell korrekten Stil, der mit seinen häufigen Partizipialkonstruktionen in relativ langen Sätzen an Thomas Bernard oder Peter Handke erinnert. Zu bewundern ist, wie hier gewissermaßen aus dem Nichts heraus Kunst entsteht.
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