Der Autor legt mit seinem Debüt ein atemberaubendes Werk vor, dass man tatsächlich kaum aus der Hand legen kann. Bedingt durch (leider) nur 313 Seiten, äußerst kurze Kapitel und geschickt platzierte Cliffhanger ist ans Aufhören zu lesen kaum zu denken.
Ich denke man verrät nicht zu viel, denn das wird zeitig klar, dass im Buch - grob zusammengefasst und ohne Ansehung verschiedener Rückblenden bzw. Perspektiven - zwei Haupthandlungsstränge erzählt werden, wobei eine Geschichte in der Gegenwart spielt und die andere drei Jahre zurückliegt. Beide Erzählstränge verknüpfen sich auf interessante Weise miteinander und gipfeln schließlich in einem Showdown. Die Täter der beiden Geschichten werden schnell offenbar und so gibt es hier kein Rätselraten um die Täter, sondern man begleitet sie und ihre Psychosen vielmehr genauso wie die Opfer und die Ermittler. Die beiden Haupthandlungen sind an Morbidität kaum zu übertreffen, aber dennoch nicht lebensfremd. Die gezeichneten Charaktere sind glaubhaft. Insbesondere, was sie umtreibt die Morde zu begehen, wobei ich hier kein Verständnis für die Taten wecken will. Aber gemäß "
Das Serienmörder-Prinzip: Was zwingt Menschen zum Bösen?" von Stephan Harbort - der in seinem Buch von authentischen Fällen berichtet - besteht das Prinzip des Serienmörders aus 5 Phasen, beginnend mit der sog. Genese, also einem Schlüsselerlebnis des Täters. Auch diese Schlüsselerlebnisse werden im Buch aufgezeigt. Die Story ist bis zum Schluss perfekt durchdacht und in sich stimmig.
Auch wenn es sich hier um ein gelungenes Erstlingswerk handelt, dass allein der Geschichte wegen volle Punktzahl verdient hätte, ziehe ich einen Stern ab, da nach meinem subjektiven Empfinden der Protagonist Hauptkommisar Kern ein wenig farblos geblieben ist. Außer dass er eine Frau und eine Tochter hat und temporär Alkoholabusus betreibt, erfährt man nicht sehr viel bzw. ist Kern zu "unkernig", zu glatt. Losgelöst als einteiligen Thriller betrachtet wäre das nicht allzu schlimm, es geht ja schließlich mehr um die Aufklärung der Verbrechen. Aber gemäß dem Klappentext handelt es sich bei dem Buch um den Auftakt zu einer Buchreihe um den Ermittler Kern. Da bleibt zu hoffen, dass der Autor Kern noch ein bisschen Farbe verleiht und eine Schippe draufpackt. Ebenso Punktabzug gibt es für das nach meinem Geschmack leicht überzogene Ende. Weniger ist eben manchmal wirklich mehr.
Gleichwohl lautet mein Fazit: Kaufen, lesen, staunen, Glücklichsein, das Buch gekauft zu haben.