In diesem Märchenwerk des Dichters Brentano, das schon 1811 entstanden ist, aber erst 1846 herausgegeben wurde, erscheint der Fluss in mythischer und symbolischer Qualität, einerseits als Lebensstrom, den die deutsche Vergangenheit in Gestalt von Burgen, Liedern, Märchen und Sagen säumt, andererseits als Strom des eigenen Lebens, in dessen Dahinfließen sich die Ewigkeit spiegelt.
Für Brentano ist die Landschaft des Rheins der Raum, wo sich das dichtende Element, der elementaren Natur, der fließenden Zeit und der Geschichte bewusst wird, in der Folge überlieferte Zeugnisse in eigene Dichtung fasst und schließlich aus der Vereinzelung lyrischer Weltbewegung heraustritt.
Der Zyklus der Rheinmärchen ist nicht vollendet, aber sein Ziel ist klar vorgezeichnet. Wie in vielen Volksmärchen geht es um Erlösung. Der Protagonist muss nicht zuletzt einen Fluch von fünf Generationen seiner Familie nehmen, die sich in mythischen Verhältnissen verfangen hat. Zudem möchte er Mainzer Kinder, die tief unten beim Vater Rhein wie Geiseln gehalten werden heraufholen helfen. Die erstarrte Vergangenheit der Vorväter soll erlöst werden und auf diese Weise die lebendige Zukunft der Kinder hervorgebracht werden. Das Mittel dazu ist das Märchenerzählen.
Ich habe das Märchen auf einer Bank in Bacharach mit Blick auf den Rhein gelesen. Dort entfaltete es seine Wirkung auf beeindruckende Art.