Es ist zweifellos ein schönes Buch, welches jedoch - für das bessere Verständnis - ein relativ geschultes Lesepublikum voraussetzt. Der Autor ist ein Journalist und ein sehr guter Kenner und Genießer der modernen Küche. Wobei "modern" sehr oft relativiert wird. So liest sich auch das Buch - ab und an hat man Lust, die beschriebenen Restaurants aufzusuchen und zu dem praktischen Teil - Genuss - zu übergehen. An einigen Stellen will man jedoch ein kulinarisches französisch-deutsches Wörterbuch konsultieren. Und das war für mich eine Enttäuschung, da die Bezeichnungen der Gerichte nicht übersetzt und oft nicht näher beschrieben wurden. Man kann darunter schlechthin nichts vorstellen. Schade. Ein kleines Wörterbuch o.ä. im Anhang wäre durchaus sinnvoll.
Manchmal fehlte mir die Homogenität und Abgeschlossenheit. Es liest sich so, als ob der Autor zwischen einigen Kapiteln lange Pausen eingelegt hatte, was wiederum den Anschein erweckte, dass man ein Sammelsurium von Zeitungsbeiträgen vor sich liegen hatte. Daher handelt es sich für mich um ein Buch ohne zu großen literarischen Anspruch, es war jedoch eine gut gelungene journalistische (Recherche)Arbeit mit einem leichten Boulevardzeitungsakzent (spricht man von der Bezahlung und Honoraren der großen Köche, dem Interview mit Karl Lagerfeld etc.). An einigen Stellen habe ich tatsächlich den roten Faden verloren - who is Ferran Adria? Im Buch gibt es keinen Kern, manchmal sieht man nur eine Anhäufung von persönlichen Assoziationen, Konnotationen, undurchschaubaren Feststellungen, denen man schwer folgen kann. Und gerade das ist für mich ein Zeichen einer akribischen Arbeit des Autors - das Buch ist an manchen Stellen sehr persönlich, beinahe intim.
Kassenschlager wird das Buch nicht, ist aber für einen interessierten Leser eine gute Lektüre über neue Küche, ein Porträt von Ferran Adria und eben ein Versuch, die Küche, das Kochen und die Kunst zu vereinen.