Justinus Kerner, der geistergläubige Arzt und "Dichter" aus Weinsberg, ist sicher heute nur noch mäßig genießbar. Insbesondere die Gedichte ("Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes" ...etc.) sind kaum noch zumutbar (selbst in Vertonungen z.B. von Schumann nicht). Die "Reiseschatten" stellen aber eine echte, leuchtende Perle in Kerners Schaffen dar: Reinste, unbeschwerte, phantasiestrotzende und heitere Romantik (insbesondere die "Schattenspiele" aus diesem sehr heterogen zusammengesetzten Band). Empfehlenswert! Wer weitere angenehme Lektüre bei diesem schwäbischen Spätromantiker sucht, sei allenfalls auf die "Erinnerungen aus meiner Knabenzeit" verwiesen, ein Buch, das Kerners Kindheit in Ludwigsburg zum Inhalt hat. Man lasse sich also von Monstrositäten wie der "Seherin von Prevorst" nicht abschrecken!