Im Herbst 1955 erschienen, wurde dieses von 1935 bis 1949 handelnde Buch des 1921 in Wien geborenen Leonhard rasch ein politischer Bestseller und eines der wichtigsten Bücher überhaupt zum "real existierenden Sozialismus" von Sowjetunion und sich bildender DDR.
Mit 13 Jahren verläßt er mit seiner in der Illegalität arbeitenden kommunistischen Mutter 1935 Nazideutschland und emigriert über Schweden in die Sowjetunion Stalins. Während seine Mutter von dem "Volkskommissariat für innere Angelegenheiten" oder NKWD (das war eine sowjetische Behörde, die als Träger der Geheimpolizei gefürchtet war und unter diesem Namen von 1934 bis 1946 bestand, dann ins MWD (Ministerium für innere Angelegenheiten) überführt und 1954 zum KGB umgewandelt wurde) verhaftet wird und 12 Jahre in Arbeitslagern verbringt, muß Leonhard sich in Moskau allein durchschlagen in einem Heim für deutsche und österreichische Emigrantenkinder, studiert Fremdsprachen auf der Hochschule und wird Komsomolze. Nach dem Kriegsbeginn mit Hitlerdeutschland wird er zwangsumgesiedelt nach Karaganda. Weitere Stationen seines Aufstiegs in der Funktionärslaufbahn sind die Komintern-Schule und, nach deren Auflösung, die Mitarbeit im "Nationalkomitee freies Deutschland". Als Mitglied der "Gruppe Ullbricht" gelangt er in die sowjetisch bestimmte Besatzungszone Ostdeutschlands, genauer nach Ostberlin, um am Aufbau der künftigen DDR mitzuhelfen. Nach einem Besuch Jugoslawiens und Innewerden von dessen Versuch eines freieren und von Moskau abgesetzten eigenen Weges zum Sozialismus werden die inneren Widersprüche - seine "politischen Bauchschmerzen" - stärker, und er flieht im Gefolge von Titos Bruch mit Stalin im März 1949 nach Jugoslawien.
Das Werk ist autobiografisch und authentisch, es leistet einen ungemein wichtigen Beitrag zum Verständnis der geschichtlichen Entwicklung in der stalinistischen Sowjetunion der 30er und 40er Jahre des 20. Jhdts., zudem werden ungeschminkt die deutlichen Unterschiede des gemeinen Volkes, welches besonders während des 2. Weltkrieges hungert und friert, und dem immer reich gedeckten Tisch der chauffierten Funktionärsanwärter geschildert, die so gar nicht zur Theorie des Marxismus-Leninismus passen wollen und früh schon Zweifel am System bei Leonhard aufkommen lassen, wenn er auch lange noch alles "mitmacht". Das Buch zeichnet sich aus durch seine Objektivität, das System wird nicht nur schlecht gemacht, sondern seine Ansprüche durch den bekennenden Sozialisten Leonhard auch gewürdigt. Wie Leonhard im Vorwort zur 2005er Ausgabe berichtet, wurde das im Osten selbstverständlich verbotene Buch dort auch verbreitet mit falschen tarnenden Buchdeckeln und trug so nicht unerheblich zum Nachdenken bei SED-kritisch eingestellten Menschen der DDR bei. (3.08.06)