Dieses 2002 erschienene Werk kann gut als Vorbereitung bzw. als Einstieg für Zizek gigantomanisches Buch "Parallaxe" (2006) bzw. als Einstieg für Leser denen Zizeks "The Ticklish Subject /Die Tücke des Subjekts" zu schwer war, benutzt werden. Denn hier werden kürzer - und vor allem weniger komplex - Grundantriebe politischer Theoriebildung heute diskutiert. Wie üblich geht es - wie immer bei linker Theoriebildung - darum wie man in eine bestehendes System intervenieren kann, ohne den Forderungen dieses Systems zu gehorchen. Oder wie Zizek mit Lenin schreibt: "Bei Lenin wie bei Lacan, la révolution ne s'autorise que d'elle-même; man sollte den revolutionären Akt durchführen, der nicht vom großen Anderen autorisiert wird - die Furcht, "zu früh" an die Macht zu gelangen, die Suche nach einer Garantie ist die Furcht vor dem Abgrund der Tat/des Aktes."(p.13). In einer kühnen Wendung am Ende der Einleitung schreibt Zizek unserer Gegenwart eine ähnliche revolutionäre Situation zu wie 1917 zu Lenins Zeiten. Er schreibt: " Leben nicht auch wir in einem Zeitalter, in dem der Staat und seine Apparate, einschließlich der politisch Handelnden, immer weniger in der Lage sind, Schlüsselthemen zu artikulieren?" (ebd. 16). In mehreren Abschnitten beginnt nun Zizek unsere Gegenwart mit lenistischen Augen zu sehen. Stichworte hier: Liebe, Ideologie, Wahrheit, Trennlinie zwischen Materialismus/Idealismus, Marx, Badiou, Deleuze, Derridas democratie à venir.
Der Höhepunkt ist das letzte Kapitel mit dem Titel "Gibt es eine Politik der Subtraktion?" in der sich Zizek wieder einmal mit seinen Lieblingsgegnern Alain Badiou, Ernesto Laclau und Claude Lefort auseinandersetzt, um wieder einmal die lacanianische Trias RSI in die Politik bzw. in die Kluft zwischen Materialismus und Idealismus einzuschreiben, die nichts anderes ist, als die Kluft des Realen, das Pas-TOUT". Am Ende wird die Rückkehr gegen die Wiederholung ausgespielt.
Fazit: Ein Einstieg für Leser, die zu Recht die Lektüre von "Parallaxe" scheuen. Eine zum Teil witzige Ergänzung für Kenner von Zizek, die einfach alles lesen wollen. Die Kritik meines Vorredners, dass das Buch verstümmelt veröffentlicht wurde, ist vollkommen abwegig. Gut es fehlen eben Briefe von Lenin. Wer mag kann ja immer noch das Original lesen. Aber das kann doch wohl nicht dazu führen, dass man dann das ganze Buch vernichtet und den interessanten Rest nicht mehr zur Kenntnis nimmt. Ich vergebe 4 Sterne, weil es eines der provokantesten und leicht lesbaren Bücher von Zizek ist.