Zum dritten Mal, nach "In einem Land vor unserer Zeit" und "Disneys Dinosaurier" wird die Geschichte eines Dinosauriers verfilmt, der auf eine Reise geht, seine Herde verliehrt und gegen alle Widerstände sein Ziel erreicht - nachdem der böse Fleischfresser seine gerechte Strafe gefunden hat, versteht sich.
Soweit das allgemeine Grundgerüst. Im Gegensatz zu den sprechenden Tieren aus Bluths Trickfilm und Disneys Realverfilmung versucht sich "Die Reise der Dinosaurier" eher im Stil einer Dokumentation. Es wird vorgegeben, das alles paläontologisch abgesichert ist und anstatt Kontinentaldrift, Vulkanausbruch oder Impakt ist es diesmal die vermutete alljährliche Wanderung oberkreidezeitlicher Dinosaurier aus den Polargebieten in den wärmeren Süden. Soweit so gut ist das vorliegende Produkt, trotz des Lobgesanges von Produzent und Regisseur (im Bonusmaterial), die schwächste der 3 Versionen.
Dabei ist die Ausgangslage nicht schlecht. Ein vermutlich reales Szenario, keine sprechenden Tiere und die Möglichkeit per Offstimme noch Wissen zu vermitteln. Leider wird all dies nicht genutzt und am Ende steht ein reiner, 80 minütiger Kinderfilm, der keine neuen Erkenntnisse, aber viele Vermutungen (allerdings längst nicht so lächerlich wie bei "Jurassic Fight Club" oder "Urzeitkrieger") und dramaturgische Drehs aufbringt um die Laufzeit zu überbrücken.
Wo liegt es (meiner Meinung nach) im Argen:
- die Dinosaurier sind teilweise nett aber teilweise auch schlecht animiert. Insbesondere Scar, der junge Hauptdarsteller, wirkt wie eine dumme Kuh und ist unattraktiv animiert. Es fehlt schwer für diesen unförmigen Sack Sympathien zu entwickeln. Auch die ceratopsiden Pachyrhinosaurier wirken eher plump und träge. Allein die Fleischfresser, insbesondere die großen Räuber wie Gorgosaurus und Albertosaurus strahlen eine gewissen Agilität, Bedrohung und Charisma aus. Auch wirkt dort das Federkleid nicht unpassend. Aber keines der Tiere wirkt ansatzweise real. Allen ist die Herkunft aus dem Rechner sofort anzusehen.
- große Massenwanderungen, auch wenn sie immer wieder im Off-Text betont werden, sieht man nicht. Die Herde ist trotz rauszoomens klein und die Tiere laufen in großen Abständen zueinander. Das hinterlässt keinerlei Eindruck wie z.Bsp. Bilder von riesigen Tierwanderungen aus dem heutigen Afrika es tun.
- Dramaturgie. Obwohl die Tiere nicht sprechen zwängt man sie in menschenähnliche Verhaltensmuster. Natürliches Verhalten ist nicht zu sehen, eher das zielsichere Hangeln von einer Bedrohung zur nächsten. Dabei sind die anderen Dinosaurier, neben den wenigen zentralen Akteuren, nur "Redshirts" die rechtzeitig zur Stelle sind zum Sterben um Scar vor seinem verdienten Ende zu schützen. Und wieso die Troodonten im tiefsten Winter riesige ungeschütze Nester bauen erschließt sich auch nicht (außer das etwas Zeit gefüllt werden musste). Außerdem leben unter der polaren Meereisdecke Mosasaurier (müssen wohl nicht zum atmen auftachen sondern haben Kiemen?) und das letzte Hinderniss, ein Fluss, stellt wohl vielmehr sowas wie den marinen Kontinentalschelf dar, so wie es da vom Ufer in die Tiefe geht. Das ein Albertosaurier nebenbei mal Feuer fängt und rauchend und brennend den Hauptakteur verfolgt ist dann fast schon wieder belustigend.
- die Umgebung. In meinen Augen das größte Manko! Mag Handlung und Wissensvermitlung noch so schlecht sein, tolle Bilder entschädigen für vieles. Nicht so hier. Alles bewegt sich auf dem einfachen Niveau von Computerspielzwischensequenzen. Und nicht mal den besten. Die polaren Wälder aus der Nähe sind mehrere Baumreihen hinter denen die karge Landschaft jederzeit durchschimmert. Die Winterlandschaften sind weiß, aber das sieht nicht aus wie Schnee sondern im besten Fall Puderzucker, meistens Kunsstoff, aus denen Texturlose Stämme ragen. Nett für einen sureallen Trickfilm, aber unpassend für auf Realismus getrimmte Computerbilder. Die Wanderung der Tiere führt durch leere Täler ohne Details, Vulkanlandschaften ohne Details und Trockengebiete ohne Details. Das Wasser ist schlecht animiert dickflüssig, herausragende Felsen sind rundgelutschte, glatte Fremdkörper, wie sie vor 10 Jahren in Computerspielen benutzt wurden. Alles ist detailarm künstlich, in den besten Szenen erinnern die Bilder an Ice Age 3, normaler Weise aber an Grafik aus Computerspielen von 5 Jahren. Es wirkt alles unglaublich billig. Dagegen sind die Bilder aus der "Dinosaurier - Im Reich der Giganten" Dokumentation von 1999! purer Realismus. Gut, hierfür gab es wohl nur ein Bruchteil des Budgets von damals, aber dann sollte man Worte wie "hievt die Dinosaurierdokumentationen auf ein neues Level", wie Produzent Jasper James im Bonusmaterial stolz sagt, bitte weglassen.
Fazit:
Die Dokumentation über eine Reise von Edmontosauriern aus den polaren Gebiten zu den Sommergründen im Süden ist ein Film für die ganze Familie, insbesondere Kinder, im dramaturgischen Stil von "In einem Land vor unserer Zeit" den man einmal anschauen kann. Aber nicht muss! Inhaltlich und vor allem optisch stellt dieses Werk keinerlei Konkurenz dar zu anderen Dinosaurierdokumentationen (Dinosaurier - im Reich der Giganten, Prehistoric Park, Giganten der Urzeit, Dinosaurier Planet). Für Leute, die ihren Horizont bezüglich Dinosauriern erweitern wollen, nur bedingt geeigent. Aber für Kinder ok.