"Renaissance" - hört man dieses Stichwort, so gibt sich im Großhirn eine illustre Gesellschaft die Ehre (wenn das gewagte Bild gestattet ist): Botticelli, Dante, Shakespeare, Hutten, Michelangelo, die Medicis, Brunelleschi, Machiavelli, Leonardo da Vinci ... undundund. Eine erlesene Versammlung. Kein Wunder, wenn man nun mehr über die Epoche wissen und Zusammenhänge erkennen möchte.
Dieses Buch stillt den dringendsten Informationshunger und macht Appetit auf mehr.
Zunächst einmal legt Johnson die historischen, politischen, technischen und ökonomischen Voraussetzungen der Renaissance dar, um in den folgenden Kapiteln näher auf jene Gebiete einzugehen, die sie ganz besonders prägten (und umgekehrt): Literatur, Wissenschaft, Bildende Künste, Architektur. Im letzten Kapitel skizziert er, analog zum ersten, die Gründe für den Niedergang der Epoche.
Besonderes Gewicht legt Johnson auf die Entwicklung in Italien, insbesondere Florenz - kein Wunder; hier lag das Epizentrum der Renaissance. Aber auch ihre Ausbreitung in (fast) ganz Europa kommt nicht zu kurz.
Die einzelnen Kapitel sind in bester angelsächsischer Sachbuch-Tradition verfasst, klug, informativ und gut geschrieben. Vor allem Leser ohne tiefergehendes Vorwissen können auf ihre Kosten kommen, was aber nicht heißen soll, das Buch sei trivial. Ganz im Gegenteil; Johnson versteht es, das Wesentliche systematisch darzulegen. - Abgesehen davon: Wieviele deutsche Leser könnten von sich behaupten, sie seien Spezialisten auf dem Gebiet?
Abgerundet wird das alles durch eine Zeittafel, ein Namensregister und Literaturhinweise. Was man ein wenig vermisst, sind Illustrationen, aber da das Buch vor allem einen Überblick verschaffen soll, hätten Abbildungen wohl den Rahmen gesprengt, vielleicht sogar die Darstellung etwas einseitig gemacht. Und da diese Einführung, wie gesagt, Appetit auf mehr macht, lässt sich dies Manko verkraften.
Wer also, aus welchem Grunde auch immer, ein wenig mehr über diese faszinierende Epoche erfahren will, wird hier bestens bedient. Übrigens eignet sich das Buch wegen der übersichtlichen Darstellung auch gut als Reiselektüre, etwa bei einem Rom- oder Florenz-Besuch.